Jihadisten befreien Hunderte Gefangene aus Abu Ghraib

Generalstabsmässiger Angriff mit Granaten und Sprengsätzen: Im Irak haben Angreifer zwei Gefängnisse gestürmt. 500 Insassen sollen entkommen sein, darunter auch al-Qaida-Mitglieder.

Berüchtigt für die Misshandlungen unter US-Aufssicht: Wachen vor einem Gittertor in Abu Ghraib. (21. Februar 2009)

Berüchtigt für die Misshandlungen unter US-Aufssicht: Wachen vor einem Gittertor in Abu Ghraib. (21. Februar 2009) Bild: AFP

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Hunderte irakische Häftlinge sind nach einer Befreiungsaktion durch Extremisten aus Hochsicherheitsgefängnissen in der Umgebung der irakischen Hauptstadt Bagdad entkommen. Allein aus dem Gefängnis Abu Ghraib seien rund 500 Gefangene geflohen, teilten Abgeordnete des Parlamentsausschusses für Sicherheit und Verteidigung mit. Dutzende Menschen kamen bei den Feuergefechten rund um die Haftanstalten ums Leben.

Unter den Tausenden Häftlingen in Abu Ghraib und im Gefängnis von Tadschi, 20 Kilometer nördlich von Bagdad, befinden sich auch verurteilte al-Qaida-Kämpfer. Der Abgeordnete Hakim al-Samili erklärte, viele entflohene Gefangene hätten wieder gefasst werden können oder seien getötet worden. Die anderen würden von Polizei und Soldaten verfolgt. Ein Sprecher des irakischen Justizministeriums teilte mit, dass 21 Häftlinge bei den Gefechten in beiden Gefängnissen getötet worden seien. Die Aussagen der Abgeordneten über die Flucht von Hunderten Häftlingen konnte der Sprecher nicht bestätigen, die Gefangenen würden noch gezählt, sagte er.

Generalstabsmässig geplant

Die Extremisten begannen ihren offenbar generalstabsmässig geplanten Angriff auf die beiden Hochsicherheitsgefängnisse am späten Sonntagabend. Bei dem Sturm auf das Gefängnis von Tadschi setzten die Angreifer Bomben und Granatwerfer ein, bevor einer von ihnen sein mit Sprengstoff beladenes Auto am Haupttor zur Detonation brachte. Ein zweiter Selbstmordattentäter sprengte sich ebenfalls in die Luft.

Während der rund zweistündigen Gefechte mit Gefängniswärtern steckten die Häftlinge im Inneren des Gebäudes Decken und Möbel in Brand, wie die Polizei mitteilte. 15 Soldaten und mindestens sechs Extremisten kamen ums Leben. Ähnlich lief auch der Angriff in Abu Ghraib westlich von Bagdad ab, wo mindestens zehn Polizisten und vier Aufständische ums Leben kamen – zusätzlich zu den später getöteten Häftlingen. Das Gefängnis von Abu Ghraib wurde vor allem durch die Misshandlungen von Häftlingen durch US-Soldaten bekannt, die international für Empörung gesorgt hatten.

Al-Qaida im Irak hatte vor einem Jahr Angriffe zur Befreiung islamistischer Gefangener angekündigt. Nun rühmten sich Jihadisten auf Websites und auf Twitter, «tausende Häftlinge» befreit zu haben.

Weitere Tote gab es bei einem Selbstmordanschlag auf eine Armee-Patrouille in der nordirakischen Stadt Mossul. Mindestens zwölf Menschen, neun Soldaten und drei Zivilisten, seien am frühen Morgen ums Leben gekommen, als ein mit Sprengstoff beladenes Auto in die Patrouille raste. Weitere 14 Menschen wurden verletzt, darunter vier Zivilisten. Mossul liegt rund 360 Kilometer nordwestlich von Bagdad und gilt als einer der Krisenherde im Irak.

Über das Land rollt seit Wochen eine neue Welle der Gewalt, die schlimmste seit fünf Jahren. Seit Anfang April wurden mehr als 2000 Menschen getötet. Erst am Wochenende waren bei einer Serie von Bombenanschlägen in Bagdad und anderen Teilen des Landes als 80 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 125 Menschen wurden verletzt. (mw/AP)

Erstellt: 22.07.2013, 11:58 Uhr

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