Ausland

Syrische Truppen greifen Wohngebiete an

Aktualisiert am 19.07.2012 49 Kommentare

Wo sich der syrische Präsident Bashar al-Assad aufhält, ist unklar. Laut Vertretern der Opposition bereitet er in Damaskus den Gegenschlag vor. Von dort werden derweil neue Gefechte gemeldet.

1/14 Vom Himmel geholt: Dieses Bild eines Bewohners in Damaskus soll einen brennenden Helikopter der Regierung zeigen. (27. August 2012)
Bild: Reuters

   

Der Anschlag auf die syrische Führung

Am Mittwoch explodierte in Syriens Hauptstadt Damaskus in einem Regierungsgebäude eine Bombe. Der Anschlag zielte offensichtlich auf hochrangige Vertreter der syrischen Führung.

Die Getöteten:

  • Verteidigungsminister Daud Rajha

  • Vize-Verteidigungsminister Asef Shawkat, Assads Schwager

  • Der ehemalige Verteidungsminister und aktueller Leiter der Krisenbewältigungsabteilung Hassan Turkmani

Verletzt wurde zudem Innenminister Mohammed Shaar. Der neue Verteidigungsminister heisst Fahad Jasim al-Freij. (mw)

«Assad verliert die Kontrolle»: Ein Sprecher des Weissen Hauses äusserte sich in Washington zum Anschlag auf die syrische Führung: «Russland und anderen möchte ich sagen: Wenn ihr euch mit Assad verbündet, werdet ihr auf der falschen Seite der Geschichte sehen.» (Video: Reuters )

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Die syrischen Regierungstruppen haben am Morgen nach dem tödlichen Anschlag auf engste Mitarbeiter des Präsidenten Baschar Assad ihre Angriffe auf die Opposition fortgesetzt. Nach Angaben von Aktivisten flüchteten Menschen aus dem Wohngebiet Messe bei Damaskus, wo es zu heftigen Kämpfen kam. Rebellen hätten dabei einen Helikopter beschädigt und drei Militärfahrzeuge zerstört, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Auch aus anderen Gebieten im Umkreis der Hauptstadt seien neue Gefechte gemeldet worden. Auch in Homs wird gekämpft.

Wo Assad sich derzeit aufhält ist unklar. Aus gut unterrichteten Quellen aus Oppositionskreisen heisst es, Assad befinde sich noch in Damaskus und organisiere die militärische Antwort des Regimes auf die Tötung dreier hochrangiger Regierungsbeamter. Zuvor hatte es geheissen, Assad würde sich in der Küstenstadt Latakia aufhalten. Es sei aber unklar, ob Assad bereits vor dem Anschlag nach Latakia gereist sei oder erst nachher.

Seit dem Attentat, bei dem ein Schwager Assads, der Verteidigungsminister und ein General getötet worden sind, ist der Staatschef nicht öffentlich aufgetreten. Syrische Aktivisten berichteten gestern, das Flugzeug von Assad sei vom Flughafen Messe in Damaskus aus gestartet.

Nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind gestern in Syrien mehr als 200 Menschen getötet worden. Darunter seien mindestens 124 Zivilisten, teilt die Aktivistengruppe mit. Für die Hauptstadt Damaskus, die seit fünf Tagen von heftigen Kämpfen erschüttert wird, gab die Beobachtungsstelle die Zahl der Toten mit 38 an.

Truppen werden zusammengezogen

Ein Sprecher der Freien Syrischen Armee (FSA) sagte laut der Nachrichtenagentur Reuters, die Rebellen würden die Angriffe innerhalb von Damaskus verstärken und vor allem militärische Einrichtungen attackieren. «Es gibt kein Zurück. Der Kampf um Damaskus hat Priorität für uns. Wir haben die Operation zur Befreiung von Damaskus begonnen.» Mit diesen Worten zitiert Reuters den Rebellensprecher Qassem Saadeddine.

Weiter zitiert Reuters Berichte von Rebellen, sie hätten Kämpfer aus den Städten Idlib, Raqqa, Hama und Homs nach Damaskus verschoben. Auch das syrische Regime lässt laut israelischen Angaben Truppen zusammenziehen. Sie sollen die in den Golanhöhen an der Grenze zu Israel stationierten Einheiten abgezogen haben.

UNO fordert Waffenstillstand

Der britische Premierminister David Cameron hat den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad angesichts der eskalierenden Gewalt zum Rücktritt aufgerufen. Für Assad sei nun die Zeit gekommen, «zu gehen» und den Übergang einzuleiten, sagte er in Kabul.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hat den Selbstmordanschlag auf Vertreter der syrischen Führung in der Hauptstadt Damaskus «entschieden» verurteilt. Ein Sprecher erklärte, das Attentat, bei dem drei ranghohe Vertreter des Landes getötet wurden, zeige «die unbedingte Notwendigkeit» eines Waffenstillstands in Syrien. Zugleich zeigte sich Ban «sehr besorgt» über den Einsatz schwerer Waffen in Damaskus durch die syrische Armee.

Im UNO-Sicherheitsrat soll heute über einen neuen Resolutionsentwurf zum Syrien-Konflikt abgestimmt werden. Der von Grossbritannien, den USA, Frankreich, Deutschland und Portugal eingebrachte Vorschlag sieht neue Zwangsmassnahmen vor, sollte sich die syrische Führung nicht an den Friedensplan des Sondergesandten Kofi Annan halten. Russland will die Annahme der Resolution notfalls mit seinem Veto verhindern. Nach einem Telefonat zwischen dem russischen Staatschef Wladimir Putin und dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama verwies der Kreml darauf, dass es weiterhin «Differenzen» zwischen den Regierungen in Washington und Moskau gebe. Die Verlängerung des Mandats der rund 300 unbewaffneten UNO-Beobachter in Syrien, deren Mandat am Freitag ausläuft, unterstützt Russland.

Syrische Botschaft in Kairo gestürmt

Mehrere Hundert Anhänger der syrischen Opposition haben gestern Abend versucht, die Botschaft ihres Heimatlandes in der ägyptischen Hauptstadt Kairo zu stürmen und die grüngestreifte Fahne der Aufständischen zu hissen. Die Sicherheitskräfte feuerten Tränengas in die Menge und drängten die Demonstranten zurück.

Bei den Auseinandersetzungen seien 14 Menschen festgenommen worden, sagte ein Vertreter der Sicherheitsbehörden. Kairo ist die Heimatstadt von zahlreichen syrischen Oppositionellen. Im Januar hatte eine Gruppe die syrische Botschaft gestürmt und ein Bild von Präsident Assad zerstört. (bru/mw/sda/AFP/dapd)

Erstellt: 19.07.2012, 08:53 Uhr

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49 Kommentare

Roman Huber

19.07.2012, 09:06 Uhr
Melden 129 Empfehlung 0

Man stelle sich einmal vor, ein alewitischer "Terrorist" sprengt den Chef der CIA und ein Stabschef der US-Armee in die Luft. Doomsday. Nicht das ich den Toten nachtrauern würde, aber ich wüsste nicht wie man unsere Bigotterie noch weiter steigern könnte. Antworten


fritz kolb

19.07.2012, 11:39 Uhr
Melden 103 Empfehlung 0

sobald assad weg ist, wird auch da der "frühling" mit all seinen dunklen seiten hervortreten. es stellt sich einfach immer wieder die frage, was ist oder war besser für das volk. aber es scheint, dass sich das volk auch in syrien die scharia wünscht. Antworten



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