Ausland
«Ich will auch so einen Bauch haben»
Aktualisiert am 05.08.2009 5 Kommentare
Zwei kenianische Polizisten im Einsatz in Molo: Korruption unter Beamten ist weit verbreitet.
In der letzten Woche des Monats ist Samuel Wangeru immer vorsichtig hinter dem Steuer. Der Taxifahrer aus Nairobi weiss: In diesen Tagen lässt er sich besser keine noch so kleine Ordnungswidrigkeit zuschulden kommen.
Denn die Zahl der Polizeikontrollen an den Ausfallstrassen der kenianischen Hauptstadt ist dann deutlich höher, und auch die Hartnäckigkeit der Polizisten hat im Vergleich zum Monatsanfang zugenommen.
«Am Monatsende wird das Geld knapp, also versuchen die Polizisten eben, ihr Einkommen aufzubessern», zuckt der 38-Jährige die Schultern. Dass die Ordnungshüter gerne die Hand aufhalten und Schmiergeld kassieren, ist für ihn eine Art Naturgesetz.
Zwei Drittel der Polizei sind bestechlich
Taxifahrer Wangeru war daher nicht überrascht, als die Antikorruptions-Organisation Transparency International einen Bericht über Korruption in Ostafrika veröffentlichte und Kenya darin als das korrupteste Land der Region geschildert wurde.
Spitzenreiter der Bestechlichkeit war die kenianische Polizei mit einem Korruptionsindex von 66 Prozent. «Dies ist eine korruptionsfreie Zone», steht in Kenya auf vielen Schildern und Plakaten in Ministerien, Poststellen, Bahnhöfen oder eben auch Polizeistationen.
Die meisten Kenianer oder die in dem ostafrikanischen Land lebenden Ausländer können darüber nur müde lächeln. Denn oft müssen sie sich nicht nur mit Schmiergeld aus Situationen freikaufen, die sie selbst als Verkehrssünder verursacht haben.
«Muzungus» (Weisse) wecken Begehrlichkeiten
Viele Polizisten fordern auch dann Geld, wenn es noch nicht mal Anlass gibt, Bussgeld zu kassieren. Vor allem «Muzungus» (Weisse) wecken Begehrlichkeiten der Beamten, stehen Ausländer doch im Ruf, ordentlich Geld zu haben.
»Du siehst aus, als ob Du viel Fleisch isst», bekam etwa der amerikanische Geschäftsmann Bob Haskins kürzlich an einer Verkehrskontrolle zu hören, als ein Beamter ins Wageninnere starrte und Haskins' Wohlstandsbauch beäugte. «Ich will auch Fleisch kaufen und so einen Bauch haben.» Der Amerikaner war so perplex, das er bereitwillig einen Beitrag zum Nyama Choma, dem in Kenya so beliebten gegrillten Fleisch, leistete.
Originelle Argumente
Eine englische Journalistin wurde von einem anderen Beamten zu Fuss durch einen der zahlreichen Staus in Nairobi verfolgt. Sie müsse ein Bussgeld wegen Rauchens in der Öffentlichkeit bezahlen, erklärte der Polizist der verdutzten Britin, die sich in ihrem Auto eine Zigarette angezündet habe.
Sie fahre schliesslich mit offenem Fenster und gefährde so die Gesundheit anderer Verkehrsteilnehmer, behauptete der Mann - anscheinend ohne die Abgaswolken im Stau zur Kenntnis zu nehmen. «Aber wir können das auch ohne Strafzettel und Fahrt zur Polizeistation regeln», schlug der Beamte im gleichen Atemzug leutselig vor.
Die Büroangestellte Grace Kimani hat eine Strategie entwickelt, wenn sie mal wieder wegen angeblicher Fahrzeugmängel zur Kasse gebeten wird: «Ich zeige mich zerknirscht und schlage vor, dass wir zur Wache fahren, damit ich mein Bussgeld zahlen kann, auch wenn der Papierkram endlos dauern sollte. Dann suchen sich die Beamten lieber ein anderes Opfer.» (bru/sda)
Erstellt: 05.08.2009, 13:27 Uhr
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5 Kommentare
Das passiert mir immer wieder in Kenya. Ich der Mzungu hat geld!! Ich habe jetzt angefangen die Peronalnummer des Polizisten aufzuschreiben, die er sichtbar trägt. Ist eine gute "medizin" und sofort wollen sie von einem Cola usw. nichts mehr wissen!!!!! Zwischendurch ist ein kleines Trinkgeld sehr nützlich, Leider!!! Am schlimmsten is der Zoll beim Moi Airport! Antworten
Für mich ist Kenia als Reiseland schon längst tabu. Selbst der Immigration Officer hat mir bei der Ausreise und Devisenkontrolle nach Kenia Geld am Flughafen Mombasa abknöpfen wollen. Ich konnte es nur mit dem Daumen auf den Noten im Portemonnais und einer aufgesetzten 'nicht verstehen' Mine verhindern. Nein, wenn die Beamten so korupt sind ist die Schönheit vorbei. Antworten
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




