Ausland

«Ich glaube nicht mehr an eine Lösung»

Von Finn Canonica und Rico Czerwinski. Aktualisiert am 23.01.2009 46 Kommentare

Viele halten Israels Politik für die Ursache des Blutvergiessens im Nahen Osten. Doch das Problem ist unendlich komplizierter – sagt der linke israelische Historiker Benny Morris im «Magazin»-Interview.

«Die Militäraktion ist Israels einzige Möglichkeit, Frieden zu kaufen»: Benny Morris.

«Die Militäraktion ist Israels einzige Möglichkeit, Frieden zu kaufen»: Benny Morris.

Er ist das lebende Klischee des ruppigen Israeli: Benny Morris, Holzfällerhemd und Vogelnestfrisur, führt die Besucher in den Garten seines Hauses in Li On, einem israelischen Dorf auf einem Hügel zwischen Jerusalem und Tel Aviv. Zwei Köter raufen sich im Garten, es riecht nach Zitronen, golden scheint die Abendsonne über das gelobte Land. Der israelische Historiker fällt in einen Korbstuhl und setzt ein Lächeln auf. Er kennt sie, die typischen Europäer. Sie kommen immer dann nach Israel, wenn wieder mal Krieg ist. Sie haben sich ihre Meinung meist schon gemacht. Hier der brutale Goliath Israel, dort der geschundene palästinensische David. Das Bild Israels als Täter ist nur schwer aus den Köpfen zu bringen – verständlich, mit Blick auf die Opferzahlen nach dem jüngsten Krieg im Gazastreifen. Der sechzigjährige Morris verdankt seine weltweite Beachtung in den politischen Debatten den vielen Büchern, in denen er schonungslos die Gründungsgeschichte seines Landes beschrieb. Mit diesen Arbeiten hat sich Morris viele Feinde gemacht. Er wurde als Linker vom israelischen Establishment gemieden, lange wollte ihn keine Universität beschäftigen. Das lag mindestens ebenso an seinen deutlichen Worten wie daran, dass er Argumente immer mit unangreifbaren Zahlen und Statistiken zu belegen wusste.

Benny Morris, Sie haben sich in Israel Feinde gemacht, weil Sie einen zentralen Mythos der israelischen Staatsgründung infrage gestellt haben. Was genau hat die Israeli so verärgert?
Ich habe ein Buch veröffentlicht, in dem ich aufzeige, wie die Zionisten unmittelbar vor und nach der Gründung Israels 1948 rund 60 Prozent der palästinensischen Bevölkerung vertrieben und deren Gesellschaft zerstört haben.

Wusste man das nicht bereits?
Man wusste nicht oder wollte es in Israel nicht wahrhaben, wie sich die Zionisten in diesen Jahren gegenüber den Palästinensern verhalten haben. Bis zu meinem Buch gab es über diese Ereignisse eigentlich nur beschönigende Geschichtsschreibung, teils pure Propaganda. Sie lautete, dass die 700'000 Palästinenser das Land auf Geheiss ihrer Führer quasi freiwillig verlassen haben. Dass die Zionisten nur sanften Druck auf die Palästinenser ausübten und die Araber alle Angebote einer friedlichen Koexistenz ablehnten. Diese Version der Geschichte konnte man in jedem israelischen Schulbuch lesen. Mein Buch zerstörte diesen nationalen Mythos.

Wie reagierte das israelische Establishment auf Ihr Buch?
Erst schenkte man ihm keine Beachtung, weil es zunächst nur auf Englisch erschienen war. Drei Jahre später, 1991, erschien es auf Hebräisch. Dann begannen die Angriffe auf mich.

Sie wurden als Revisionist bezeichnet.
Ja, man hängte mir alles Mögliche an. Ich selbst sehe mich als einen Historiker, der Geschichte nicht als Beschönigung der eigenen Vergangenheit versteht. Ich bezeichnete mich und ein paar Kollegen, die ähnlich dachten, als «Neue Historiker».

Was genau geschah bei der Gründung Israels?
Israel akzeptierte den Teilungsvorschlag der Uno, Palästina zwischen Arabern und Juden aufzuteilen. Die Israeli hätten 55 Prozent des Landes erhalten sollen, die Palästinenser den Rest. Sie lehnten den Vorschlag ab. Im April 1948 bereiteten sich die benachbarten arabischen Länder auf einen Angriff gegen Israel vor. Die in Israel lebenden Palästinenser griffen jüdische Siedler an, die Juden reagierten mit Attacken gegen palästinensische Dörfer. Die arabische Miliz kollabierte und die Bevölkerung floh.

Können Sie noch detaillierter über diese Zeit sprechen?
Die Mehrheit der Araber wurde mit Gewalt vertrieben. Die Zionisten griffen Dörfer an, sprengten Häuser, es kam zu Massakern, mindestens ein Dutzend arabischer Frauen wurde von jüdischen Milizen vergewaltigt. Es gab insgesamt etwa zwei Dutzend Erschiessungen, die Juden töteten etwa neunhundert Araber. Viele Palästinenser flohen aus Angst vor diesem Terror in den Libanon, nach Jordanien, Syrien und Ägypten. Insgesamt nahmen die Zionisten gegen vierhundert Dörfer und ein Dutzend Städte gewaltsam ein. All diese Dinge zu erfahren, war für viele Israeli schmerzhaft. Schliesslich hat der Nationalheld David BenGurion sein Leben lang verkündet, dass Israel keinen einzigen Araber vertrieben hat.

Waren Sie geschockt, als Sie diese Dokumente fanden?
Ich war überrascht. Ich bin aber auch nicht der Meinung, dass Juden besser sind als andere Menschen. Bürgerkriege sind leider immer besonders grausam. Jeder Historiker weiss, in solchen Kriegen werden praktisch immer Verbrechen begangen.

Diese Vertreibungs- und Terroraktionen waren Teil derisraelischen Politik, schreiben Sie in Ihrem Buch.
Das ist zu vereinfacht formuliert. Wahr ist, dass bereits vor 1948 darüber nachgedacht wurde, alle Araber aus dem Land zu deportieren. Die Juden fürchteten, dass sie in Palästina weiterhin verfolgt werden könnten. Dann jedoch erwies sich der sichere Hafen Palästina als Illusion. Ben Gurion sagte: Es gibt für Juden nur Sicherheit, wenn man alle Araber aus dem Land bringt. Das war aber nie die offizielle Politik, die Idee steckte mehr in den Hinterköpfen der zionistischen Führung. Entweder man vertreibt die Araber oder man entschädigt sie finanziell, wenn sie freiwillig gehen.

Kann man von einer systematischen Vertreibung der Araber sprechen?
Nein. Es blieben ja nach dem Gründungskrieg noch 150'000 von ihnen im Land. Aber es war klar, dass Ben Gurion lieber weniger als mehr Araber in Israel haben wollte. Er war überzeugt, dass dies die beste Lösung für beide Seiten sei.

Manche Kritiker werfen Israels damaliger Führung eine ethnische Säuberung vor.
Dieser Ausdruck erscheint mir zu hart. Man sprach damals vom «transfer» der arabischen Bevölkerung. Bereits 1895 notierte Herzl, der Gründer der zionistischen Bewegung, in sein Tagebuch, man müsse die Araber wohl aus dem Gebiet eines künftigen Staates ausschaffen. 1937 sprach dann auch Ben Gurion am Zionistenkongress in Zürich vom «transfer» aller Araber aus dem Land. Und Chaim Weizmann wollte 1941 eine Million Araber aus Plästina in den Irak umsiedeln und dafür zwei Millionen jüdische Immigranten nach Palästina bringen.

Welche Rolle spielten damals die berüchtigten Palmach-Milizen?
Die Palmach war eine Eliteeinheit der Haganah, einer paramilitärischen Untergrundorganisation der Zionisten. Tatsächlich hat die Palmach Verbrechen an Palästinensern begangen. In einem Dorf hier in der Nähe etwa wurden am 13. Mai 1948 einige Dutzend Bewohner erschossen. Im Mai 1948 exekutierten die Mitglieder der Palmach auch ungefähr fünfzig arabische Gefangene. Insgesamt starben in diesem Krieg etwa neunhundert Araber und dreihundert Israeli.

Sie machten sich auch wegen anderer Forschungs ergebnisse Feinde in Israel. Sie widerlegten den David-gegen-Goliath-Mythos des Gründungskriegs, wonach die schwachen Juden einen übermächtigen arabischen Gegner besiegten.
Die Armeen von Syrien, Libanon, Irak und Jordanien waren den Israeli zahlenmässig überlegen, das steht fest. Es kämpften insgesamt 1,3 Millionen Araber gegen 650'000 Juden. Ausserdem hatten die Araber in den ersten Wochen nach dem Angriff auf Israel die besseren Waffen. Doch das änderte sich rasch. Ein sofort ausgesprochenes Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen die kriegführenden Parteien wirkte sich gegen die Araber negativer aus. Viel wichtiger jedoch war der schlechte Zustand der arabischen Armeen. Die Soldaten und Offiziere waren nicht gut ausgebildet, weniger diszipliniert und strategisch nicht so kompetent. Die Israeli dagegen waren besser ausgebildet, disziplinierter, und in ihren Reihen kämpften erfahrene britische Offiziere.

