Ausland
Piraten werden jetzt auch an Land gejagt
Von Ralf Kaminski, New York. Aktualisiert am 17.12.2008 9 Kommentare
Konnte ihre Anliegen durchsetzen: Condoleezza Rice. (Bild: Keystone)
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«Black Hawk Down» als Warnung
In seinem Kriegsfilm «Black Hawk Down» hatte der Brite Ridley Scott die militärische Katastrophe verfilmt, welche den USA 1993 im Bürgerkriegsland Somalia widerfuhr. 18 US-Soldaten und mehr als 1000 Somalier kamen in den Kämpfen nach dem Abschuss eines Black-Hawk-Helikopters ums Leben. Die schrecklichen Bilder von toten US-Soldaten, die durch Mogadiscio geschleift wurden, führten dazu, dass die Unterstützung für «humanitäre» Einsätze sank.
Die US-Truppen in Somalia waren Teil der Uno-Friedensmission Unitaf/Unosom. Ihr Ziel war die Versorgung der somalischen Zivilbevölkerung, welche von einer schweren Hungersnot betroffen war. Doch stattdessen wurden die Uno-Truppen in die Kämpfe zwischen den rivalisierenden somalischen Clans verwickelt und mussten schliesslich abgezogen werden.
Die weiteren internationalen Einsätze in Somalia standen ebenfalls unter einem schlechten Stern: Die 2006 von der Uno gebilligte Friedensmission der Afrikanischen Union ist wegen fehlender Truppen und schlechten Materials zum Scheitern verurteilt. In Afrika wird debattiert, ob der Unterhalt des schwachen Kontingentes, das nur den Präsidentenpalast und den Flughafen bewacht, noch sinnvoll ist.
Rückzugsgebiet für Islamisten
Auch die äthiopische Militärintervention hat das somalische Chaos nicht beendet. Äthiopische Truppen waren Ende 2006 in Mogadiscio einmarschiert, um die islamistische Rebellion zu stoppen. Gebilligt wurde der Einmarsch von den USA, welche Somalia als Rückzugsgebiet für islamistische Terroristen betrachten. (cda)
US-Aussenministerin Condoleezza Rice hat sich durchgesetzt: In der Nacht auf Mittwoch beschloss der Uno-Sicherheitsrat ohne Gegenstimme den Kampf gegen die Piraten vor der somalischen Küste zu verstärken. Die Einsätze müssen zuvor zwar von der somalischen Übergangsregierung genehmigt werden, können dann aber auch an Land und aus der Luft weitergeführt werden. Bisher waren sie nur auf dem Meer möglich.
Rice setzte sich ausserdem vor dem Sicherheitsrat für eine Uno-Friedensmission für das vom Bürgerkrieg zerrissene Land noch vor Jahresende ein: «Die Piraterie ist nur ein Symptom der inzwischen 18-jährigen Absenz einer funktionierenden Regierung.» Die Bedingungen für einen Friedenseinsatz seien zwar ungünstig, aber das Risiko sei gross, dass Zuwarten die Lage nur noch schwieriger mache. Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon sprach sich gegen eine Friedensmission aus und plädierte dafür, stattdessen die Truppen der Afrikanischen Union finanziell zu stärken. Er warnte, Somalia könnte im Chaos versinken, wenn die äthiopische Besatzungsmacht Ende Jahr abziehe.
Die somalischen Piraten haben seit Jahresbeginn rund 100 Schiffe angegriffen und 42 gekapert, drei gerade erst diese Woche: einen indonesischen Schlepper, einen türkischen Frachter und eine Jacht mit zwei Passagieren.
Derzeit haben die Piraten knapp 300 Geiseln und über ein Dutzend Schiffe in ihrer Gewalt. Hilfsorganisationen befürchten, dass weitere militärische Aktionen die verzweifelte Lage der somalischen Bevölkerung noch verschlimmern könnten, und appellierten, den Fokus auf eine Verminderung der Gewalt im Land selbst zu legen statt auf die Bedrohung wirtschaftlicher Interessen durch die Piraten.
EU entsandte sechs Schiffe
Derzeit patrouillieren vor allem die USA, Russland, Indien und die EU in den Gewässern vor Somalia, um Piratenüberfälle zu verhindern. Die EU hat diesen Monat ihre erste Marinemission überhaupt losgeschickt, eine Flotte von sechs Schiffen. Und auch China steht offenbar kurz davor, den Kampf gegen die Piraterie zu unterstützen. Ein Vizeaussenminister sagte der Nachrichtenagentur Xinhua diese Woche, dass man dies «ernsthaft in Betracht ziehe». Es wäre der erste Einsatz von chinesischen Schiffen ausserhalb des Pazifiks. Die Chinesen dürften zusätzlich motiviert sein, da auch einige ihrer Schiffe in letzter Zeit gekapert wurden. China importiert 60 Prozent seines Erdölbedarfs aus dem Nahen Osten, der grösste Teil davon muss durch die gefährlichen Gewässer rund um Somalia.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 17.12.2008, 22:43 Uhr
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9 Kommentare
was glaubt ihr warum die "piraten" diese aktionen durchführen? seit jahrzehnten wird in afrika nichts gescheites gemacht! keine jobs , keine infrstruktur usw. zu was JEDER MENSCH fähig ist, wenn er keinen job, keine medizin, keine zufunft, kein essen usw. hat, solltet ihr mal bedenken! symptome bekämpfen ist schwach und einfach!! (ps.1 milliarde menschen haben hunger in unserer "wunderbaren welt") Antworten
alle wollen da mitmachen, keiner tut was. vielleicht will man mit Somalia gut freund sein, da dort Oel vorhanden sein koennte.Die somalischen Asylbewerber in der CH koennten doch dort eingesetzt werden, sie kennen alles bestens und wuerden dadurch dem eigenen Land und dem Asylland helfen. Wenn einer verletzt ist, dann erhaelt er ja eine IV rente von regelmaessig 7000 franken plus abfindung 1 Mio Antworten













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Ruedi Tyssenbach
Klar muss man etwas gegen die Armut in Afrika (und auch anderstorts) tun. Armut aber ist noch kein Grund ein Pirat (und Mörder) zu werden. Als nächstes sympatisiert und solidarisiert sich einer noch mit armen Drogendealern. Ein Unterschied zwischen moralischen und kriminellen Menschen ist, dass die moralischen sich nicht zu solchen Taten hinreissen lassen auch wenn es ihnen schlecht geht. Antworten