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In Ägypten sind die Revolutionäre zu früh nach Hause gegangen

Vor neun Monaten bejubelte das ägyptische Volk das Ende des Mubarak-Regimes. Das Militär verhindert jedoch seither den Übergang zur Demokratie. Die Wahlen am Montag drohen zur Farce zu werden.

Die erhoffte Revolution ist nicht eingetreten: Verletzter Demonstrant auf dem Tahrir-Platz in Kairo.

Die erhoffte Revolution ist nicht eingetreten: Verletzter Demonstrant auf dem Tahrir-Platz in Kairo.
Bild: AFP

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Erneut Ausschreitungen in Ägypten

Erneut Ausschreitungen in Ägypten
Seit dem 20. November wird auf dem Tahrir-Platz wieder heftig protestiert. Über 30 Menschen kamen seither ums Leben.

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Gewalt gegen Demonstranten hält an

Nach erneuter Gewalt auf dem Tahrir-Platz in Kairo ist international am Mittwoch zunehmend Kritik am Vorgehen des ägyptischen Militärrats laut geworden. Die jüngsten Zugeständnisse der Generäle für einen schnelleren Übergang zur Demokratie lehnten die Zehntausenden Demonstranten in der Innenstadt überwiegend ab. Die Zahl der Toten bei den Zusammenstössen erhöhte sich unterdessen auf 38.

Die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay bezeichnete die «Bilder von Demonstranten, die schon auf dem Boden liegen und trotzdem noch verprügelt werden», als «schockierend». Angesichts von Berichten über Menschen, denen in den Kopf geschossen worden sei, forderte sie eine schnelle, unabhängige und unparteiische Untersuchung. (dapd)

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In Ägypten soll trotz der jüngsten Unruhen das neue Parlament wie geplant ab Montag gewählt werden. Der Zeitplan könne eingehalten eingehalten werden, erklärte der herrschende Militärrat am Donnerstag in einer Stellungnahme.

«Die Wahl wird nicht verschoben. Das ist das letzte Wort», sagte General Mamduh Schahin in Kairo. Auch Wahlleiter Abdul Muis Ibrahim versicherte, der Termin werde eingehalten. Er sei bereit, die Abstimmung unter allen Umständen über die Bühne gehen zu lassen. Der Urnengang beginnt am kommenden Montag in Kairo, Alexandria und sieben weiteren Provinzen. Die Stichwahl für diese Regionen ist für den 5. Dezember vorgesehen.

In neun weiteren Provinzen soll der erste Wahlgang am 14. Dezember sein. In den restlichen Provinzen am 3. Januar. Die im Ausland lebenden Ägypter dürfen erstmals ihre Stimme abgeben. Für sie hatte die Stimmabgabe am Mittwoch in ägyptischen Botschaften und Konsulaten begonnen.

Wogen leicht geglättet

Auf dem Tahrir-Platz in Kairo, wo bei Strassenschlachten 39 Demonstranten getötet worden waren, entspannte sich nach einer Vereinbarung zwischen Protestierenden und Sicherheitskräften die Lage. Zuvor hatten sich die Demonstranten mit der Polizei darauf geeinigt, ihre Proteste auf den Tahrir-Platz zu beschränken.

Dort verharrten auch am Donnerstag Tausende, die gegen den gewaltsamen Tod von fast 40 Demonstranten protestierten und einen schnellen Übergang zu einer zivilen Regierung im Land forderten.

General Muchtar al-Mullah erklärte, die Streitkräfte respektierten die Haltung der Demonstranten. Sie repräsentierten jedoch nicht das ganze Ägypten. Mullah äusserte die Hoffnung, noch vor Beginn der ab Montag geplanten Parlamentswahl eine neue Regierung präsentieren zu können. Das Kabinett von Ministerpräsident Essam Scharaf war Anfang der Woche zurückgetreten.

Entschuldigung der Streitkräfte

Der Militärrat entschuldigte sich am Donnerstag für die tödliche Gewalt der Polizei gegen Demonstranten in den vergangenen Tagen. In einer Erklärung der Generäle heisst es, es sei sehr bedauerlich, dass bei den Protesten rund um den Tahrir-Platz in Kairo Menschen getötet worden seien.