All diese Veröffentlichungen machten Sie in Israel zu einem umstrittenen Linken.
Ja, und ich ging an Demonstrationen der Friedensbewegung «Peace Now». Ich war ausserdem sehr kritisch gegenüber dem politischen und militärischen Establishment Israels.

Sie bezeichneten selbst die erste Intifada von 1987 als legitim.
Ich habe in diesem Punkt mit den Palästinensern sympathisiert. Ich konnte ihre Frustration verstehen. Es war der Aufstand einer unbewaffneten Bevölkerung in der Westbank und im Gazastreifen gegen die militärische Besatzungsmacht. Steine werfen und die Arbeit niederlegen war ihre einzige Möglichkeit, sich zu wehren.

Sie desertierten sogar.
Ich weigerte mich, in Nablus als Besatzungssoldat einzumarschieren. Ich wurde für 21 Tage ins Gefängnis geworfen. Zwei Tage wurden mir dann wegen guten Benehmens erlassen.

Waren Sie eigentlich Offizier der Armee?
Ich war immer Korporal, wie Hitler.

Ariel Sharon sagte einmal, Ihre Version der israelischen Geschichte gehöre nicht in die Schulbücher.
Es ärgerten sich wirklich viele über mich. Bei der «Jerusalem Post», wo ich damals arbeitete, wurde ich entlassen. Das hat mich fertiggemacht. Dann kriegte ich sechs Jahre lang an keiner Universität eine Stelle.

Später wurden Sie aber Professor in Beersheba.
Eine englische Zeitung brachte ein Interview mit mir unter dem Titel «Benny Morris verlässt das Land». Der damalige Präsident Ezer Weizman hat das gelesen und mich in sein Büro bestellt. Er fragte mich, ob ich überhaupt an das Existenzrecht Israels glaube, und ich sagte Ja. Darauf griff er zum Telefon und telefonierte ein bisschen. Als ich wieder zu Hause war, hatte ich einen Job als Professor.

Sie haben in Ihren Büchern teilweise wie die Palästinenser argumentiert.
Ich habe Geschichte nach meinem besten Gewissen entlang den Fakten aus den Dokumenten geschrieben. Wenn es vielen Israeli wehgetan hat, dann war mir das egal. Ich bin nur der Wahrheit verpflichtet. Sowohl die Palästinenser wie auch die Israeli sind sehr geschichtsbewusst. Aber ich finde, statt ständig unsere Vergangenheit im Kopf zu haben, sollten wir uns mehr auf die Zukunft konzentrieren.

Das sind ungewöhnliche Worte für einen linken israelischen Historiker.
Finde ich nicht. Aber wenn Sie wollen, können wir ruhig weiter über die Geschichte reden und schauen, was zwischen 1948 und heute passiert ist. Israel musste viermal um sein Überleben kämpfen, als es von arabischen Armeen angegriffen wurde. Dann kamen die Verhandlungen von Oslo, in den frühen Neunzigerjahren. Angesteckt vom Optimismus der Verträge von Oslo, glaubte ich, dass es zu einer Zweistaatenlösung kommen würde. Ich glaubte, dass auch Arafat es damit ernst meinte. Er war zwar in meinen Augen immer ein zweifelhafter Charakter, ein Mann, dem man besser kein Vertrauen schenkt. Aber damals sagte er öffentlich, er beginne an das Diktat der Geschichte zu glauben und er sei folglich bereit, eine Zweistaatenlösung zu akzeptieren. Das hat mich zuversichtlich gestimmt. Ich dachte, okay, die Araber haben das erste Angebot 1948 für einen palästinensischen Staat abgelehnt. Dann haben sie Israel angegriffen und den Krieg verloren. Dann haben sie Israel drei weitere Male angegriffen und jedes Mal verloren. Ich dachte, beide Seiten haben Grausamkeiten begangen. Aber nun schienen Israeli und Palästinenser Realisten geworden zu sein und eine Zweistaatenlösung anzustreben.

Camp David 2000 führte bei Ihnen zu einem Meinungsumschwung.
So nahe an einem eigenen Staat wie dort waren die Palästinenser seit 1948 nicht mehr. Als Arafat ablehnte, wurde mir klar, dass ich die palästinensische Befreiungsbewegung falsch eingeschätzt hatte. Dass sie gar nicht an zwei Staaten glaubt, sondern tatsächlich noch davon träumt, die Juden aus Palästina zu vertreiben.

Waren damals viele Israeli so enttäuscht wie Sie?
Ja, die Friedensbewegung hat immer an eine Zweistaatenlösung geglaubt, und dann hat Arafat abgelehnt. Wir waren alle entsetzt, auch Amos Oz war sehr enttäuscht. Nach Camp David haben die Linken die Wahlen bezeichnenderweise ja auch haushoch verloren.

Mit dieser Ernüchterung sind Sie typisch für eigenlich linke, gemässigte Israeli. Aber kam das Angebot von Camp David nicht reichlich spät? Die Israeli sprachen erst nach Gebietsgewinnen von 50 Prozent von einer Zweistaatenlösung, während die Palästinenser seit 1948 über die Hälfte ihrer Gebiete verloren hatten.
Richtig, die Israeli hätten viel früher mit einem solchen Vorschlag kommen können, die Regierungen Rabin und Peres hätten gewiss die Möglichkeit dazu gehabt. Leider haben sie es nicht getan.

Was lief falsch in Camp David?
Nach langem innenpolitischen Hin und Her akzeptierte der damalige Premierminister Ehud Barak einen Zweistaatenvorschlag. 91 Prozent der Westbank und der ganze Gazastreifen sollten an die Palästinenser zurückgegeben werden. Dazu sollten sie Ost-Jerusalem praktisch kontrollieren. Im Gegenzug hätten die Palästinenser auf ihre Forderung nach einer Rückkehr aller Flüchtlinge ins israelische Staatsgebiet verzichten sollen. Nicht aber auf eine Rückkehr der Flüchtlinge in die Westbank. Ausserdem hätten Israel und die USA zurückkehrenden Flüchtlingen massive finanzielle Hilfe zugesprochen. Wie Sie wissen, lehnte Arafat ab.

Das Angebot war ihm einfach zu schlecht. Sie müssen doch verstehen, dass er das Maximum herausholen wollte.
Ich versuche, Geschichte rational zu sehen. Israel hat Machtpolitik betrieben, jetzt tat dies Arafat, das kann ich verstehen. Aber dann, im Dezember 2000, kam Präsident Clinton mit einem noch besseren Vorschlag für Arafat. Er bot ihm 95 Prozent der Westbank, den ganzen Gazastreifen, die Aufgabe sämtlicher jüdischer Siedlungen und sogar noch mehr Souveränität über Ost-Jerusalem. Plus eine Teilsouveränität über den Tempelberg, mit der für die Araber so wichtigen Al-Aqsa-Moschee. Und was machte Arafat? Er sagte wieder «Nein». Das war für mich der entscheidende Punkt. Mir wurde klar, dass Arafat in Wirklichkeit kein Interesse an einer Zweistaatenlösung hat. Dass seine typisch verklausulierte Sprache mit Formulierungen wie «unter Umständen» und so weiter strategisch war. Arafat wollte einfach nicht von der Charta der PLO abweichen, deren erklärtes Ziel es immer war, Israel zu vernichten. In dieser Hinsicht war er konsequent.

Arafat wurde dieser Deal praktisch aufgezwungen. Er hat nicht «Nein» gesagt, sondern um mehr Zeit zum Nachdenken gebeten, sagen die Kritiker Ihrer Version der Ereignisse von Camp David.
Okay, in Camp David wurde nichts aufgeschrieben, man wird den genauen Wortlaut nicht überprüfen können. Nur Clinton, Barak und Arafat wissen es am Ende. Und dann gab es noch die hässliche Szene, als Barak Arafat durch eine Tür gestossen hat. Aber es ist eine Tatsache, dass Arafat abgereist ist, ohne einzuwilligen. Er hat diese zweite historische Chance für einen eigenen Staat nach 1948 vergeben. Meiner Meinung nach wusste er, dass es nie wieder so ein Angebot geben wird. Doch er wollte es nicht.

Man hat den Palästinensern keinen zusammenhängenden Staat angeboten, sondern eine Art Flickenteppich.
Richtig ist, die Westbank und der Gazastreifen sind nicht miteinander verbunden. Aber Clinton und Dennis Ross boten Arafat 95 Prozent der Westbank an, und zwar zusammenhängend.

Sie wollen sagen, dass Arafat ablehnen wollte? Warum sollte er dies beabsichtigt haben?
In Israel leben 5,5 Millionen Juden. Gleichzeitig ist das Land von zirka 100 Millionen Arabern umgeben. Da ist es doch logisch, dass nicht wenige denken, die Juden würden längerfristig den Kürzeren ziehen. Sei es aus demografischen Gründen oder weil man eben irgendwann mal militärisch stärker sein wird.

Man kann das nicht verallgemeinern. Nur Wahnsinnige würden am liebsten alle Juden vertreiben.
Natürlich denkt nicht jeder Araber so. Aber die Zweite Intifada nach den gescheiterten Verhandlungen von Camp David im Jahr 2000 stimmte mich extrem pessimistisch. Statt Steine zu werfen, attackierten Selbstmordattentäter nun gezielt Zivilisten. Sie sprengten Busse, Diskotheken und Restaurants in die Luft. Das war eine ganz andere Dimension als bei der ersten Intifada, bei der ich selbst noch ins Gefängnis geworfen wurde. Möglichst viele Zivilisten treffen zu wollen, ist einfach eine perfide Art der Kriegführung. Israel ist zwar militärisch überlegen, aber so skrupellos hat es sich nie verhalten. In der Zeit der zweiten Intifada änderte sich übrigens auch die Rhetorik der Palästinenserführer, sie wurde viel fanatischer. Es ging nur noch um die Vernichtung möglichst vieler Juden. Und Arafats PLO-Führung feierte die Attentäter als Helden. Verstehen Sie meine Desillusionierung nicht?

Arabische Staaten hatten schon zuvor viermal versucht, Israel zu vernichten. Warum waren Sie jetzt plötzlich so ernüchtert?
Zuvor dachte ich, okay, da sind zwei Völker und kämpfen um dasselbe Stück Land. Das ist furchtbar wie alle Kriege, aber als Historiker konnte ich nachvollziehen, warum die Araber uns angriffen. Camp David jedoch wäre eine Möglichkeit zum Frieden gewesen. Die Palästinenser schlugen sie aus.

In Camp David wurde ihnen nur 21 Prozent des ursprünglichen Gebietes von Palästina angeboten, den Israeli jedoch 79 Prozent. Israel hat sein Gebiet nach dem gewonnenen Krieg von 1967 massiv vergrössert, die eroberte Westbank und die Golanhöhen nie mehr zurückgegeben.
So ist die Geschichte verlaufen. Wenn man anfangen würde, das Rad der Geschichte zurückdrehen zu wollen, würde die ganze Welt miteinander im Krieg sein. Die Araber haben 1948 das Angebot eines Palästinenserstaates abgelehnt. In den von ihnen begonnenen Kriegen haben sie jedes Mal verloren und Land aufgeben müssen. Camp David war das zweite, faire Angebot der Israeli, und wieder hat die andere Seite eine falsche Entscheidung getroffen. Die Palästinenser und die anderen Araber verpassen leider nie die Gelegenheit, eine gute Gelegenheit zu verpassen – wie der berühmte israelische Aussenminister Abba Eban sagte.

Wie meinen Sie das?
Ich hatte nie wirklich geglaubt, dass die Führer der Palästinenser lauter Lämmer sind. Aber ich hoffte, wenn Israel ihnen eine wirklich gute Chance gibt, ihnen ein gutes Angebot macht, dass sie es dann selbstverständlich annehmen würden. Doch mit der Zeit begriff ich, dass die meisten von ihnen insgeheim anders dachten.

Sie glauben, die Führungsriege um Arafat sagte nicht die Wahrheit?
Ich sage es nicht gern, aber ich habe lange nach einer Erklärung für ihre Politik der Ablehnung von Angeboten gesucht. Und irgendwann verstand ich, dass es mehrere bedeutende Unterschiede zwischen der palästinensischen und der israelischen Seite gibt.

Zum Beispiel?
Ich glaube nicht mehr, dass die palästinensische Führung noch wirklich an einem Frieden mit Israel interessiert ist, und zweifle, ob sie es jemals war.

Sie glauben, sie hat bei all den Versuchen, Frieden zu schliessen, ihren Traum von Grosspalästina nie wirklich aufgegeben?
Ja, das tue ich. Und ich glaube ausserdem, dass es für viele durchschnittliche Palästinenser immer noch Gottes Wille ist, dass dies eigentlich ein arabisches islamisches Land ist. In der Charta ihrer gewählten Führung, der Hamas, steht dies explizit. Auch moderate Führer der Fatah haben das offen gesagt. Faisal Husseini, ein Vertrauter Arafats, bezeichnete die Verträge von Oslo offen als Trojanisches Pferd. Er machte klar, dass für ihn die Grenzen Palästinas immer vom Jordan bis zum Mittelmeer reichen würden. Auch bei nicht wenigen durchschnittlichen Palästinensern gibt es meiner Ansicht nach immer noch ein Einverständnis: Man darf den Widerstand nicht aufgeben, dann werden die Israeli irgendwann verschwinden.

Wenn man sich die brutale Gewalt der israelischen Armee vor Augen führt, dann sieht es nicht so aus, als würden die Israeli die Palästinenser weniger hassen als umgekehrt.
Mein Eindruck ist, dass es lange Zeit, von Extremisten mal abgesehen, relativ wenig Hass gegen die Palästinenser gegeben hat. Als die Palästinenser jedoch mit systematischem Terror gegen israelische Zivilisten begannen, änderte sich das.

Die Hamas-Hardliner wollen Israel sicher vernichten. Aber sieht das auch die Mehrheit der Palästinenser in der Westbank so? Präsident Abbas sprach sich öffentlich für eine Zweistaatenlösung aus.
Natürlich propagiert Mahmoud Abbas öffentlich eine Zweistaatenlösung. So lange er aber am Recht sämtlicher Flüchtlinge auf Rückkehr festhält, wird es diese Zweistaatenlösung nie geben. Und das weiss Abbas ganz genau. Deshalb spielt er dieses Doppelspiel. Abbas ist intelligent genug, um zu wissen, dass die Rückkehr der Flüchtlinge das Ende des Judenstaates bedeuten würde.

Warum?
Wenn man sämtlichen palästinensischen Flüchtlingen die Rückkehr erlauben würde – und ich spreche hier von 4,5 bis 5 Millionen Menschen –, dann würde Israel sofort ein arabisches und kein jüdisches Land mehr sein. Israel wäre ein arabisches Land mit einer jüdischen Bevölkerungsminderheit.

Können Sie den Hass der Palästinenser auf Israel nicht verstehen?
Selbstverständlich kann ich das. Es ist natürlich, dass sie Israel hassen. Die Israeli haben sie damals enteignet, ihnen das Land weggenommen, das sie für ihres halten. Und die Israeli haben viele von ihnen getötet. Trotzdem glaube ich, dass dieser Hass nicht nur damit zu tun hat, wie Israel sich verhält.

Sie sprechen von muslimischem Antisemitismus?
Ich glaube, dass uns viele auch deshalb hassen, weil wir Juden sind. Die jüdischen Stämme waren die Feinde von Mohammed, weil sie ihn nicht als Propheten akzeptierten. Im Koran werden die Juden als Söhne von Affen und Schweinen beschrieben. Mittlerweile glaube ich, dass dieser muslimische Antisemitismus immer noch in der palästinensischen und arabischen Gesellschaft steckt. Laut der Hamas-Führung sind die Juden sogar verantwortlich für den Ersten und den Zweiten Weltkrieg.

Die Palästinenser sind ein extrem armes Volk. Und daran ist vor allem Israel schuld.
Werfen Sie auch einmal einen kritischen Blick auf die arabischen Gesellschaften. Natürlich prosperieren einige. Aber nicht aufgrund ihrer Fähigkeiten. Saudiarabien ist nicht wegen seiner genialen Industrien oder wissenschaftlichen Höchstleistungen reich, sondern wegen seines Öls. Islamische Kultur ist innovationsfeindlich. Wichtig ist Tradition. Doch mit dieser Geisteshaltung kann man seinen Wohlstand nicht erhöhen. Denken Sie nur an die Rolle der Frau. Eine Gesellschaft, die 50 Prozent ihrer Brainpower nicht nutzt, muss arm bleiben. Deswegen sind die meisten islamischen Länder ohne Öl sehr arm.

