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Nach Marjah eine Offensive auf Kandahar
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Aus Regierungskreisen in Washington verlautete, wenn man den Aufständischen jeglichen Boden entziehen wolle, dann müsse diese Geburtsstadt der islamistischen Bewegung gestürmt werden. Insofern sei der Angriff auf Marjah in der Provinz Helmand nur ein taktisches Vorspiel gewesen.
Dort beseitigten US-Soldaten am Wochenende nach eigenen Angaben die letzten Widerstandsnester. «Im Grunde kann man sagen, dass Mardschah jetzt gesäubert ist», sagte US-Hauptmann Joshua Winfrey zwei Wochen nach Beginn der grössten alliierten Offensive seit dem Afghanistan-Einmarsch 2001.
Nach amerikanischen Militärangaben sollen mehr als 2000 US-Marineinfanteristen und etwa 1000 afghanische Soldaten noch für mehrere Monate in der Stadt bleiben, um sicherzustellen, dass die Aufständischen nicht zurückkehren. US-Truppen begannen am Sonntag bereits damit, ihre Stellungen rund um die einstige Taliban-Hochburg sowie auch im Zentrum auszubauen.
Flüchtlingsstrom aus Kandahar befürchtet
Die afghanische Regierung hatte bereits am Donnerstag offiziell die Kontrolle über Mardschah übernommen. Dies auch in Kandahar zu ermöglichen, habe für die Nato in diesem Jahr oberste Priorität, erklärte ein Gewährsmann in Washington. Der Gouverneur von Kandahar, Turjalai Wessa, bestätigte, dass Pläne für einen Angriff auf die Stadt auch bei seinem jüngsten Besuch bei der Zentralregierung in Kabul besprochen worden sei. Er habe bereits internationale Hilfsgruppen kontaktiert, damit Flüchtlinge mit Notunterkünften, Nahrungsmitteln und anderen Gütern versorgt werden könnten. Demnach wird mit bis zu 10'000 Flüchtlingen gerechnet.
Bei der Explosion einer Sprengfalle in Helmand wurden am Sonntag elf Mitglieder einer Familie in ihrem Auto getötet. Unter den Opfern sind nach Behördenangaben auch zwei Frauen und zwei Kinder. Das Fahrzeug war auf einer Strasse unterwegs, die auch von den internationalen und afghanischen Truppen benutzt wird.
In der zentralen Provinz Sabul lieferten sich afghanische und alliierte Truppen am Sonntag Gefechte mit Taliban-Kämpfern, wobei mindestens sechs Aufständische getötet wurden. In der Nacht zuvor wurden bereits acht Taliban festgenommen. Bombenanschlägen in mehreren Landesteilen fielen am Wochenende wieder mindestens drei afghanische Soldaten zum Opfer.
Steiner soll Afghanistan-Beauftragter werden
Der frühere aussenpolitische Berater von Altkanzler Gerhard Schröder, Michael Steiner, soll nach «Spiegel»-Informationen neuer Afghanistan-Beauftragter der deutschen Regierung werden. Er soll laut der Vorabmeldung vom Wochenende den jetzigen Amtsinhaber Bernd Mützelburg im Sommer ablösen. Steiner ist derzeit deutscher Botschafter in Rom.
Aussenminister Guido Westerwelle habe sich für Steiner entschieden, weil der Diplomat als durchsetzungsfähig gelte, berichtete das Magazin. Eine Ministeriumssprecherin sagte hingegen der Nachrichtenagentur DAPD, in der Sache sei noch keine Entscheidung gefallen.
Steiner hatte seinen Job als Kanzlerberater niederlegen müssen, weil er im November 2001 einen Bundeswehrangehörigen in einem Regierungsflugzeug beschimpfte und bei einem Zwischenstopp in Moskau lautstark Kaviar verlangte. Der Völkerrechtler gilt als fachlich versiert, aber im Umgang als schwierig. Sein amerikanischer Gegenpart Richard Holbrooke ist ebenfalls als Politiker mit rauen Umgangsformen bekannt. (raa/ddp)
Erstellt: 01.03.2010, 08:25 Uhr
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