Milliardär unter Verdacht

Von Bernhard Odehnal. Aktualisiert am 10.09.2010

Der österreichische Milliardär Martin Schlaff steht im Verdacht, illegal Parteien in Israel finanziert zu haben.

Soll Teil einer Korruptionsaffäre sein: Der öffentlichkeitsscheue Milliardär Martin Schlaff.

Soll Teil einer Korruptionsaffäre sein: Der öffentlichkeitsscheue Milliardär Martin Schlaff.
Bild: Keystone

Vor einem Monat war die Welt des Martin Schlaff noch in Ordnung. Dank bester Verbindungen, diplomatischem Geschick und vielleicht auch etwas Geld gelang dem Österreicher, woran Italiens Silvio Berlusconi und Frankreichs Nicolas Sarkozy gescheitert waren: Er erreichte in Libyen die Freilassung eines jungen Israeli und flog diesen in seinem Privatjet aus. Worauf der israelische Aussenminister Avigdor Lieberman zu Schlaff nach Wien reiste.

Keine Unterstützung aus Österreich

Heute sind beide Männer wieder in den Schlagzeilen, aus ganz anderem Grund. Die Zeitung «Haaretz» berichtet, dass Schlaff den Aufbau von Liebermans Partei durch eine Bankgarantie über eine Million Dollar finanziert habe. Auch andere Politiker von rechten und linken Parteien sollen beschenkt worden sein, so etwa die Söhne des im Koma liegenden Ariel Sharon mit 4,5 Millionen Dollar. Das «ist eine der grössten Korruptionsaffären, die wir je untersucht haben», zitiert die Zeitung einen israelischen Ermittler.

Schlaff dürfte das kaum beunruhigen. Österreich hat mit Israel kein Auslieferungsabkommen, und laut «Haaretz» bekommt die israelische Anti-Korruptions-Behörde so gut wie keine Unterstützung aus Österreich. Ärgerlich für Schlaff ist nur: Sein Name ist wieder einmal in den Medien. Dabei ist der 57-Jährige so öffentlichkeitsscheu, dass es kaum Fotos und noch weniger Interviews gibt.

Schlaff hat ein Handelsunternehmen mit internationalen Beteiligungen, sein Vermögen wird auf über zwei Milliarden Euro geschätzt. Hinter den Kulissen hat er sich ein Netzwerk aufgebaut, das die österreichische und die israelische Regierung umfasst und weit in den ehemaligen Ostblock reicht. In Bulgarien machte er Millionen an Gewinn, als er die marode Mobiltelefon-Gesellschaft erwarb und nach zwei Jahren zum doppelten Preis an die österreichische Telekom verkaufte.

Gute Kontakte im Nahost

Ein ähnliches Geschäft in Serbien scheiterte an politischem Widerstand. Für einmal hatte Schlaff seine Möglichkeiten überschätzt. Dabei kennt er sich mit Ostgeschäften wie kaum ein anderer aus. Vor 1989 lieferte er Rohstoffe und Technik in den Ostblock. Nach dem Fall der Mauer warf ihm die deutsche Regierung vor, im Osten Scheingeschäfte getätigt zu haben und konfiszierte 43 Millionen Euro. Schlaff gewann den Prozess und erhielt das Geld zurück.

Besonders gut sind seine Kontakte in Nahost: Der 2005 verstorbene Palästinenserführer Yassir Arafat ermöglichte ihm den Bau eines Casinos in Jericho (das beim Ausbruch der zweiten Intifada geschlossen wurde). Die palästinensische Regierung erhielt dafür einen in Wien registrierten Privatjet. Gleichzeitig nutzte Schlaff seine Kontakte zum damaligen israelischen Premier Ariel Sharon, um zwischen Österreich und Israel zu vermitteln.

Ein «Kanzlerfest»

Die Beziehungen der beiden Staaten lagen seit Bildung der schwarz-blauen Regierung in Wien Anfang 2000 auf Eis. Schlaff erreichte, dass Israel wieder einen Botschafter nach Österreich schickte. Der damalige konservative Bundeskanzler Wolfgang Schüssel war Schlaff dafür dankbar, auch wenn der Unternehmer den Sozialdemokraten nahesteht. Als sein Freund Alfred Gusenbauer die Regierung übernahm, bezahlte Schlaff ein «Kanzlerfest».

Seit Jahren ermittelt die israelische Polizei bereits gegen Schlaff, sein Domizil in Israel wurde mehrmals durchsucht. Eine Anklage aber blieb bislang aus. Schlaff hat alle Vorwürfe stets zurückgewiesen. Auf Reisen nach Israel verzichtet er jedoch: Als sein Vater im April starb, fehlte er am Begräbnis. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.09.2010, 09:06 Uhr

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