Trotzdem gibt es auch viele aufgeklärte und ihrer eigenen Gesellschaft gegenüber kritische Palästinenser.
Die gibt es, aber ihr Einfluss ist sehr gering. Sari Nusseibeh zum Beispiel, der Rektor der palästinensischen Jerusalemer Al-Quds-Universität, ist so ein Mann. Nur ist er weitgehend isoliert. Er wurde schon für seine Ansichten verprügelt. Kein Wunder, wandern immer mehr dieser liberalen palästinensischen Kräfte in den Westen aus.

Der französische Philosoph und Historiker Ernest Renan schrieb, eine Nation sei eine Gruppe von Menschen, die vor allem zweierlei verbinde: ihre falsche Sicht auf die eigene Geschichte und ihr Hass auf ihre Nachbarn. Die falsche Sicht haben viele Israeli nicht zuletzt auch dank Ihnen revidiert. Wie ist das in den arabischen Ländern?
Dort gibt es praktisch keine neue Geschichtsschreibung. Wenn ein Historiker etwas schreibt, das der offiziellen Geschichte widerspricht, riskiert er sein Leben. Natürlich gibt es Historiker wie den palästinensisch-amerikanischen Professor der Columbia University Rashid Khalidi. Aber selbst Khalidi muss aufpassen, schliesslich möchte er einmal im Jahr seine Verwandten in der Westbank besuchen können. Gewiss, Israel ist keine perfekte Gesellschaft. Im Vergleich zu den meisten arabischen Ländern jedoch haben die Israeli eine graduelle Liberalisierung hinter sich.

Warum wird Israel dann von so vielen aufgeklärten, gebildeten, intelligenten Europäern viel häufiger kritisiert als die arabischen Staaten?
Das hat viele Gründe. Die Europäer und der Westen allgemein haben ein sehr positives Weltbild. Für sie liegen gewalttätige kriegerische Handlungen im eigenen Land lange zurück. In Europa denkt man schneller einmal, dass alle Menschen auf der Welt so friedlich sind wie die Schweizer. Aber ich glaube, das ist ein Irrtum. Ich habe irgendwann begriffen: Es gibt nicht nur Schweizer. Araber zum Beispiel sind keine Schweizer. Das zweite Problem der Europäer spreche ich eigentlich ungern an, aber Antisemitismus ist in Europa noch ein Thema.

Israel-Kritik wird zuweilen als Antisemitismus missverstanden.
Israel muss kritisiert werden wie jedes andere Land. Dennoch ist es eine Tatsache, dass der Antisemitismus in Europa wächst. Zählen Sie die Synagogen und Friedhöfe, die im letzten Jahr in Europa entweder beschmiert, beschmutzt oder angezündet wurden. Es werden immer mehr. Eine Menge Europäer halten uns immer noch für geldgierig und glauben, dass wir diejenigen sind, die immer nur Probleme verursachen.

Ja, es gibt noch Antisemitismus in Europa. Aber es stimmt doch, ohne den Staat Israel gäbe es im Nahen Osten weniger Probleme.
Diese Meinung ist für mich noch kein Antisemitismus, sondern ein rationales Argument gegen den Zionismus. Ohne Juden im Nahen Osten gäbe es dort wirklich weniger Probleme. Aber finden Sie wirklich, die Juden hätten kein Recht, dort zu sein? Warum denken Sie so? Weil die Palästinenser dort angeblich zuerst lebten? Weil die Palästinenser dort vor der jüdischen Staatsgründung 1948 lebten? Entschuldigung, aber viele Europäer bilden sich eine Meinung, ohne die Geschichte genau zu kennen. Wenn es danach geht, wer zuerst dort lebte, dann müssten alle Europäer für den Staat Israel sein.

Warum?
1200 vor Christus lebten Juden auf dem Gebiet des heutigen Palästina, damals hiess es noch Galiläa, Samaria und Judäa. Für 1300 Jahre herrschten die Juden über dieses Land. Dann kamen die Römer, die Juden mussten flüchten, und die Römer nannten das Land Palästina. Aber die Frage, wer zuerst da war, wird diesen Konflikt niemals lösen können. Ich halte es auch für eine irrelevante Frage.

Trotzdem, war es nicht naiv, einen kleinen jüdischen Staat inmitten einer feindlich gesinnten Umgebung zu gründen?
Diesem praktischen Argument steht ein moralisches gegenüber. Die Juden haben ein Recht auf ein eigenes Land, so wie jedes andere Volk. Aber es ist mir klar, dieses Recht wird immer noch von einer Menge Leute bestritten, auch in Europa. Übrigens haben die Europäer auch noch ein weiteres Problem. Viele haben gegenüber den Juden verdrängte Schuldgefühle wegen des Holocaust. Mit diesen Gefühlen lebt man einfacher, wenn man die Juden nicht nur als Opfer sieht, sondern eben auch als Täter. Eine zusätzliche Hypothek ist die europäische Kolonialgeschichte.

Was hat dieses Kapitel denn mit den gegenwärtigen Ereignissen zu tun?
Europäische Kolonialisten töteten in Asien, Afrika und Südamerika Millionen Menschen. Und jetzt sieht man Israel als diesen Kolonialherren, der brutal gegen die Palästinenser vorgeht. Indem man Israel kritisiert, beweist man sich, dass man die moralisch richtigen Lehren gezogen hat. Vielleicht liegt es auch am Öl, die ölabhängigen europäischen Länder sind sehr darauf bedacht, die Araber nicht unnötig zu provozieren. So ist eben Realpolitik.

In einem berühmten Interview mit der israelischen Tageszeitung «Haaretz» sprachen Sie über die Kultur der Palästinenser und der Araber im Allgemeinen. Sie scheinen immer noch an die These vom Clash of Civilizations zu glauben, welche Samuel P. Huntington in den Neunzigerjahren aufstellte.
Das Wertesystem der jüdisch-christlichen und der arabisch-muslimischen Kultur ist teilweise sehr unterschiedlich. Kreativität und Offenheit sind im islamischen Kulturraum keine bestimmenden Werte. Manchmal habe ich das Gefühl, ich verstehe diese Kultur nicht, die in Jugendlichen Interesse für Selbstmordattentate weckt. Die Freudentänze auf der Strasse vollführt, wenn in Tel Aviv eine Bombe israelische Zivilisten zerfetzt. Manchmal glaube ich sogar, in arabischen Ländern ist ein Leben nicht so viel Wert.

Die israelische Armee bombardiert mit Kampfflugzeugen Gaza und nimmt damit den Tod von vielen Zivilisten in Kauf. Wie viel Wert ist denn den Israeli ein Leben?
Jedes Opfer in einem Krieg ist furchtbar. Ich will nicht die israelische Armee verteidigen, die mich ja eingesperrt hat. Aber es ist wahr, die Armee versucht, Opfer unter der Zivilbevölkerung nach Möglichkeit zu vermeiden. Wollte die Armee Zivilisten töten, gäbe es jetzt nicht ein paar Hundert Tote, sondern Zehntausende. Die Kriegführung der Hamas ist grundlegend anders. Hamas-Kämpfer verstecken sich gezielt unter Zivilisten, Waffen werden in Wohnhäusern gelagert und Sprengfallen in Schulen gelegt.

Darf man von einer westlichen, aufgeklärten Demokratie wie Israel nicht erwarten, dass sie sich auch im Krieg moralischer verhält als die Islamisten der Hamas?
Natürlich. Allerdings würde ich mir wünschen, dass Israels Kritiker alle Konflikte an denselben moralischen Massstäben messen. In Europa vergisst man regelmässig, dass etwa bei den Luftangriffen europäischer Streitkräfte in Kosovo oder in Afghanistan ebenfalls Tausende von Zivilisten ums Leben gekommen sind. Diese Doppelmoral ist kontraproduktiv. Sie verstärkt nur eines: das Gefühl der Israeli, allein zu sein.

Tatsache ist, mit jedem toten muslimischen Zivilisten wird der Hass der Araber auf Israel grösser.
Die Araber sind nicht so solidarisch, wie es immer heisst. Bei einer muslimischen Rebellion in der syrischen Stadt Hama 1982 etwa hat der syrische Staat in drei Wochen 20 000 bis 30 000 Menschen umgebracht. Was im Iran während der Revolution Muslime anderen Muslimen antaten, davon will ich gar nicht sprechen.

In den letzten fünfzig Jahren sind viele zehntausend Menschen im Nahost-Konflikt gestorben. Wie kann man dieses Blutvergiessen beenden?
Auch wenn ich das nicht gern sage, ich glaube nicht mehr an eine Lösung.

Was halten Sie von der immer wieder diskutierten Zweistaatenlösung?
Das wäre die optimale, gerechte Lösung für beide Völker. Aber ich glaube, wie gesagt, nach Camp David nicht mehr daran, dass es sie jemals geben wird.

