Journalisten und Bloggern das Maul stopfen

Irans Staatsführung will alles totschweigen. Diplomaten werden zitiert, Reporter ausgewiesen. Auch ein Korrespondent des Schweizer Radios musste das Land verlassen.

Flickr, Twitter, Youtube: Irgendwie gelangen immer Informationen aus dem Land.

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Bild: Keystone

Im Iran sind seit Beginn der Proteste gegen die umstrittene Präsidentenwahl mindestens zwei dutzend Journalisten und Blogger festgenommen worden. Unter ihnen sei der Leiter des iranischen Journalistenverbands, Ali Masrui, teilte die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) am Sonntag in Paris mit. Die Gruppe legte eine Liste mit den Namen von 23 Festgenommenen vor.

Auch ein Reporter des Magazins «Newsweek» wurde am Sonntag festgenommen. Nach Angaben von «Newsweek» handelt es sich um den Korrespondenten Maziar Bahari, einen kanadischen Staatsbürger.

Westschweizer Korrespondent ausgewiesen

Der Korrespondent des britischen Senders BBC, Jon Leyne, wurde aufgefordert, den Iran binnen 24 Stunden zu verlassen. Ihm werfen die Behörden die «Verbreitung erfundener Meldungen» vor. Begründungen für die Festnahmen der Journalisten wurden in den meisten Fällen nicht genannt.

Zahlreiche internationale Korrespondenten mussten das Land bereits verlassen, darunter deutsche, spanische, belgische und niederländische Journalisten. Auch ein Sonderkorrespondent des Westschweizer Radios war gezwungen auszureisen, nachdem ihm eine Verlängerung seines Visums verweigert wurde.

Teheran bestellt Diplomaten ein

Die iranischen Behörden haben ausländischen Medien verboten, von den Strassen zu berichten. Erlaubt sind lediglich Telefon-Interviews und amtliche Quellen wie das staatliche Fernsehen. Auch viele Webseiten wurden gesperrt. Besonders empfindlich hat die Staatsführung auf Nachrichten, Blogs und Internetberichte in der Landessprache Farsi reagiert.

Als wäre die Verfolgung von Journalisten im eigenen Land nicht genug, versucht Teheran auch die Reaktionen im Ausland zu beeinflussen. Offenbar hat der Iran Diplomaten aus den Mitgliedsländern der EU einbestellt und ihnen Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes vorgeworfen. Der tschechische Aussenminister Jan Kohout, dessen Land zurzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, sprach von einem «Missverständnis», da es das Ziel der EU sei, sich nicht in die iranischen Angelegenheiten einzumischen. Bei dem Termin am Sonntag in Teheran war es den Diplomaten den Angaben zufolge nicht gestattet, ihre Ansichten über die Situation im Iran zu äussern. (cpm/ap/)

Erstellt: 21.06.2009, 22:15 Uhr

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