Ausland
Meistgesuchter Nazi-Kriegsverbrecher aufgespürt
Nazi-Jäger skeptisch
Der französische Nazi-Jäger Serge Klarsfeld hat Zweifel geäussert, dass László Csatáry in Ungarn tatsächlich zur Rechenschaft gezogen wird. «Ich bin nicht sicher, dass es juristische Folgen haben wird mit dieser konservativen Regierung» unter Ministerpräsident Viktor Orban, sagte Klarsfeld in Paris.
Klarsfeld, der Vorsitzende der Vereinigung der Söhne und Töchter der deportierten Juden aus Frankreich, relativierte auch die Bedeutung Csatárys, der als der meistgesuchte noch lebende Nazi-Kriegsverbrecher galt. Er habe noch nie von dem Mann gehört, sagte Klarsfeld. Dass er als der meistgesuchte Nazi-Verbrecher gegolten habe, liege daran, dass «nur noch wenige heute auf der Flucht» und «alle über 90 Jahre alt» seien. «Vor 30 Jahren wäre er die Nummer 3500 auf der Liste» der meistgesuchten Nazi-Verbrecher gewesen, sagte Klarsfeld. (AFP)
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Der mutmassliche Nazi-Kriegsverbrecher László Csatáry ist nach Informationen des Simon-Wiesenthal-Zentrums aufgespürt worden. Wie das Jerusalemer Büro des Wiesenthal-Zentrums mitteilte, wurde der 97-Jährige von der britischen Boulevard-Zeitung «The Sun» in der ungarischen Hauptstadt Budapest fotografiert und gefilmt.
Csatáry steht derzeit auf der Liste der gesuchten Weltkriegs-Verbrecher des Wiesenthal-Zentrums ganz oben. Er soll als Polizeichef von Kosice im ungarisch besetzten Teil der Slowakei im Frühjahr 1944 eine wichtige Rolle bei der Deportation von 15'700 Juden ins Vernichtungslager Auschwitz gehabt haben und damit für ihren sicheren Tod mitverantwortlich sein.
25'000 Dollar für den Informanten
Die Informationen über Csatáry wurden vom Direktor des Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, Efraim Zuroff, veröffentlicht. Zuroff sagte, die «Sun» habe sich bei ihren Recherchen auf Informationen gestützt, die vom Wiesenthal-Zentrum im September 2011 herausgegeben wurden. Das Wiesenthal-Zentrum in Wien ist nach dem 2005 gestorbenen Nazi-Jäger Simon Wiesenthal benannt.
Damals habe ein Informant, dem inzwischen eine Belohnung von 25'000 Dollar gezahlt worden sei, es ermöglicht, den Aufenthaltsort Csatárys zu bestimmen. Laut «The Sun» lebt der 97-Jährige in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. «Ich habe nichts gemacht, verschwindet!», habe er zu den Reportern gesagt, bevor er die Tür zuschlug.
Neue Kampagne zur Enttarnung
Zuroff hatte im Dezember auch in Berlin eine neue Kampagne zur Enttarnung und Verurteilung noch lebender NS-Verbrecher mithilfe örtlicher Ermittlungsbehörden vorgestellt.
Das Simon-Wiesenthal-Zentrum arbeitet bei der Kampagne mit der Targum-Shlishi-Stiftung in den USA zusammen. Die Kampagne soll Ermittlungsbehörden dabei unterstützen, Kriegsverbrecher in Deutschland, Österreich, Polen, Rumänien, Ungarn, Kroatien und den baltischen Staaten zu finden.
Das Wiesenthal-Zentrum übergab seine Informationen laut Zuroff auch der Staatsanwaltschaft in Budapest. Vize-Staatsanwalt Jenö Varga konnte am Sonntag zu dem Fall keine Einzelheiten mitteilen. Er sagte lediglich, eine «Untersuchung» sei im Gange, die Staatsanwaltschaft werte die «eingegangenen Informationen aus».
Zuerst Kanada, dann Ungarn
Csatáry flüchtete nach Informationen des Zentrums nach Kanada, nachdem er 1948 in der Tschechoslowakei in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war. Er soll sich als Polizeichef im Ghetto von Kosice (ungarisch: Kassa, deutsch: Kaschau) durch besondere Grausamkeit ausgezeichnet haben.
In Kanada hatte er als Kunsthändler in Montreal und Toronto gelebt, bevor er von den dortigen Behörden enttarnt wurde und sich nach Ungarn absetzte. (fko/AFP/sda)
Erstellt: 15.07.2012, 21:18 Uhr
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