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«Mubarak soll hängen»

Von Monica Fahmy. Aktualisiert am 03.08.2011 9 Kommentare

Die meisten Ägypter verfolgten heute morgen gespannt den inzwischen vertagten Prozess gegen Hosni Mubarak mit widersprüchlichen Gefühlen. Während einige ihm die Todesstrafe wünschen, finden andere, er gehöre nicht vor Gericht.

1/21 Der Prozess geht weiter: Der ehemalige Präsident Ägyptens Hosni Mubarak wird auf einem Schragen aus dem Gerichtsgebäude in Kairo getragen. (2. Januar 2012)
Bild: AFP

   

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Die Familie Mubarak

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Die Familie Mubarak soll über Jahrzehnte ein Milliardenvermögen angehäuft haben.

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Der Name des gefallenen ägyptischen Herrschers Hosni Mubarak hat die Ramadan-Glückwünsche etlicher Muslime beeinflusst. Um ihren ägyptischen Freunden die Laune nicht zu verderben, verzichteten einige symbolisch auf die geläufige Formulierung «Ramadan Mubarak», gesegneter Ramadan, und wünschten einander stattdessen «Ramadan kareem», glücklicher Ramadan. «Kareem ist der Name eines armen Mannes in Ägypten», scherzt ein ägyptischer Blogger. «Aber Mubarak? Ich spreche nicht über Politik.»

Seit heute Morgen ist der Name Mubaraks wieder in aller Munde. Der 83-Jährige ist der erste arabische Autokrat, der in einem arabischen Land vor Gericht steht. «Ein grosser Tag in der Geschichte der ägyptischen Revolution», postet der Schriftsteller Amr Hamzawy auf Facebook. «Ein grosser Tag für die Ägypter und die Araber, die zum ersten Mal erleben, dass ein Herrscher sich für seine Taten verantworten muss.» Ein grosser Tag, so sehen es viele Ägypter. «Ich kann es noch gar nicht glauben», sagt die 23-jährige Studentin Dina Khaled aufgeregt am Telefon zu baz.ch/Newsnet. «Er ist tatsächlich vor Gericht erschienen. Jetzt hoffe ich auf Gerechtigkeit.»

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Die Spannung, unter der Hisham Sharif steht, ist durch die Telefonleitung spürbar. Der angehende Jurist verfolgt in seiner Wohnung in Kairo jedes Wort, das am Prozess gesprochen wird, mit höchster Aufmerksamkeit. «Es muss ein fairer und für alle nachvollziehbarer Prozess sein», sagt er zu baz.ch/Newsnet. «Es darf nicht ansatzweise der Verdacht aufkommen, dass das Gericht voreingenommen ist. Sonst verlieren wir Ägypter jegliche Glaubwürdigkeit.»

Einige können es schlicht nicht glauben, dass der Mann, der jahrelang die Geschicke Ägyptens lenkte, plötzlich hinter Gittern vor Gericht steht. «Als ich zur Welt kam, war Mubarak schon an der Macht», sagt Mohammed Ali. «Ihn vor Gericht zu sehen, ist ganz einfach unglaublich, ein Schock.» Genugtuung empfindet der Strassenhändler Ahmed Rami: «Mubarak soll hängen. Wenn es geschieht, werden wir feiern», sagt er zum «Wall Street Journal». «Er kümmerte sich nicht um sein Volk.» Almasryalyoum.com zitiert den Journalisten Sharif Kouddous: «Für diesen Moment haben so viele gekämpft, sind so viele gestorben.»

Scharmützel zwischen Anhängern und Gegnern

«Wenn sie ihn erst einmal sehen, dann werden die Ägypter ihren Präsidenten nicht strafrechtlich verfolgen wollen», gab sich Abdel Razek, einer der Mubarak-Anwälte, noch vor dem Prozess gegenüber der Onlinezeitung Ahram.org.eg überzeugt. Mubarak kann in Ägypten tatsächlich noch auf Anhänger zählen – wie auf den Ingenieurstudenten Alaa Abdel Nabi, Administrator der Facebook-Seite «The Union of Mr. President Mohamed Hosni Mubarak's Fans». Als Mubarak an die Macht gekommen sei, sei das Land gerade aus einem Krieg gekommen, so Nabi. Es habe grosse Fortschritte unter Mubarak gegeben.

«In den sechs Monaten der Revolution haben wir das Land dagegen zerstört.» Er und 30'000 Unterstützer würden vor Gericht für Mubarak demonstrieren, sagte Nabi zu Ahram.org.eg. Gekommen sind dann effektiv an die 500 Mubarak-Anhänger. Vor der zum Gericht umfunktionierten Polizeiakademie lieferten sie sich Scharmützel mit der Polizei und mit geschätzten 500 Mubarak-Gegnern. Steine flogen, wüste Beschimpfungen wurden ausgetauscht.

Mitleid, Arroganz und Fernsehrechte

Hosni Mubarak wurde auf einer Krankenbahre in die Polizeiakademie gebracht, live für alle Welt sichtbar am TV. In einem Land, in dem zu Ehren der Pharaonen fantastische Grabstätten gebaut wurden, ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. «Heute habe ich zum ersten Mal Mitleid mit Mubarak empfunden», sagt Laila Salem zu baz.ch/Newsnet. «Komisch, denn ich war eine von denen, die vom 25. Januar bis zu seinem Abgang täglich am Tahrir-Platz demonstrierten.» Anders sieht es ein ägyptischer Twitterer, den Almasryalyoum.com zitiert: «Sogar auf einem Bett im Käfig schienen Mubaraks Augen voller Arroganz.»

Mit ganz anderen Gedanken plagte sich der als streitbar bekannte Jurist Nabih al-Wahesh. Er hat Premierminister Essam Sharaf und den Leiter des Rats der höchsten Richter Hossam al-Gharyani verklagt, weil sie die Übermittlung der Aufnahmen aus dem Gericht nicht verschlüsseln liessen, schreibt «The Egyptian Gazette». Ägypten erlebe eine Wirtschaftskrise und sei auf Kredite anderer Länder angewiesen, moniert al-Wahesh. «Hätte die Regierung die Übertragungsrechte am Prozess verkauft, hätte sie mindestens 10 Milliarden Pfund einnehmen können.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.08.2011, 12:51 Uhr

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9 Kommentare

Alexander Müller

03.08.2011, 14:40 Uhr
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Mich erinnert der Prozess gegen Moubarak an die Abrechnung französischer Revolutionäre mit dem ancien régime. Am Ende solch unfairer Prozesse steht dann die Quillotine oder der Galgen. Das Gericht kann sich gar keinen Freispruch leisten. Es würde ja sofort wieder Tumulte geben. Antworten


Ernst Winkler

03.08.2011, 14:56 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Es ist ein Gesetz, dass die Kinder der Revolution selbst aufgefressen werden. Die, welche morgen Mubarak hängen, hängen in einem Jahr selbst am Galgen. War immer so, wird immer so sein. In westlichen Staaten hängen sie nicht, sonder sind einfach weg vom Fenster oder werden verklagt, und enden oft im Gefängnis. Schauen wir ein einem Jahr, wer höher hängt ... Antworten



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