Risse in der Front gegen Ghadhafi

Neue Gefechte in den eigenen Reihen zeugen von verschärften Rivalitäten zwischen den libyschen Aufständischen. Spekuliert wird zudem, welche Rolle der ermordete Militärchef Junes tatsächlich hatte.

Nicht immer einer Meinung: Libysche Rebellen in der Nähe der Stadt Nalut. (29. Juli 2011)

Nicht immer einer Meinung: Libysche Rebellen in der Nähe der Stadt Nalut. (29. Juli 2011) Bild: Keystone

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In den Reihen der libyschen Rebellen haben sich heute erneut Risse gezeigt. Nach der Tötung des Militärchefs der Rebellen Ende Woche wurden am Morgen nahe der Stadt Benghazi vier Kämpfer der Aufständischen bei internen Gefechten getötet.

Sechs weitere Menschen seien verletzt, teilte der Nationale Übergangsrat in Benghazi mit. Demnach griffen die Truppen der Aufständischen in der Nacht Kämpfer einer Splittergruppe in einer Kaserne am Stadtrand an. Das Gefecht habe fünf Stunden gedauert, hiess es. Die Kaserne stehe inzwischen wieder unter Kontrolle des Rates.

Am Donnerstag waren der Rebellen-Militärchef Abdel Fattah Junes und seine beiden Leibwächter getötet worden. Der Übergangsrat wies am Samstag Berichte zurück, wonach Junes als Verräter betrachtet und deswegen getötet worden sei.

Junes sollte verhaftet werden

Rebellenführer Mustafa Abdul Jalil sagte aber, Junes sei nach Beschwerden über die Führung der Oppositionsstreitkräfte festgenommen worden. Als er an einen sicheren Ort gebracht werden sollte, sei er getötet worden, sagte Jalil. Der Übergangsrat machte Milizen aus den eigenen Reihen für die Tat verantwortlich.

Junes war kurz nach dem Beginn des Aufstandes im Februar übergelaufen. Davor hatte er seit der Machtergreifung von Muammar al-Ghadhafi 1969 zu dessen Führungszirkel gehört. Zuletzt hatte Junes Ghadhafi als Innenminister gedient.

Rückschlag für Rebellen

Beobachter werteten dessen Tod als Rückschlag für das internationale Vertrauen in die Rebellenbewegung. «Ob Paris, London oder Washington - sie sind wahrscheinlich extrem beunruhigt über diese Wendung», sagte der Libyen-Experte Fawaz Gerges von der «London School of Economics» der Nachrichtenagentur AP. «Sie zählen darauf, dass die Rebellen ihre Angelegenheiten in Ordnung bringen.»

In Tripolis streute am Sonntag die dortige Führung Salz in die Wunde: Vize-Aussenminister Chaled Kaaim erklärte, seine Regierung stehe in Kontakt mit mehreren Exponenten der Gegenregierung. Namentlich nannte Kaaim die Nummer zwei des Übergangsrates, den für Auswärtsbeziehungen zuständigen Ali Essawi, und den religiösen Führer Ali Sallabi. Zugleich wies Kaaim Gerüchte über Kontakte zum getöteten Junes zurück. Die Rebellen dementierten bislang stets direkte Gespräche mit der Ghadhafi-Regierung.

Deutschland weist leitenden Diplomaten aus

Deutschland verwies den leitenden Diplomaten der libyschen Botschaft in Berlin des Landes. Botschaftsrat Hisham al-Sharif sei zur unerwünschten Person erklärt und am Freitag ausgewiesen worden, sagte eine Sprecherin des Aussenministeriums. Sie bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins «Focus».

Gemäss «Focus» war Al-Sharif erst am 22. Juli durch die Ghadhafi-Regierung zum bevollmächtigten Geschäftsträger des libyschen Volksbüros in Berlin ernannt worden. Der bisherige Botschafter hatte zuvor die Seiten gewechselt. Deutschland hatte bereits im Juni die Gegenregierung als legitime Vertreter des libyschen Volkes anerkannt.

Vergangene Woche hatte Grossbritannien ebenfalls den Übergangsrat als einzigen Ansprechpartner anerkannt. Das gesamte Personal der libyschen Botschaft in London wurde ausgewiesen. In der Schweiz hatten sich die Vertreter Libyens, darunter der libysche UNO-Botschafter in Genf, bereits im März vom Ghadhafi-Regime abgewandt. Die Schweiz betrachtet Ghadhafi ebenfalls seit längerem nicht mehr als Ansprechpartner. (miw/sda)

Erstellt: 31.07.2011, 22:39 Uhr

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