Mahmoud Ahmadinejad angeblich als Jude geboren

Die Familie des iranischen Präsidenten und notorischen Holocaust-Leugners änderte ihren Namen, als der Sohn vier Jahre alt war. Der britische «Telegraph» will jetzt herausgefunden haben, weshalb.

«Sabourjian ist unter Iraner Juden ein bekannter Name»: Mahmoud Ahmadinejad.

«Sabourjian ist unter Iraner Juden ein bekannter Name»: Mahmoud Ahmadinejad.
Bild: Reuters

Der Beweis?: Ein Bild der entsprechenden Pass-Seite des iranischen Präsidenten im britischen «Telegraph».

Der Beweis?: Ein Bild der entsprechenden Pass-Seite des iranischen Präsidenten im britischen «Telegraph».

Artikel zum Thema

Den Beweis hielt Mahmoud Ahmadinejad am 8. Mai 2009 in die Kameras der Fotografen. Damals besuchte der amtierende iranische Präsident das Innenministerium, um sich als Kandidat für die Wahlen registrieren zu lassen. Auf dem Dokument ist sie deutlich zu sehen: Eine Notiz, die zeigt, dass der Passinhaber mit vier Jahren seinen Namen geändert hat. Aus Mahmoud Sabourjian wurde Mahmoud Ahmadinejad.

Dieser Schriftzug, so schreiben nun zwei Autoren des britischen «Telegraph», beweise, dass der iranische Präsident jüdische Wurzeln habe. Denn Sabourjian sei ein jüdischer Name. Er stamme aus Aradan, aus Ahmadinejads Geburtsort also, und bedeute «Weber des Sabour» – Sabour sei der persische Name für das sonst als Tallit bekannte Gebetstuch der Juden.

Die Zeitung zitiert einen Londoner Judaistiker: «Sabourjian ist unter Iraner Juden ein bekannter Name.» Das Geschlecht Sabourjian, so die Autoren, erscheine gar in einem vom iranischen Innenministerium geführten Register, in dem jüdische Namen geführt werden.

Erste Vermutungen bereits im Frühling

Der heute Samstag veröffentlichte Bericht ist in Windeseile von Zeitungen rund um die Welt aufgenommen worden und hat für heftige Diskussionen gesorgt. Dass Ahmadinejad einst Sabourjan hiess, ist seit Jahren bekannt und auch bestätigt. Seine Eltern haben den Namen gewechselt, als sie mit dem vierjährigen Mahmoud aus der Provinz nach Teheran zogen. Brisant ist also die Behauptung, dieser Name sei jüdisch. Bisher hat kein anderer Judaistiker bestätigt, dass Sabourjian auf jüdische Wurzeln hinweist. Allerdings ist der Samstag ein muslimischer und ein jüdischer Feiertag – erste Stellungnahmen dürften bald publiziert werden.

Der britische «Telegraph» ist nicht das erste Medium, das entsprechende Vermutungen über die Wurzeln des iranischen Präsidenten äussert. Mehdi Khazali, Sohn eines konservativen Ayatollahs, schrieb im Frühling auf seinem Blog, er habe von Ahmadinejads jüdischer Vergangenheit gehört und verlange eine offizielle Äusserung des Präsidenten. Khazali, dessen Familie Ahmadinejad traditionell misstrauisch gegenübersteht, ist im Sommer verhaftet worden, ob im Zusammenhang mit dieser Äusserung ist nicht bekannt.

Bekannt als Holocaust-Leugner

Auch den ebenfalls britischen «Guardian» hat der Namenswechsel skeptisch gemacht. Er schickte einen Reporter während der Wahlen zu Verwandten Ahmadinejads. Diese sagten ihm damals, der Wechsel habe «eine ganze Reihe von religiösen und wirtschaftlichen Gründen» gehabt. Damit war das Thema vom Radar der internationalen Medien verschwunden.

Mahmoud Ahmadinejad hat sich bei verschiedenen Auftritten einen Namen als Holocaust-Leugner und Judenhasser gemacht. Erst vor wenigen Wochen brachte er mit einer hetzerischen Rede gegen Israel vor der Uno-Vollversammlung verschiedene europäische sowie die israelische Delegation dazu, den Raum zu verlassen. (oku)

Erstellt: 04.10.2009, 09:41 Uhr




© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten