Ausland

100'000 Dollar für den Kopf des Regisseurs

Aktualisiert am 23.09.2012

23 Menschen starben in Pakistan bereits bei Demonstrationen gegen den Anti-Islam-Film. Ein pakistanischer Minister hat auf den Regisseur ein Kopfgeld ausgesetzt. Derweil kam es in Athen zu ersten Protesten.

1/22 Vor Gericht: In Ägypten beginnt die Verhandlung gegen den ägyptischen Kopten Albert Saber wegen Gotteslästerung. Er veröffentlichte Ausschnitte des Islam-Videos im Internet. (26. September 2012)
Bild: AFP

   

Der pakistanische Eisenbahnminister Ghulam Ahmed Bilour hat ein Kopfgeld von 100'000 Dollar auf Nakoula Basseley Nakoula ausgesetzt. (Video: Reuters)

Friedliche Proteste in Bern

Der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) hat zusammen mit anderen muslimischen Organisationen heute in Bern auf dem Helvetiaplatz eine Kundgebung organisiert.

Thema des Anlasses war die Sensibilisierung der westlichen Welt gegenüber den Muslimen im Allgemeinen. Somit war die Demonstration keine blosse Reaktion auf das umstrittene Mohammad-Video.

Das Ziel des Islamischen Zentralrats war, in der Schweiz Gesetze zu erwirken, die darauf abzielen, religiöse Gefühle besser zu schützen. Obwohl in der Schweiz Religions- und Glaubensfreiheit herrscht, bekämen die Muslime dies nicht immer zu spüren, so eine Demonstrantin. Die Schweiz sei zwar insofern tolerant, dass sie auf der Strasse nicht auf ihr Kopftuch angesprochen werde, doch «die Blicke sagen alles».

«Mord ist Mord»

Während in einigen muslimischen Ländern mit gewaltsamen Ausschreitungen auf das religionsverachtende Amateurvideo reagiert wurde, verlief die Kundgebung in Bern friedlich. «Mord ist Mord, egal welcher Religion man angehört» sagt ein junger Mann der gerade interviewt wird.

«Der Koran verbietet die Gewalt an Unschuldigen und wir verurteilen die Ausschreitungen.» Gewaltakte seien kontraproduktiv und nur ein geringer Teil der gläubigen Muslime würden sich daran beteiligen. «Wir streben ein friedliches Zusammenleben der Kulturen an», meint der Mann weiter, nur so könne Toleranz und Akzeptanz für beide Seiten entstehen.(sgl)

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Im Iran und in der Türkei hat es erneut Proteste gegen die Verunglimpfung des Propheten Mohammed gegeben. Vor der französischen Botschaft in Teheran versammelten sich rund 300 Demonstranten, wie Augenzeugen der Nachrichtenagentur AFP sagten. Sie wandten sich mit den Rufen «Tod den USA», «Tod Israel» und «Tod Frankreich» demnach gegen die Mohammed-Karikaturen im französischen Satiremagazin «Charlie Hebdo» und gegen den in den USA produzierten Film «Die Unschuld der Muslime». Die Polizei hielt die Demonstranten demnach auf Distanz zur Botschaft.

In Istanbul versammelten sich rund 500 Menschen auf dem zentralen Taksim-Platz und verbrannten dort westliche Flaggen. Auch hier rief die Menge «Tod den USA» und «Tod Frankreich». Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort, die Demonstration verlief aber friedlich. Die Beamten hatten die französische diplomatische Vertretung in Istanbul abgeschirmt, zudem befindet sich rund um den Taksim-Platz auch eine Reihe weiterer westlicher Vertretungen.

Erste Proteste in Athen

In Athen haben Muslime gegen den Anti-Mohammed- Film demonstriert. Bei den ersten Protesten gegen den Schmähfilm in der griechischen Hauptstadt kam es am Sonntag zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Die Protestierenden bewarfen die Einsatzkräfte mit Gegenständen. Drei Autos wurden beschädigt und drei Schaufenster eingeschlagen. Sechs Menschen wurden laut Polizeiangaben festgenommen. Insgesamt beteiligten sich rund 600 Menschen an der Protestaktion.

