Ausland
Kenia jagt somalische Gotteskrieger
Von Johannes Dieterich, Johannesburg. Aktualisiert am 18.10.2011 11 Kommentare
Haben ihre Sachen gepackt: Somalische Familen fliehen vor den kenianischen Truppen aus dem Ala-yasir-Camp.
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Al-Shabab
Die Milizionäre von al-Shabab (arabisch: die Jungs) gingen aus der Union islamischer Gerichte hervor, die vor fünf Jahren kurzzeitig Somalia regierte. Nach Entmachtung der Union durch einmarschierende Truppen aus dem Nachbarstaat Äthiopien gingen die «Jungs» in den Untergrund und kämpften von dort erfolgreich gegen die äthiopische Besatzungsmacht und nach deren Abzug gegen die somalische Übergangsregierung. Bald beherrschten die Fundamentalisten den grössten Teil des Landes. Erst den von der Afrikanischen Union nach Somalia entsandten «Friedenstruppen» gelangen deutliche Geländegewinne. Im August musste sich al-Shabab aus Mogadiscio zurückziehen.
Geschwächt wurden die Gotteskrieger auch von der Dürrekatastrophe. Hunderttausende Somalier flohen aus ihrer Heimat, Zigtausende verhungerten bereits. Aus Angst, ihren Einfluss über die Bevölkerung zu verlieren, liess al-Shabab kaum eine westliche Hilfsorganisation in ihr Gebiet. Zusammen mit verheerenden Selbstmordanschlägen, die gemeinsam mit al-Qaida ausgeheckt wurden und bereits Hunderte von Zivilisten getötet haben, zerstörte das den einst guten Ruf der Gotteskrieger. (jod)
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Kenianische Truppen und Kampfflugzeuge sind tief ins Nachbarland Somalia eingedrungen, um die extremistischen Al-Shabab-Milizionäre zu bekämpfen, die für die Entführungen westlicher humanitärer Helfer und Touristen auf kenianischem Gebiet verantwortlich gemacht werden. «Wenn man von einem Feind angegriffen wird, ist man berechtigt, diesen Feind zu verfolgen», rechtfertigte der kenianische Verteidigungsminister Jusuf Mohammed Haji die Militäroperation: «Wir werden sie weit von unserer Grenze vertreiben.»
Augenzeugen im fast 100 Kilometer von der Grenze entfernten somalischen Städtchen Coqani berichteten von einer aus 25 gepanzerten Fahrzeugen bestehenden kenianischen Militärkolonne, die das Städtchen am Sonntag erreicht habe und bereits wieder weitergezogen sei. Gleichzeitig sollen kenianische Kampfflugzeuge Angriffe auf zwei Al-Shabab-Lager in der Region geflogen haben – im Rahmen der Militäroperation kommen auch Panzer und Helikopter zum Einsatz. Offenbar ist der kenianische Vormarsch mit der somalischen Übergangsregierung abgesprochen: Gemäss Augenzeugenberichten rücken deren Truppen auf die als Hochburg der islamistischen Milizionäre geltende Stadt Afmadow vor.
Auch Touristen im Visier
Der Militärschlag folgt einer Reihe von Vorkommnissen, die die kenianische Regierung in jüngster Zeit tief beunruhigt haben. Vergangenen Donnerstag wurden im Flüchtlingslager Dadaab – dem mit fast einer halben Million Flüchtlingen grössten Lager der Welt – zwei Mitarbeiterinnen der Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières entführt. Bewaffnete Männer verschleppten die beiden Spanierinnen Montserrat Serra i Ridao und Blanca Thiebaut in deren Geländewagen über die rund 60 Kilometer weit entfernte Grenze nach Somalia. Über das Schicksal der beiden Logistikerinnen ist bislang nichts bekannt. Trotz eines Dementis al-Shababs geht die kenianische Regierung davon aus, dass die mit der Terrorgruppe al-Qaida verbündete Miliz für die Entführung verantwortlich zu machen sei.
Auch der aufsehenerregende Mord an einem britischen Touristen und die Entführung von dessen Ehefrau sowie die Verschleppung einer gelähmten französischen Emigrantin an der kenianischen Küste des Indischen Ozeans gehen nach Auffassung Nairobis auf das Konto von al-Shabab. Bereits im September überfiel eine Gruppe bewaffneter Männer das in Grenznähe gelegene Luxuscamp Kiwayu Safari Village, erschoss den Briten David Tebbutt und verschleppte dessen 56 Jahre alte Frau Judith. In diesem Luxuscamp hatten schon Mick Jagger und die beiden britischen Prinzen William und Harry Ferien gemacht.
Touristen stornieren ihre Reisen
Anfang Oktober schlugen bewaffnete Somalier erneut zu: Diesmal griffen sie die auf einen Rollstuhl angewiesene krebskranke französische Emigrantin Marie Dedieu in ihrem Haus im Touristenparadies Lamu an. Bekannte der 66-Jährigen verfolgten die Entführer mit zwei Privatflugzeugen bis in die Nähe von Ras Kamboni im südlichsten Zipfel Somalias, wo extremistische Islamisten bereits in der Vergangenheit Trainingslager unterhielten. Bei den Entführern könne es sich auch um ihr Tätigkeitsfeld erweiternde Piraten handeln, sind Kenner Somalias überzeugt. Allerdings würden die Piraten dann unter einer Decke mit al-Shabab stecken, die den gesamten Süden Somalias kontrolliert.
Die beiden Vorfälle lösten bereits zahllose Stornierungen von Reservierungen westlicher Touristen in Kenia aus. Unterdessen drohte al-Shabab Kenia Vergeltungsschläge an. Viele Kenianer befürchten, dass sich die Gotteskämpfer auch mit Selbstmordattentaten rächen könnten. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.10.2011, 06:51 Uhr
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11 Kommentare
Danke Kenia, dass ihr was gegen die Unterdrückung von Frauen, Männern, Homosexuellen, Nicht-Muslimen, Muslimen, sprich Islamisierung (Disclaimer: welche es politisch korrekt selbstverständlich nicht gibt), tut. Wo kann man kenianische Produkte kaufen? Antworten
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