Ihrer Meinung nach würde die Hamas den Staat Israel niemals anerkennen. Kann man da wirklich absolut sicher sein? Israel-Kritiker sagen, dass die Hamas das Land vielleicht anerkennen würde, wenn es sich auf die Grenzen von vor 1967 zurückziehen würde. Damals war Israel noch etwa halb so gross.
Die Hamas würde Israel nicht anerkennen, selbst wenn es sich auf fünf Prozent seines Staatsgebietes zurückziehen würde. Wie ich bereits sagte, das wäre gegen ihre Ideologie.

Die Hamas denkt nicht so uniform. Es gibt Mitglieder, die durchaus mit Israel verhandeln würden.
Die gibt es sicher. Aber sie haben in der Hamas nicht das Sagen. Und wenn man sich überlegt, wer hinter der Hamas steht, nämlich der mächtige Iran, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich diese gemässigten Hamas-Leute jemals durchsetzen werden.

Aber es ist doch Israel, das sich weigert, mit der Hamas zu reden. Das Land lehnt jede Verhandlung kategorisch ab. Sogar Barack Obama erwähnte die Möglichkeit, dass man Gespräche mit der Hamas in Betracht ziehen müsse.
Im Gegensatz zur israelischen Regierung bin ich ja nicht gegen Gespräche. Ich zweifle nur daran, dass sie etwas bringen. Das Beste, was passieren könnte, wäre vielleicht irgendeine Art von Waffenruhe, wenn Israel die Westbank vollständig verlassen hat. Dann haben wir vielleicht ein paar Jahre Frieden. Und dann wird die Hamas erneut angreifen.

Israel ist doch genauso stur. Was wäre, wenn es sämtliche Siedlungen in den besetzten Gebieten räumt und einen palästinensischen Staat akzeptiert, der sowohl Israel als auch Palästina ein Mindestmass an Sicherheit bietet. Und im Gegenzug geben die Palästinenser ihre Forderungen nach der Rückkehr der Flüchtlinge auf.
Ich bin kein Vertreter der israelischen Regierung, aber ich vermute, eine solche Lösung wäre für Israel wohl akzeptabel.

Und wer könnte die Palästinenser dazu bewegen?
Nur die arabische Welt. Allerdings nur unter grossem Druck des Westens. Aber der Westen wird auch weiterhin zögern, weil es nicht in seinem Interesse ist, arabische Regierungen zu verärgern, nicht zuletzt wegen des Öls.

Tatsache ist, dass im Gazastreifen viel zu viel Blut geflossen ist.
Das Blutvergiessen ist schrecklich. Aber ich glaube, jedes Land würde so reagieren wie Israel. Es würde versuchen, seinen Bürgern Sicherheit zu geben.

Die jetzige Militäraktion verschlimmert die Lage.
Sie hat eine abschreckende Wirkung. Sie wird die militärischen Fähigkeiten der Hamas so sehr schwächen, dass sie Israel für einige Jahre nicht mehr angreifen kann. Es klingt furchtbar, aber es ist Israels einzige Möglichkeit, Frieden zu kaufen.

Angesichts all dieses Elends: Was sagen Sie denen, welche immer noch daran zweifeln, ob die Gründung des jüdischen Staates eine Notwendigkeit war?
Ich sage: Die Juden wurden zweitausend Jahre lang unterdrückt, verfolgt und getötet. Der Holocaust war der Höhepunkt einer zweitausendjährigen Unterdrückungsgeschichte. Über Jahrhunderte hinweg gab es immer wieder Pogrome, und zwar überall in Europa. Sogar England, das Juden gegenüber liberalste Land, hat sie 1290 vertrieben. Irgendwann in der Geschichte hatte jedes Land Europas nicht nur ein paar Judenhasser, sondern einen dominierenden Antisemitismus. Die Juden sind ein Volk wie jedes andere auch und haben das Recht auf einen eigenen Staat wie jedes andere auch.

Und was sagen Sie denen, die immer noch nicht überzeugt sind?
Jeder hat das Recht auf eine Meinung. Selbst wenn sie so ungerecht ist.



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Erstellt: 23.01.2009, 11:47 Uhr

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46 Kommentare

phil gloor

30.01.2009, 14:40 Uhr
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@daniel wyss und sonstige behaupter: dann lesen Sie doch allesamt "Behauptungen und Tatsachen zwischen den Kriegen" von Mitchel G. Bard. Alles schön dokumentiert& mit quellen Angaben versehen- mit anderen Worten eine sachliche gegenüberstellung von Fakten und Behauptungen. Dann heiss ich Sie zu einem Glass Wein willkomen Herr Wyss... auch Ihnen ein herrliches Halleluja! Antworten


Lucien MIchel

27.01.2009, 14:13 Uhr
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Besten Dank, Herr D. Wyss für Ihren Beitrag, besonders dem ausführlichen im "Magazin". Sehr klare Analyse zu Morris! Vielleicht noch einige Hinweise zu Ury Avnery, Gideon Levy, und speziell heute auf Miri Eisin, mt dem Artikel 'Ist nur die israelische Darstellung "wahr" und alle andern falsch?' in Haaretz. Antworten


Daniel Wyss

26.01.2009, 18:10 Uhr
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Antwort an phil gloor: Dies ist ein Diskussionsforum und Sie dürfen Ihre Meinung ja auch äussern, obwohl sie m.E. völlig hahnebüchen ist. Nach internationalem Recht gibt es kein durch kriegerische Handlungen "rechtmässig erworbenes Territorium". Wenn Sie sich so gern echauffieren, dann empfehle ich Ihnen meinen ungekürzten Beitrag, welchen ich an www.dasmagazin.ch geschickt habe! Nehmen Sie sich vorher lieber 1 valium oder ein Glas Rotwein (oder beides). Wenn Sie noch mögen lesen Sie gleich noch den Beitrag von Frau Agnes Küng! Antworten


phil gloor

26.01.2009, 13:25 Uhr
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@redaktion: nehmt den beitrag von d. Wyss bitte raus und sendet ihm ein mail er solle sich melden falls er nachhilfe-unterricht brauche. habe noch nie etwas so unkompetentes gelesen, in welchem mir die wut gleich so extrem durch die andern schiesst!!!!! Antworten


phil gloor

26.01.2009, 12:56 Uhr
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@daniel wyss: unglaublich was Sie hier schreiben! Sie sollten froh sein, dass es noch Menschen mit einem so neutralen Verständiss wie Benny Morris gibt, welcher diesen Konflikt thematisiert. Ihr ganzes geschwafle, über diesen "Bruch" im zweiten Teil ist in einem Satz gekontert: die Araber haben die israeli angegriffen. klar wird das rechtlich angeeignete Terretorium nicht einfach zurück gegeben! Antworten


Daniel Wyss

26.01.2009, 10:16 Uhr
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In der Propagandaschlacht um das ramponierte Image von Israel wird uns nun der sympathische Benny Morris vorgeführt. Klar ist es viel cleverer, einen wie ihn vorzuschicken als eine Gift und Galle speiende Kriegsgurgel (die es in Israel weiss Gott auch gibt).Klar kommt es in Europa gut an, wenn einer freimütig zugibt was alles um 1948 falsch gelaufen sei, natürlich nicht ohne es sofort zu relativieren, die Vertreibungen seien nicht geplant gewesen und es sei halt Krieg gewesen. Dieser angeblich nur den Fakten verpflichtete Historiker lullt uns im ersten Teil des Interviews ein, so dass man den Bruch nicht mehr merkt, wenn er im zweiten Teil wichtige Fakten verdrängt, vergisst und so neue Morris’sche Mythen schaft: Das Angebot von Camp David war eben nicht fair! Wenn Israel im Jahr 1947 schon 55 % von der Uno erhalten hat, warum dann das Gefeilsche um 91% oder 95 % der Westbank? Warum hat Morris „vergessen“ uns zu sagen warum Israel nicht 100% der Westbank zurückgeben will, warum es ohne äusseren Zwang nie alle Siedlungen räumen wird: Israel pumpt über diese Siedlungen jährlich mehrere hundert Millionen Kubikmeter Wasser aus diesem verarmten trockenen, steinigen Land mit wenig Niederschlägen nach Israel! Während die israelischen Siedler ihre englischen Rasen bewässern und ihre Pools füllen versiegen die Brunnen der Bauern im Westjordanland! Es ist ihnen verboten neue Brunnen zu graben und dies wäre mit dem soo grosszügigen Angebot von Camp David für immer und ewig festgeschrieben worden. Ich glaube, es gab durchaus sehr rationale Gründe für Arafat das Dokument nicht zu unterschreiben. Es ist sehr unwissenschaftlich wenn ein Historiker vorgibt zu wissen, was jemand in seinem Tiefsten Inneren denkt und warum. Es ist auf Stammtischniveau und eines Geschichtsprofessors unwürdig wenn einer von der Innovationskraft und Offenheit der christlich-jüdischen und von der tumben Rückständikeit des Islam schwadroniert. Wo war die christliche Toleranz und Offenheit während der Inquisition, wo während dem Holocaust? Haben nicht viele unserer Tugenden mehr mit den Errungenschaften der französischen Revolution zu tun und eben gerade nicht mit der Religion? Hat Innovation und Kreativität nicht einfach auch sehr viel mit Wohlstand und Prosperität zu tun, beweisen die Golfstaaten nicht genügend Innovationskraft? Wo ist der Unterschied im Nichtauschöpfen der Brainpower in Gaza mit dem in einem Slum in Kalkuta (Hindi) oder Südamerika (katholisch)? Von einem Historiker würde ich ein minimales Verständnis für diese Basics erwarten. Antworten