«Wir sind alle für Osama» stand auf Spruchbändern der Demonstranten, die sich damit auf Ex-Al-Kaida-Chef Osama bin Laden bezogen. Die Polizei hinderte sie daran, sich in Richtung der gut drei Kilometer entfernten US-Botschaft zu bewegen.

Mordaufruf des Eisenbahnministers

Nach heftigen Protesten gegen das islamfeindliche Schmähvideo in Pakistan hat Eisenbahnminister Ghulam Ahmad Balor ein Kopfgeld in Höhe von 100'000 Dollar auf den Filmemacher ausgesetzt. Der pakistanische Premier Raja Pervez Ashraf distanzierte sich vom Mord-Aufruf.

Balor hatte am Samstag die Kämpfer der radikalislamischen Taliban und des Terrornetzwerks Al-Qaida dazu aufgerufen, «ihre heilige Pflicht» zu erfüllen und den Produzenten des Films «Innocence of Muslims» (Unschuld der Muslime) ausfindig zu machen und zu töten. Bei Ausschreitungen am sogenannten «Tag der Liebe zum Propheten» kamen am Freitag in Pakistan über 23 Menschen ums Leben.

Proteste in Bangladesh

In Bangladesh protestierten am Sonntag islamistische Gruppen mit einem Generalstreik gegen den Film. Schulen und Geschäfte blieben geschlossen und der öffentliche Nahverkehr kam zum Erliegen. Tausende Sicherheitskräfte patrouillierten in der Hauptstadt Dhaka.

Am Samstag war es bei Protesten gegen das Video in Dhaka zu schweren Auseinandersetzungen zwischen aufgebrachten Muslimen und der Polizei gekommen. Die Demonstranten setzten mehrere Autos in Brand, darunter ein Polizeifahrzeug. Dutzende Menschen wurden festgenommen und zahlreiche weitere verletzt.

Auch im muslimisch geprägten Norden Nigerias protestierten am Samstag Tausende Menschen gegen den Film. Begonnen hatte die Demonstration in der Stadt Kano zunächst in einer Moschee. Von dort lief die stetig anwachsende Menge dann zum Palast des Emirs von Kano, dem geistlichen Führer der Muslime in der Region. Trotz wütender Parolen über den Schmähfilm blieben die Demonstranten friedlich.

Vier Tote in Libyen

In Libyen hingegen kamen nach Medienberichten vier Menschen ums Leben, als eine protestierende Menge am Samstagmorgen die Stützpunkte radikalislamischer Milizen in der Stadt Bengasi stürmte. Mindestens 70 weitere seien verletzt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur.

Die Demonstration war eine Reaktion auf den Tod des US- Botschafters in der vergangenen Woche. Dieser sowie drei weitere Amerikaner waren bei Protesten gegen den Film ums Leben gekommen. Eine der Milizen gilt als treibende Kraft hinter der Erstürmung des US-Konsulats.

Bei der Demonstration brachten einige Teilnehmer ihre Trauer um den Botschafter und seine Mitarbeiter zum Ausdruck. Sie trugen Schilder mit der Aufschrift: «Der Botschafter war Libyens Freund» und «Libyen hat einen Freund verloren».

Festnahme in Frankreich

Im französischen La Rochelle nahm die Polizei am Samstag einen Mann fest, der im Internet Morddrohungen gegen den Chefredaktor der Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» verbreitet hatte. Die Nachrichtenagentur Sipa meldete, gegen den Mann seien Ermittlungen aufgenommen worden.

«Charlie Hebdo» hatte am Mittwoch Karikaturen über den Propheten Mohammed veröffentlicht. In Frankreich wurde danach befürchtet, dass es zu Protesten ähnlich denen wie gegen den in den USA produzierten Mohammed-Schmähfilm kommen könnte. (kpn/wid/sgl/fko/sda/dapd)

Erstellt: 23.09.2012, 22:15 Uhr

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