Ausland

Saudisches Gericht kippt Todesurteil gegen Dichter

Aktualisiert am 03.02.2016

Der palästinensische Künstler Ashraf Fayadh wird in Saudiarabien doch nicht hingerichtet. Acht Jahre Haft und 800 Peitschenhiebe bleiben ihm aber nicht erspart.

Muss sich öffentlich entschuldigen: Lyriker Ashraf Fayadh. Foto: PD

Muss sich öffentlich entschuldigen: Lyriker Ashraf Fayadh. Foto: PD

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Ein Gericht in Saudiarabien hat ein Todesurteil gegen einen palästinensischen Dichter gekippt. Das Urteil gegen Ashraf Fayadh wegen «Abwendung vom Glauben» ist am Dienstag laut dessen Anwalt in eine achtjährige Haftstrafe umgewandelt worden.

Der Lyriker wurde allerdings auch zu 800 Peitschenhieben verurteilt und muss in staatlichen Medien einen formellen Widerruf veröffentlichen, wie Anwalt Rahman al-Lahim mitteilte.

Ashraf Fayadh war im Jahr 2014 zunächst zu vier Jahren Gefängnis und 800 Peitschenhieben verurteilt worden. Im November 2015 hatte ein Berufungsgericht dann die Todesstrafe verhängt.

Blasphemische Äusserungen vorgeworfen

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch waren dem Dichter blasphemische Äusserungen bei einer Diskussionsveranstaltung in einem Café sowie in einem vor zehn Jahren erschienenen Gedichtband vorgeworfen worden.

Saudiarabien gehört nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen zu den Ländern mit den meisten Hinrichtungen weltweit. Allein 2015 wurden nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP 153 Todesurteile vollstreckt. Im Vorjahr waren es noch 84 Exekutionen gewesen. Die meisten Todeskandidaten werden öffentlich enthauptet.

Verurteilung wegen Twitter-Botschaften

Ein Gericht in Saudiarabien hat derweil einen Mann zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er über Twitter zur Befreiung von wegen Terrorvorwürfen inhaftierten Gefangenen aufgerufen haben soll. Der Angeklagte soll zudem an einer Demonstration vor dem Haus eines Gefangenen teilgenommen und dabei dessen Freilassung gefordert haben, wie die saudiarabische Zeitung «Okas» am Dienstag berichtete.

Der Mann habe mehrere Twitter-Konten benutzt, um zu Demonstrationen aufzurufen, begründete das auf Terrorismusverfahren spezialisierte Gericht dem Bericht zufolge seinen Urteilsspruch. Im Zuge des Chaos, das aus den Demonstrationen entstanden sei, habe der Angeklagte dann die Gefangenen befreien wollen.

Anschläge auf das Königreich

dasselbe Gericht hatte der Zeitung zufolge in einem anderen Fall einen Mann zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt, weil er eine Fahne der schiitischen Hisbollah-Miliz aus dem Libanon besessen hatte. Er wurde als «Unterstützer der Hizbollah» verurteilt, deren Mitglieder in Saudiarabien auf einer schwarzen Liste stehen.

Saudiarabien sieht sich zunehmend als Ziel von Anschlägen von Jihadisten. Die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verübte bereits mehrere Anschläge auf die schiitische Minderheit und Sicherheitskräfte des erzkonservativen Königreichs. Twitter ist in Saudiarabien ein weit verbreitetes Kommunikationsmittel. (chk/sda)

Erstellt: 03.02.2016, 04:02 Uhr