Daniel de Lieme

25.01.2009, 15:36 Uhr
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@Peter Beutler. Die Linken, die gegen den Krieg demonstrierten, sind eine kleine Minderheit in Israel und sind grösstenteils Jugendliche, die ihren Friedensidealismus ausleben wollen, d.h. die noch nicht der Desillusionierung anheimgefallen sind, von der Morris redet. Es ist gut, dass es sie gibt, diese jungen linken Idealisten, denn Israel ist eine pluralistische Gesellschaft und es braucht auch Idealisten, die bedigungslos und wohl auch etwas naiv für den Frieden kämpfen. Es stimmt aber sicher nicht, dass Morris und die Mehrheit der Israeli nicht für den Frieden wären, doch sie glauben nicht mehr an einen bedingungslosen Frieden. Warum wohl? Weil sie auf der eigenen Haut miterleben mussten, wie die Palästinenser im Herzen der israelischen Gesellschaft ihre Terrorverbrechen verübten, die selbst durch den Umstand der Besatzung nicht zu rechtfertigen waren. Weil der Terror in grössten Masse die israelische Jugend traf und wahllos tötete. (Später kamen die Raketen aus dem Gazastreifen.) Doch wo waren damals die Strassenkundgebungen der linken "Menschenrechtler" und "Friedensbewegten" in Israel und besonders in Europa? Den Frieden verdienen beide Völker. Aber die Palästinenser müssen erst noch den Beweis erbringen, dass sie den Frieden wirklich wollen. Warum nicht mit der symbolträchtigen Streichung der umstrittenen, zum Genozid aufrufenden Artikel in der Charta von Fatah (Artikel 12) und Hamas (Artikel 6, 7 ,13, ....) anfangen? Die friedenswillige Linke sollte sich doch auch dafür stark machen. Dadurch würde sie erheblich an Glaubwürdigkeit gewinnen. Antworten


Lucien Michel

25.01.2009, 13:34 Uhr
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Herrn De Lieme, auch schon von Uri Avnery, Israel Harel, Gideon Levy, Ilan Pape, Amira Hass etc. etc, gehört? Solidarität mit Israel heisst eben gerade nicht, den korrupten, nur an sich selbst interessierten Politikern und engstirnigen Generälen beizustimmen sondern Israel kritisch zu begleiten und den Kräften im Land die wirklich Frieden wollen, die Hand zu reichen. Antworten


Peter Beutler

25.01.2009, 11:52 Uhr
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@Daniel de Lieme.Auch die "Linken" in Israel würden sich nun hinter ihre Regierung stellen?Dieser Eindruck stimmt nicht.Es gibt sie immer noch,die jüdisch/israelischen Friedensbewegten.Während des Gazakrieges haben viele Tausend in Jerusalem und andern Städten Israels demonstriert.Viele Informationen über die mutmasslichen Kriegsverbrechen in Gaza stammen übrigens von diesen Menschen. Antworten


Daniel de Lieme

24.01.2009, 23:43 Uhr
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@Herr Graf, Sie haben das Interview entweder nicht gut gelesen oder absichtlich ein paar darin aufgezählte Fakten ausgeblendet. Morris' Meinungsumschwung erfolgte nach dem Scheitern von Camp David - nachdem Arafat die Angebote der israelischen Seite abgelehnt hatte und kurz darauf die zweite Intifada losbrach und ihren Terror in die israelische Städte trug. Doch nicht nur Morris, sondern die ganze Linke in Israel erlebte die blutige palästinensische Terroroffensive als das böse Erwachen aus einer hehren Traumvorstellung, nämlich aus dem naiven Glauben, dass die Palästinenser bereit waren, Frieden mit Israel zu schliessen. Was dann auch nach der Räumung von Gaza geschah, deren Folgen schliesslich zum Gaza-Krieg führten, bestätigte sie in ihrer Ernüchterung. Sie sahen nun, dass viele Palästinenser – angefangen bei ihren Leaders – in etwa so dachten, wie der @Herr Candrian es in seinem letzten Kommentar überzeugend nachlebt und von sich gibt, nämlich: friedens- und kompromissunwillig, hasserfüllt, unverfroren anti-israelisch (und anti-semitisch). Das war der Grund, weshalb Morris - und mit ihm viele Israeli - den Palästinensern nicht mehr so recht trauen wollten. Kein Wunder, wenn man sieht, was für ein "Männerverein" Hamas ist. Antworten


maurus candrian

24.01.2009, 17:59 Uhr
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ein staat, der 800'000 menschen von ihrem rechtmässigen land und besitz vertrieben hat, in kriegen insgesamt weit über 100'000 araber ermordet hat, sich seit jahrzehnten um sämtliche uno-resolutionen foutiert, hat keine existenzberechtigung. punkt. Antworten


Jarusza Kilam

24.01.2009, 17:00 Uhr
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Ich bin froh über diese wirklich ehrliche Zusammenfassung. Für mich ist: Hätte Israel nicht gekämpft - gäbe es kein Israel mehr. Das würde dann für uns kultivierte Europäer bequem sein, man könnte das alles bedauern- ich ziehe ein aktives überlebendes Israel vor. Wo sollte Israel sein: warum wurden 1945 nicht einfach wir Deutsche ausgesiedelt und Israel wäre in Europa? Antworten


Ernst Graf

24.01.2009, 14:52 Uhr
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Dann aber wechselt Morris plötzlich seine Ansichten und verteidigt Israes Politik. Aus dem Paulus wurde wieder ein Saulus, und für diesen Wandel gibt er keine überzeugende Erklärung. Morris wird denn auch heute von seinen ehemaligen Kumpanen abglehnt. Man kann ihn deshalb auch nicht mehr als linken neuen Historiker bezeichnen. Ob das mit dem Professorenposten zushängt den ihm Weizmann verschaffte? Antworten


Ernst Graf

24.01.2009, 14:44 Uhr
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Morris beschreibt völlig korrekt die Landnahme der Zionisten, die Vertreibung der Araber, die Zerstörung der Dörfer und die Massaker an der Zivilbevölkerung. Seine Aussagen zu dieser Zeit decken sich völlig mit denen von andern jüdischen Neuen Historikern, wie Simcha Flapan, Noam Chomsky oder Uri Avnery. Morris war so angeekelt von der israelischen Realität dass er sogar auswandern wollte Antworten


Mari Wunderli

24.01.2009, 13:42 Uhr
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hr. Bucher, Ihr Vorschlag kommt 60 Jahre zu spät: deshalb ist ja Israel wo es ist, die europ. Länder haben den Juden EIN LANG gegeben wo sie sicher sein können... Israel... und die Araber haben es seither bekämpft- darum geht es ja! Und wo genau soll dieser Wunderstaat sein? Es gibt nirgends einen Flecken Boden der nicht schon einem Volk gehört. Antworten


Matthias Bringolf

24.01.2009, 10:29 Uhr
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Herr Morris beschreibt sehr klar die Vorgänge um 1948. Danach verschwindet aber einiges im Nebel wie es mir scheint. Wer nun diese 4 Kriege angefangen hat zum Beispiel. Mindestens 2 mal war es faktisch dabei Israel. Zieht man die näheren Umstände hinzu bleibt es eine Frage der historischen Interpretation. Und damit bezieht man eben auch eindeutig Position, was Herr Morris eindeutig macht. Antworten


jens daniel

24.01.2009, 09:31 Uhr
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1945 wurden 12 Millionen Deutsche aus Schlesien, Pommern etc. (huetiges Polen) vertrieben. Die Tschechen vertrieben 3 Millionen Sudetendeutsche. BRD, DDR und Österreich haben diese Flüchtlinge aufgenommen und integriert. Mal sehen, was passiert wäre, wenn man diese Menschen in Lagern gehalten hätte, von der UNO durchgefüttert und ihnen immer wieder Hoffnung auf Rückkehr gemacht hätte. Antworten