Die Militärs kündigten eine Untersuchung der Vorfälle an. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wurden 300 Demonstranten freigelassen. Die linke Tagammu-Partei teilte mit, am Donnerstag sei ein junges Mitglied der Partei auf dem Tahrir-Platz ums Leben gekommen.

(mrs/sda)

Erstellt: 23.11.2011, 23:26 Uhr

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10 Kommentare

Hans Meier

24.11.2011, 12:58 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Toller "Arabischer Fruehling". Hat jemand ernsthaft was anderes erwartet? Antworten


Günther Friedlich

24.11.2011, 18:12 Uhr
Melden 1 Empfehlung

@Meier: Ja, alle uns von den Medien immer wieder präsentierten Experten mit ihrem grossen Erfahrungsschatz und ihren Kenntnissen von der Region.
Alle liegen sie falsch.


Walter Kuhn

24.11.2011, 10:31 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Wer finanziert das ägyptische Militär? Die USA. In Lateinamerika unterstützten sie im Namen des Kampfes gegen den Kommunismus unsägliche Militärjuntas. Heute geschieht dasselbe im Namen des Kampfes gegen den islamistischen Terrorismus. Dafür wird (auch in Saudiarabien) den islamistischen Frauenunterdrückern freie Hand bei der Anwendung der Scharia gegeben. Frau Clinton, Augen auf und aufwachen! Antworten


oscar gerber

24.11.2011, 09:49 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Eine Revolution ist erst dann eine wirkliche Revolution, wenn die Mächtigen entmachtet und auch von der wirtschaftlichen Macht entfernt worden sind. Die von den Medien bejubelte "Revolution" und "Demokratisierung" war also nur ein Anfang. Und wie das weitergeht, steht in den Sternen. Denn solange nicht eine organisierte schlagkräftige Partei die Revolution anführt, wird es schwierig. Antworten


Konstanze Böhringer

24.11.2011, 09:39 Uhr
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Bitter Antworten


Hans Huber

24.11.2011, 08:35 Uhr
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Es ist doch sonneklar, bevor es eine neue (demokratische) Regierung geben kann, muss es zuerst Wahlen geben. 9 Monate um Neuwahlen zu organiseren ist meiner Meinung nach angemessen. Antworten


Roger Beck

24.11.2011, 06:30 Uhr
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Das Ägyptische Volk hat ein Recht für eine zivile demokratisch Regierung. Das Militär hat sich da unterzuordnen.
Ängste vor den muslimischen Kräften in der Bevölkerung haben nur die Feinde der Ägypter. In der westlichen Welt regieren vielerorts auch Glaubensgesteuerte Parteien (Christen).
In dieser Beziehung hilft nur gegenseitiger Respekt und ernstgemeinter Dialog zwischen Moslem und Christen.
Antworten


Toni Stadelmann

24.11.2011, 05:18 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Ägypten hat über 80 Millionen Einwohner und steht im BIP-Ranking (pro Kopf) an 120 Stelle auf der Welt. Die Auslandverschuldung ist 30 Milliarden Franken. 50% sind Analfabeten. 30% arbeiten immer noch in der Landwirtschaft. Ebenfalls rund 30% sind arbeitslos. Dazu kommen Korruption und Kriminalität. Wer an eine schnelle Wende glaubte, war blauäugig, ignorant oder ein(e) Träumer(in). Antworten


Bernd Chansri

24.11.2011, 02:22 Uhr
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Auch Saudi Arabien ist eine Erwähnung wert, nicht war? Antworten


David X. Meier

24.11.2011, 00:20 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Die Geschichte zeigt, dass echte Demokratie nicht von heute auf morgen kommt. In Deutschland gab es z.B. 1848 eine Revolution, die vom Militär niedergeschlagen wurde. Eine moderne Demokratie wurde die BRD mehr als 100 Jahre später. Ich wünsche den Ägyptern, dass sie nicht so lange warten müssen. Antworten



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