Ausland

Korrupt, masslos, verschwenderisch

Von Johannes Dieterich. Aktualisiert am 28.10.2011 31 Kommentare

Teodoro Nguema Obiang Mangue ist von Beruf vor allem Diktatorensohn. Und er hat es jetzt übertrieben.

«Überwältigende Unverfrorenheit»: Teodoro Obiang Nguema, Präsident von Äquatorialguinea, ändert gerade die Verfassung, um seinen Sohn zum automatischen Nachfolger zu machen.

«Überwältigende Unverfrorenheit»: Teodoro Obiang Nguema, Präsident von Äquatorialguinea, ändert gerade die Verfassung, um seinen Sohn zum automatischen Nachfolger zu machen.
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Teodoro Nguema Obiang Mangue, 40-jähriger Präsidentensohn im zentralafrikanischen Ölstaat Äquatorialguinea, muss sich voraussichtlich von einigen seiner gestohlenen Millionen trennen. Die US-Justizbehörde beantragte jetzt die Beschlagnahme eines Privatflugzeugs, einer Villa im kalifornischen Prominentenort Malibu, eines Sportwagens sowie mehrerer Erinnerungsstücke an den Popstar Michael Jackson, die auf einen Gesamtwert von mehr als 70 Millionen Dollar geschätzt werden. «Damit senden wir eine laute und klare Botschaft», sagt Vizegeneralstaatsanwalt Lanny Breuer: «Die Vereinigten Staaten sind kein Versteck für unrechtmässig erworbene Reichtümer der korrupten Führer dieser Erde.»

Ungewöhnlich an dem Vorstoss der US-Behörde ist nicht allein die Tatsache, dass er den Sohn des mit 32 Jahren am längsten herrschenden afrikanischen Despoten trifft. Zudem war er noch vor wenigen Jahren von der damaligen Afrika-Chefin Condoleezza Rice als «einer unserer guten Freunde» gewürdigt worden: Heute darf sich Teodoro Nguema Obiang Mbasogo sogar Präsident der Afrikanischen Union nennen. Prekär an seiner Familie, die den Kleinstaat bereits seit seiner Unabhängigkeit vor 43 Jahren beherrscht, ist vor allem: Sie hat ihren Reichtum ausgerechnet mithilfe amerikanischer Ölgesellschaften gewonnen. Und diese könnten die Auswirkungen dieses feindlichen Akts der Supermacht durchaus zu spüren bekommen. Das jedenfalls ist bereits in der Hauptstadt Malabo zu hören.

Studentenzeit im Luxushotel

Dass die Herrscherfamilie einen Grossteil der Öleinnahmen für sich behält, ist schon seit Jahren bekannt – spätestens seit ein Untersuchungsausschuss des US-Senats 2004 herausfand, dass auf Privatkonten der Obiangs alleine bei der Riggs-Bank 700 Millionen Dollar lagern. Unterdessen leben zwei Drittel der 680'000 Äquatorialguineer unter der Armutsgrenze.

Dagegen durfte sich Teodoro junior, im Volksmund Teodorin genannt, schon früh ans Verwöhntwerden gewöhnen. Sein Vater, ein Autokrat, war durch einen Putsch und die Ermordung seines blutrünstig herrschenden Onkels an die Macht gekommen. Der erstgeborene Sohn liess sich schon sein – abgebrochenes – Studium in Kalifornien von einer US-Ölfirma finanzieren. Statt im Studentenwohnheim lebte er im Luxushotel.

Die Verfassung wird für ihn geändert

Später fing Teodorin mit dem Sammeln von Autos an. Heute besitzt er mindestens sieben Ferrari, fünf Bentley, vier Rolls-Royce, zwei Lamborghini, zwei Porsche, zwei Maybach und – sein liebstes Gefährt – einen Bugatti Veyron. Dazu kommen zwei Häuser in Kapstadt, ein Apartement in Paris mit 460 Quadratmeter und eine Luxusvilla in Malibu. Jüngst habe er eine 380 Millionen Dollar teure Hochseejacht mit eingebautem Haifischbecken in Auftrag gegeben.

Als Forst- und Landwirtschaftsminister im väterlichen Familienkabinett verdient Teodorin offiziell 6800 Dollar im Monat. Doch der Herr über die Edelhölzer des Urwaldstaats weiss aus seinem Amt gigantischen Profit zu schlagen. Seine Unverfrorenheit beim Einstreichen von Bestechungsgeldern sei «überwältigend», sagen Geschäftsleute. Zwar beschlagnahmte die Pariser Staatsanwalt schon Monate vor der US-Entscheidung elf seiner Luxusautos. Doch er wird ohnehin mehr Zeit zu Hause verbringen. Dort wird gerade die Verfassung geändert, um den designierten Vizepräsidenten zum automatischen Nachfolger zu machen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.10.2011, 19:11 Uhr

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31 Kommentare

Stefan Flüeler

28.10.2011, 23:18 Uhr
Melden 140 Empfehlung

Wie Fettaugen auf der Suppe schwimmen diese afrikanischen Despoten immer wieder obenauf. Es ist schon traurig anzusehen, wie immer wieder die grössten Idioten an die Macht kommen, und ihre eigenen Völker bis aufs Blut auspressen. Afrika wäre so ein reicher Kontinent und könnte sich sehr rasch entwickeln, wenn die Länder dort nicht dauernd von ihren eigenen Regierungen heruntergewirtschaft würden. Antworten


Siggi Hauser

28.10.2011, 19:52 Uhr
Melden 104 Empfehlung

Gut zu wissen das die Afrika-Spendengelder am richtigen Ort ankommen... Antworten



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