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Sie gibt Opfern des Schauprozesses ein Gesicht

Ihre Liebe für die iranische Kultur hat sie in grosse Schwierigkeiten gebracht: Der jungen Französin Clotilde Reiss wird in Teheran der Prozess gemacht.

Schauprozess in Teheran: Clotilde Reiss legte vor Gericht angeblich ein Geständnis ab.

Schauprozess in Teheran: Clotilde Reiss legte vor Gericht angeblich ein Geständnis ab.
Bild: Reuters

Trotz internationaler Proteste sind mehrere Europäer in Teheran vor Gericht gestellt worden. Laut iranischen Medien sind sie angeklagt, Proteste nach der Wiederwahl von Präsident Mahmoud Ahmadinejad geschürt zu haben. Als Spione sollen sie sich an einer westlichen Verschwörung beteiligt haben, deren Ziel der Sturz der islamischen Regierung sei, heisst es weiter in der Anklage. Im Zusammenhang mit den Protesten gegen die umstrittene Präsidentenwahl müssen sich auch rund hundert einheimische Demonstranten sowie Anhänger des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mir Hussein Moussavi vor Gericht verantworten. Den Angeklagten drohen langjährige Gefängnisstrafen, schlimmstenfalls sogar die Todesstrafe.

Fotos von Demonstrationen gemacht

Für den Westen ist klar: Hier handelt es sich um einen Schauprozess des iranischen Regimes. Für das Schicksal der Angeklagten steht eine Französin, deren Foto in diesen Tagen um die Welt gegangen ist. Das Foto zeigt die 24-jährige Clotilde Reiss, schwarz gekleidet und mit Kopftuch, vor den Schranken des Gerichts.

Reiss wurde am 1. Juli auf dem Flughafen von Teheran festgenommen und in ein Gefängnis gesteckt. Der Französin wird Spionage vorgeworfen, unter anderem, weil sie mit ihrem Handy Fotos von den Demonstrationen machte. Angeblich soll sie die Bilder einem ausländischen Korrespondenten geschickt haben. Vor ihrer Festnahme hatte die junge Frau als Französisch-Lehrerin an der Technischen Universität von Isfahan gearbeitet.

Grosses Interesse für Persien und Iran

Laut ihrem Vater Rémi Reiss ist sie nicht politisch engagiert und schon gar nicht politisch militant, wie es in Medienberichten heisst. Kulturelle Interessen hätten Clotilde Reiss in den Iran geführt. Sie möge die persische respektive iranische Kultur, und sie habe mit ihrem Aufenthalt in Isfahan den Iran besser kennen lernen wollen.

Laut Medienberichten ist die junge Frau schon seit ihrer Kindheit mit der Kultur des Irans vertraut. Die in Paris beheimatete Familie hatte eine iranische Kinderfrau; bereits als Kind lernte Clotilde Reiss die persische Sprache. Später studierte sie in Lille Politikwissenschaften, ihre Abschlussarbeit verfasste sie über das iranische Bildungssystem und Schulbücher seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979. Anfang Juli wollte die Französin ausreisen, weil es Probleme mit dem Arbeitsvisum für ihre Tätigkeit an der Universität in Isfahan gegeben hatte.

Kouchner: «Sie hat nichts gemacht»

Im Spionageprozess in Teheran hat Clotilde Reiss ein Geständnis abgelegt - ein Geständnis, das laut Beobachtern erzwungen wurde. Laut Medienberichten sagte sie, dass es ein Fehler gewesen sei, an den Demonstrationen teilzunehmen. Zudem habe sie sich entschuldigt. Der französische Aussenminister Bernard Kouchner hat inzwischen in einem Interview mit der Zeitung «Le Parisien» seinen Unmut über die inszenierte Gerichtsverhandlung im Iran zum Ausdruck gebracht. «Sie hat nichts gemacht, was für eine Verurteilung reichen würde», sagte Kouchner. Und er forderte die sofortige Freilassung von Reiss.

Nach internationalem Protest gegen die Gerichtsverhandlung wies der Iran erneut eine «Einmischung» in seine inneren Angelegenheiten zurück. Der Prozess verlaufe im Einklang mit «internationalem Recht», die Reaktionen des Westen seien «illegal und verwunderlich», sagte ein Sprecher des Aussenministeriums gemäss einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Irna. (vin)

Erstellt: 11.08.2009, 06:33 Uhr

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1 Kommentar

Karl Meierhans

11.08.2009, 12:11 Uhr
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Die iranische Regierung ist ja nicht erst seit der verpatzten Wahl bereit auch mal einen Unschuldigen zu verhaften um mit einem kleinen Schauprozess das eigene Volk zu beruhigen... Es ist schade, dass das passiert aber wirkliches Mitleid für diese Französin mag in mir nicht so recht aufkommen, genausowenig wie für Touristen die in irgendwelchen Krisenregionen herumreisen und dann entführt werden. Antworten



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