Daniel de Lieme

23.01.2009, 22:02 Uhr
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Morris Worte sind Meilensteine der Wahrheit: jedes Wort passt genau, alles ist wahr und treffend formuliert. Seine Darstellung und Wertung von Israels Geschichte wirf ein klares Licht auf die Gegenwart des Landes. Die arabische (Geistes)Welt ... das alte Europa mit seinem schweren hist. Ballast ... das fügt sich nun alles zusammen und ergibt ein scharf umrissenes Gesamtbild. Ein eher ernüchterndes Antworten


Bucher Hans

23.01.2009, 21:58 Uhr
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Leider widerspricht sich Morris: Er räumt ein, dass weder das Vorgehen der israelischen Armee noch die israelische Politik Frieden bringen wird, aber behauptet doch gegen Ende, dass Militärschläge die einzige Möglichkeit seien, Frieden zu kaufen. Meiner Meinung sollte die Weltgemeinschaft einsehen, dass es ein kapitaler Fehler war, Israel dort zu gründen. Wie würde Israel reagieren, wenn sich jetzt ein anderes Volk ohne Staat, beispielsweise die Kurden, dort breitmachte und die Israelis nach und nach mit Waffengewalt vertreiben würde? Die einzige nachhaltige Lösung besteht darin, das ursächliche Unrecht zu beseitigen und Israel zu verlegen. Trotzdem: Chapeau! Morris ist ein kluger Kopf, das Tagimagi hat eine Höchstleistung erbracht. Bei manchen Antworten wäre es gut gewesen, freundlich, aber bestimmt nachzuhaken. Es gibt beispielsweise nicht nur Antisemitismus, sondern auch einfach Antiisraelismus, genauso wie AntiVSAmerikanismus, sowie Antiarabismus, Antiislamismus und wahrscheinlich sogar Antipalästinismus. Die VSA und Israel werden von der Weltöffentlichkeit als Staaten angesehen, die in die Fußstapfen der Nazis getreten sind. Die VSA haben Obama, der dieses Stigma vielleicht abwaschen kann. Israel braucht einen Gorbatschow. Antworten


Bucher Hans

23.01.2009, 21:44 Uhr
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Nur weil sich moslemisch so schön auf polemisch reimt, sollte man nicht dem Trugschluss erliegen, antipalästinensische Polemik würde nicht erkannt: Wenn sich Israel auf 5% seines Staatsgebietes zurückzöge, würden alle, aber wirklich alle Frieden schließen. Genauso polemisch ist die Kritik an der angeblichen Unterdrückung der arabischen Frauen und die Behauptung, die Araber würden deshalb nur 50% ihres gesellschaftlichen intellektuellen Potenzials nutzen. Das kann man nur sagen, wenn man die aktuelle Situation nicht kennt, und wenn man denkt, dass eine traditionelle Aufgabenteilung eine schlechtere Leistungsbilanz ergibt. Zudem gibt es orthodoxe Juden, bei denen die Männer nichts tun außer über die Thora reden. Morris ist Pessimist und unterstellt den Arabern Kriegslüsternheit oder Gewaltätigkeit, die Europäer nicht wahrnähmen, weil sie ein geschöntes Bild von der Menschheit hätten. Tatsache ist aber, wie der Islamwissenschaftler Weidner Stefan am 22-Jan-2009 (vorgestern) in der DRS2-Sendung "Kontext" (9.05 Uhr und 18.30 Uhr, wiederholt, jeweils ca. 30 Min lang an Werktagen) darlegte, dass alle islamischen Gesellschaften trotz prekärer wirtschaftlicher Situation und Nachbarschaft zu prosperierenden Gemeinschaften friedfertig und geduldig sind. Gewalt und politischer Extremismus ist eine Randerscheinung und nur bei den katastrofalen Bedingungen unter der israelischen Besatzung verbreitet. Antworten


Peter Beutler

23.01.2009, 21:31 Uhr
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Den jungen Benny Morris fand ich überzeugender als den alten.Es gibt auch Menschen,die bis ins Alter überzeugend wirken: Uri Averni,Daniel Barenboim...A propos Zivilisten als Schutzschilder der Hamas:Das Echo der Zeit (DRS 23.1) berichtete von einem Dorf in Gaza,von dem sicher nie eine Rakete auf Israel abgefeuert wurde.Heute ist es Grabstätte von vielen Kindern.Kein Stein blieb auf dem anderen. Antworten


Hs Ulr Schmutz

23.01.2009, 21:26 Uhr
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Ohne die us-amerikanische Israel-Lobby, wäre Israel längst verschwunden; der Menschheit das derzeitige Massaker erspart geblieben. Welches westliche würde den schon akzeptieren, mit den Jews als Nachbarn zuteilen ? Antworten


Bucher Hans

23.01.2009, 21:17 Uhr
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Problematisch ist auch die Kritik an der Hamas und die Behauptung, die israelische Armee hätte die Zivilbevölkerung geschont. Der Gasa-Streifen ist extrem dicht besiedelt, weder die Hamas noch die israelische Armee kann Krieg führen, ohne Zivilisten zu gefährden. Die israelische Armee hat aber nachweislich Zivilisten beschossen, obwohl von ihrem Standort keine Raketen abgefeuert worden waren, und Hilfeleistung an Schwerverletzte verhindert, obwohl das gegen alle einschlägigen Konventionen verstößt. Deswegen wohl auch die israelischen Vorbereitungen auf Prozesse, die von internationalen Organisationen angestrengt werden und Israel schwer schaden könnten, indem israelisches Vermögen konfisziert und die israelische Handelstätigkeit unterbunden werden könnten. Antworten


Bucher Hans

23.01.2009, 20:53 Uhr
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Ich finde die Fragen an Herrn Morris sehr gut, direkt und schonungslos. Aber auch die Antworten von Herrn Morris sind ausgezeichnet. Heikel finde ich folgende Stellen: 150'000 Palästinenser blieben, über 700'000 flohen und viele wurden getötet. Das ist in Tat und Wahrheit eine systematische Vertreibung - der Ausdruck "ethnische Säuberung" ist eine Nebelgranate, nicht gerade ein Eufemismus, aber ein Mildreden. Auch das sogenannte "faire Angebot" von Camp David finde ich nicht fair. Die Formulierung "... das Land weggenommen, das sie für ihres halten" ist unlauter, denn das war nach allen weltweit anerkannten rechtlichen Standards wirklich ihres. Der Hass auf Israel entzündet sich keinesfalls an kolportierter Feindschaft zwischen jüdischen Stämmen und Mohammed, sondern an der jüngsten Geschichte. Antworten


Bucher Hans

23.01.2009, 20:28 Uhr
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Ich bin begeistert von diesem Gespräch, von den meisten Fragen und den klaren Antworten. Herr Morris ist bestens informiert und grundehrlich. Wenn er nicht Israeli wär, wär er gegen den Staat Israel in seiner heutigen Form an seinem momentanen Platz. Es wär schön, wenn niemand in die offensichtliche Falle träte, die sachliche Kritik an der historischen Rolle der Zionisten und des Vorgehens der israelischen Staatsgewalt als Steilpass für eine oberflächliche Verurteilung Israels zu benutzen. Ich bin überzeugt, dass niemand ein Recht auf etwas hat, das viele Generationen lang nicht in Anspruch genommen wurde. Wer sich mit Geschichtsschreibung beschäftigt, weiß, dass die historischen Fakten selten und zunehmender Distanz immer weniger als Rechts- und Handlungsgrundlage dienen können. Ich persönlich würde alle gewaltsamen Landnahmen seit der Entdeckung Amerikas rückgängig machen, wobei ich mit den jüngsten Eroberungen anfangen würde - z.B. Tibet. Als Neozionist empfehle ich, Israel zu verlegen, alle Juden weltweit in einen großjüdischen Staat zu transferieren und diesem Staat ewigen Frieden und Schutz durch die VNO zu garantieren. Die Kosten sollen die VNO, Deutschland und andere Staaten, die Juden verfolgten, übernehmen. Die Gretchenfrage: Würden die Israelis dieses einmalige und faire Angebot annehmen? Antworten


Giovanni Baptista

23.01.2009, 20:16 Uhr
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Wenn es - so Benny Morris - keine Lösung im Konflikt zwischen Juden und Arabern gibt, dann stellt sich dem klarsichtigen Zeitgenossen letztlich die Frage, wer von den beiden Volksgruppen in 50 bis 100 Jahren noch in einem eigenen Staat am Mittelmeer leben wird? Wo sind heute die Kreter, wo sind die Etrusker, die Phönizier? Antworten


Peter Zurbrügg

23.01.2009, 19:40 Uhr
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Sehr gute Antworten auf provokative, tendenziöse Fragen! Klar dass die Juden Anspruch auf das Land haben, wer denn sonst? Die sogenannten Palästinenser haben das Land bewohnt, aber nicht eingenommen. Und die Juden sind immer noch ein Volk, trotz 2000Jahre Vertreibung und Verfolgung! Israel ist heute die einzige Demokratie im nahen Osten. Darum sollten wir Schweizer voll hinter Israel stehen! Antworten


