In Ägypten sind die Revolutionäre zu früh nach Hause gegangen

Aktualisiert am 24.11.2011 10 Kommentare

Vor neun Monaten bejubelte das ägyptische Volk das Ende des Mubarak-Regimes. Das Militär verhindert jedoch seither den Übergang zur Demokratie. Die Wahlen am Montag drohen zur Farce zu werden.

Die erhoffte Revolution ist nicht eingetreten: Verletzter Demonstrant auf dem Tahrir-Platz in Kairo.

Die erhoffte Revolution ist nicht eingetreten: Verletzter Demonstrant auf dem Tahrir-Platz in Kairo.
Bild: AFP

Bildstrecke

Erneut Ausschreitungen in Ägypten

Erneut Ausschreitungen in Ägypten
Seit dem 20. November wird auf dem Tahrir-Platz wieder heftig protestiert. Über 30 Menschen kamen seither ums Leben.

Dossiers

Artikel zum Thema

Gewalt gegen Demonstranten hält an

Nach erneuter Gewalt auf dem Tahrir-Platz in Kairo ist international am Mittwoch zunehmend Kritik am Vorgehen des ägyptischen Militärrats laut geworden. Die jüngsten Zugeständnisse der Generäle für einen schnelleren Übergang zur Demokratie lehnten die Zehntausenden Demonstranten in der Innenstadt überwiegend ab. Die Zahl der Toten bei den Zusammenstössen erhöhte sich unterdessen auf 38.

Die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay bezeichnete die «Bilder von Demonstranten, die schon auf dem Boden liegen und trotzdem noch verprügelt werden», als «schockierend». Angesichts von Berichten über Menschen, denen in den Kopf geschossen worden sei, forderte sie eine schnelle, unabhängige und unparteiische Untersuchung. (dapd)

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

In Ägypten soll trotz der jüngsten Unruhen das neue Parlament wie geplant ab Montag gewählt werden. Der Zeitplan könne eingehalten eingehalten werden, erklärte der herrschende Militärrat am Donnerstag in einer Stellungnahme.

«Die Wahl wird nicht verschoben. Das ist das letzte Wort», sagte General Mamduh Schahin in Kairo. Auch Wahlleiter Abdul Muis Ibrahim versicherte, der Termin werde eingehalten. Er sei bereit, die Abstimmung unter allen Umständen über die Bühne gehen zu lassen. Der Urnengang beginnt am kommenden Montag in Kairo, Alexandria und sieben weiteren Provinzen. Die Stichwahl für diese Regionen ist für den 5. Dezember vorgesehen.

In neun weiteren Provinzen soll der erste Wahlgang am 14. Dezember sein. In den restlichen Provinzen am 3. Januar. Die im Ausland lebenden Ägypter dürfen erstmals ihre Stimme abgeben. Für sie hatte die Stimmabgabe am Mittwoch in ägyptischen Botschaften und Konsulaten begonnen.

Wogen leicht geglättet

Auf dem Tahrir-Platz in Kairo, wo bei Strassenschlachten 39 Demonstranten getötet worden waren, entspannte sich nach einer Vereinbarung zwischen Protestierenden und Sicherheitskräften die Lage. Zuvor hatten sich die Demonstranten mit der Polizei darauf geeinigt, ihre Proteste auf den Tahrir-Platz zu beschränken.

Dort verharrten auch am Donnerstag Tausende, die gegen den gewaltsamen Tod von fast 40 Demonstranten protestierten und einen schnellen Übergang zu einer zivilen Regierung im Land forderten.

General Muchtar al-Mullah erklärte, die Streitkräfte respektierten die Haltung der Demonstranten. Sie repräsentierten jedoch nicht das ganze Ägypten. Mullah äusserte die Hoffnung, noch vor Beginn der ab Montag geplanten Parlamentswahl eine neue Regierung präsentieren zu können. Das Kabinett von Ministerpräsident Essam Scharaf war Anfang der Woche zurückgetreten.

Entschuldigung der Streitkräfte

Der Militärrat entschuldigte sich am Donnerstag für die tödliche Gewalt der Polizei gegen Demonstranten in den vergangenen Tagen. In einer Erklärung der Generäle heisst es, es sei sehr bedauerlich, dass bei den Protesten rund um den Tahrir-Platz in Kairo Menschen getötet worden seien.

Die Militärs kündigten eine Untersuchung der Vorfälle an. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wurden 300 Demonstranten freigelassen. Die linke Tagammu-Partei teilte mit, am Donnerstag sei ein junges Mitglied der Partei auf dem Tahrir-Platz ums Leben gekommen.

(mrs/sda)

Erstellt: 23.11.2011, 23:26 Uhr

10

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

10 Kommentare

Toni Stadelmann

24.11.2011, 05:18 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Ägypten hat über 80 Millionen Einwohner und steht im BIP-Ranking (pro Kopf) an 120 Stelle auf der Welt. Die Auslandverschuldung ist 30 Milliarden Franken. 50% sind Analfabeten. 30% arbeiten immer noch in der Landwirtschaft. Ebenfalls rund 30% sind arbeitslos. Dazu kommen Korruption und Kriminalität. Wer an eine schnelle Wende glaubte, war blauäugig, ignorant oder ein(e) Träumer(in). Antworten


David X. Meier

24.11.2011, 00:20 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Die Geschichte zeigt, dass echte Demokratie nicht von heute auf morgen kommt. In Deutschland gab es z.B. 1848 eine Revolution, die vom Militär niedergeschlagen wurde. Eine moderne Demokratie wurde die BRD mehr als 100 Jahre später. Ich wünsche den Ägyptern, dass sie nicht so lange warten müssen. Antworten



Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre

Meistgelesen in der Rubrik Ausland

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

bluebanana.ch