Beat Bischof

23.01.2009, 18:24 Uhr
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In jedem noch so kleinen Konflikt ist es entscheidend, ob man sein Gegenüber nur als "Ursache" oder sich selber als Teil der Lösung sieht. Der erste Approach ist scheinbar attraktiver, der zweite erfolgversprechender. Es ist für mich erschreckend wie sich die Geschichte zu wiederholen scheint... Das Leid tragen immer beide Seiten, die Veranwortung hat schlussendlich die Besetzungsmacht - Israel Antworten


Peter Thommen

23.01.2009, 18:18 Uhr
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Ich sage seit einiger Zeit, dass dereinst die Araber und die Juden ein gemeinsames Denkmal errichten werden und dann sich darüber Rechenschaft geben und klagen werden, welche Verbrechen sie beide begangen haben... Nach so langer Zeit ist es unwichtig, wer den Konflikt "begonnen" hat. Zuwenig Geltung haben die jeweiligen "Hinter-Länder" beider Seiten in dem Interview bekommen. Iran versteckt sich.. Antworten


ralph kocher

23.01.2009, 18:17 Uhr
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Das Bild ging um die Welt: Ein Mufti sammelt vor der total zerstörten Mosche zerfetzte Seiten eines Korans zusammen. Auch wenn "political correctness" das politisch korrekte Wort für "Zensur" bedeutet, meinte ich trotzalledem, dass ihr gerüstet mit diesem ideologischen Part eine Reflektion ausgelöst. Subtile Lösung hiesse die Devise. Schon mal was von aufklärerischer Vernunft gehört? Zu subjektiv? Antworten


Lutz Oertli

23.01.2009, 18:12 Uhr
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Leider gibt es in Issrael viel zu wenige linke Benny Morris. Für die kommenden Wahlen sehe ich jedenfalls keinen Unterschied zwischen der Kadima-Frau Zipi Livni und dem Arbeitspartei-Mann Ehud Barak. Das ist nicht mehr der Barak, der unter Bill Clinton mit Jassir Arafat verhandelte. Antworten


Paul Thürig

23.01.2009, 18:04 Uhr
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Man muss die nimmermüdenden Kriegstreiber auf beiden Seiten politisch ausschalten.Dann dürften die friedliebenden Menschen in Israel und Palästina endlich die Oberhand gewinnen! Macht Glaube nicht selig? Antworten


Hans Zumstein

23.01.2009, 17:47 Uhr
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Eine Legitimation Land in Besitz zu nehmen daraus abzuleiten, dass vor 2000 Jahren Vorfahren in diesem Land waren scheint mir doch sehr absurd. Oder will jemand die römischen Nachfahren legitimieren, alle Ländereien die mal das römische Reich ausmachten den Italienern zuzurechnen? Dann könnte die Schweiz auch Anspruch auf grosse Teile Savoyens, des Veltlins und Baden-Würtembergs reklamieren. . . Antworten


Lutz Oertli

23.01.2009, 17:43 Uhr
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Auch wenn Arafat das israelische Angebot akzeptiert hätte, so hätte dies gleichwohl nichts bewirkt: Scharon hatte bereits vorgezogene Neuwahlen erzwungen, und die israelischen Friedensvorschläge wären von den Wählern sowieso abgelehnt worden. Ehud Barak wurde bei diesen Wahlen gestürzt und musste Ariel Scharon Platz machen. Antworten


Ella Lurino

23.01.2009, 16:53 Uhr
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Ein sehr gutes Interview. Endlich steht einmal, WARUM etwas geschieht und nicht nur DASS etwas geschieht! Über den Nahostkonflikt wurden seit Jahren nur Agenturmeldungen abgedruckt. Antworten


Alexander Dominguez

23.01.2009, 16:12 Uhr
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Israel war immer der David in einer Region, wo hasserfüllte Araber die Juden vernichten wollten. So wird es immer sein und Israel hat ein Recht auf Selbstverteidigung. Wenn sich die feigen Islamisten hinter Frauen und Kindern verstecken, nehmen sie Cholateralschäden in Kauf. Ja sie leben förmlich davon, da die einseitig informierte europäische Öffentlichkeit alle Propaganda-Lügen der Hamas glaubt Antworten


Didier Chaignat

23.01.2009, 16:07 Uhr
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Interessantes Interview, die tendenziösen Fragen sind aber z.T. unsäglich! Die Antworten sind klar und unmissverständlich. Tatsache ist, würde Israel nicht existieren, würde es dem palästinensichem Volk noch viel schlechter gehen. Kein arabisches Land hätte es akzeptiert, das Land mit den Paläst. zu teilen. Ein blutiger Krieg zwischen den Arabern seit 1948 wäre im Gange, die Paläst. in der Mitte! Antworten


hans rudolf hort

23.01.2009, 15:45 Uhr
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es ist halt Mode und gesellschaftskompatibel die Israelis zu verunglimpfen und ihnen alles Schlechte dieser Welt anzuhängen. Es fehlt nur noch, dass sie selber schuld sind am Holocaust. Einmal möchte einen Artikel lesen in dem schonungslos über die erbarmungslosen Misstaten der Palästineser geschrieben wird, Selbstkritik ist dort absolut unbekannt könnte man meinen laut CH Medien. Antworten


David Mani

23.01.2009, 15:24 Uhr
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Ich bin erstaunt, das der Historiker so lange brauchte um herauszufinden, dass es beim Staatenproblem nicht primär um die Geschichte geht, sondern religiöse Überzeugungen viel schwerer wiegen. Der Interviewer hat m.E aber immer noch nicht begriffen, dass die Araber Israel auslöschen wollen. Die Rückgabe von strategisch wichtigen Gebieten macht wenig Sinn, wenn man dem anderen nicht vertrauen kann! Antworten


Francis Salmon

23.01.2009, 15:22 Uhr
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Dieses Interview sollte Zwangslektüre für unsere linken Politiker sein, damit sie mal sehen wie linke Israelis denken. Ich denke, da gäbe es einiges zu revidieren. Antworten


Mari Wunderli

23.01.2009, 15:20 Uhr
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aufschlussreiches Interview- geschichtlich akkurat- im Gegensatz zudem was in den letzten Wochen zusammengeschrieben wurde. Leider zeigen sich die Länder in Europa von der feigen Seite: es wird sicher keine Löhsung geben wenn sich Politiker so undiplomatisch äussern und benehmen wie Bundesräte in Gaza auf Besuch, Aussenministerin küsst und umarmt den iran. Präsidenten der Israel vernichten will Antworten


Pierre A. Sobol

23.01.2009, 14:54 Uhr
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Anfangs des Interviews haben mich die Aussagen von Morris befangen gemacht. Erschreckt. Aber je länger das Interview wurde und je blöder und aggressiver die Fragen gestellt wurden, konnte ich erkennen, dass Morris hinter und zu seinem Land steht. Den Fragen in dem Interview nach zu urteilen, scheint es aber nochmals 2000 Jahre zu gehen, bis die Welt begreift, dass es Israel geben muss. Antworten


Benno Kälin

23.01.2009, 14:25 Uhr
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Palästina wurde geteilt, das Land besetzt, und die Palästinenser aus dem Lande gejagt, und sie waren damit nie einverstanden! Israel setzte die systematische Vertreibung fort, mauert die Palästinenser im Gettho ein und plündert das Land. 1947 änderte die USA (Präsident H. Trumann) ihre Haltung mit der Begründung, die jüdischen Wähler in den USA seien wichtiger als die Anliegen der Palästinenser Antworten


Hans Zimmerli

23.01.2009, 14:06 Uhr
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In Israel wird man sofort mit dem Namen Nazi beschimpft, wenn man die UNO-Resolutionen anspricht. Ich war im März bis Mai 2008 in versch. Kibbuzen und habe dort eigentlich gratis gearbeitet. Für einige war ich immer noch der Nazi aus der Schweiz. Israel hat sich selber in diese Rolle geführt, wer nicht hinter Israel steht ist ein Nazi. Diese Meinung ist unfriedlich und Menschen verachtend. Antworten


Stefan Buso

23.01.2009, 13:11 Uhr
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Ein sehr interessanter und aufschlussreicher Bericht! Antworten


Matthias Meyer

23.01.2009, 12:41 Uhr
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Eine ausgezeichnete Analyse. Auch wenn es ein paar Punkte gibt mit welchen ich nicht einverstanden bin. Aber 60 Jahre Krieg haben in Israel ein "Brainwashing" bewirkt. Die meisten Israeli können schlicht nicht mehr zwischen legitimen Massnahmen und Kriegsverbrechen unterscheiden. Antworten



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