Ausland
USA versuchen Israel von Militärschlag abzuhalten
Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 02.02.2012 128 Kommentare
Bildstrecke
Dossiers
Artikel zum Thema
- Eiertanz um das iranische Atomprogramm
- «Was ist denn, wenn es passiert?»
- Schwierige Mission für Atom-Inspektoren
- Iran kündigt Zugang zu Parchin an
- Zeichnung soll Atomwaffenbau im Iran beweisen
- IAEA-Inspektor stirbt im Iran
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
In der Regierung Obama macht sich zusehends Nervosität über die Möglichkeit eines israelischen Luftschlags gegen die iranischen Atomanlagen breit. Insider berichten, dass Verteidigungsminister Leon Panetta einen israelischen Alleingang mit teils verheerenden Folgen bereits im kommenden Frühjahr befürchtet.
Spekulationen, wonach Israel einen Angriff auf die iranischen Anlagen plant, wurden weiter angeheizt durch einen geheimen Besuch von Mossad-Chef Tamir Pardo in der vergangenen Woche in Washington, wo Pardo sowohl mit CIA-Direktor David Petraeus als auch mit der demokratischen Senatorin Diane Feinstein zusammentraf. Feinstein sitzt dem nachrichtendienstlichen Ausschuss des Senats vor.
Kurzes Zeitfenster für Angriff
Washingtoner Quellen zu Folge glauben der israelische Premier Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Ehud Barak, dass nur noch ein befristeter Zeitraum existiere, um Teherans Atomprogramm durch einen Angriff um Jahre zurückzuwerfen. Die Obama-Administration ist hingegen der Ansicht, es sollte zugewartet werden, bis verschärfte Sanktionen gegen Teheran greifen. Vor dem nachrichtendienstlichen Ausschuss des Senats bestätigte Obamas Geheimdienst-Koordinator James Clapper am Dienstag, dass Teheran technisch in der Lage sei, eine Atombombe zu bauen. Die Regierung Obama, so Clapper weiter, sei jedoch «nicht der Meinung, dass die Entscheidung dafür gefallen ist».
Dennoch fürchtet das Weisse Haus, Israel werde angreifen, ohne Washington zuvor zu informieren. Dem Vernehmen nach hat die Obama-Administration die israelische Regierung mehrfach unterrichtet, dass Israel in diesem Fall nicht auf amerikanische Hilfe zählen könne. Schon am 12. Januar hatte Präsident Obama in einem Telefonat mit Premierminister Netanyahu vor einem israelischen Angriff gewarnt. Nur eine Woche später entsandte das Weisse Haus überraschend den Chef des US-Generalstabs, General Martin Dempsey, nach Tel Aviv.
Aus dem Umkreis des amerikanischen Generalstabs verlautet dazu, Dempsey habe seine israelischen Gesprächpartner informiert, dass sich die USA nicht an einem militärischen Vorgehen gegen Teheran beteiligen würden. Auf die amerikanische Reaktion auf einen israelischen Angriff angesprochen, hatte Pentagon-Chef Panetta bereits am 8. Januar in einem Fernsehinterview gesagt, die USA müssten «in diesem Fall darauf vorbereitet sein, ihre Streitkräfte zu schützen». Panetta bezeichnete dies als das amerikanische Hauptanliegen, von einer Unterstützung Israels war keine Rede.
Mögliche Vergeltung gegen die USA
Die Regierung Obama will nicht ausschliessen, dass ein israelischer Angriff iranische Attacken auf US-Kriegsschiffe in der Region sowie Anschläge auf amerikanische Einrichtungen nach sich ziehen könnte. Insbesondere glaubt Washington, dass die US-Botschaft in Bagdad gefährdet wäre. Darüber hinaus glaubt das Weisse Haus, Teheran könnte tatsächlich versuchen, die Strasse von Hormus zu schliessen. Ein starker Anstieg der Rohölpreises im Gefolge einer militärischen Auseinandersetzung hätte negative Konsequenzen für die globale Konjunktur, was wiederum die Siegeschancen Präsident Obamas bei den US-Präsidentschaftswahlen im November stark mindern würde.
Die amerikanische Besorgnis über einen israelischen Angriff auf die iranischen Atomanlagen war zudem gewachsen, nachdem Israel das für April geplante gemeinsame Militärmanöver «Austere Challenge’12» einseitig abgesagt hatte. Im Pentagon wurde daraufhin vermutet, die israelischen Streitkräfte wollten in Erwartung eines Schlags gegen den Iran keine Einheiten für das Manöver abstellen – dies um so mehr, als «Austere Challenge’12» die Abwehr von Raketenangriffen auf Israel proben sollte. Kurz vor dem Besuch von General Dempsey in Israel hatte Verteidigungsminister Ehud Barak überdies betont, die Verantwortung für Israels Sicherheit könne «für niemanden, auch nicht für unsere amerikanischen Freunde, aufgegeben werden». (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.02.2012, 22:34 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
128 Kommentare
Es ist zu hoffen, dass dieser Militärschlag nicht stattfindet + dass die USA ihren Einfluss durchsetzen + Israel in die Schranken weisen.Allerdings ist das ganze westliche Vorgehen bezüglich Iran mehr als fragwürdig.Zu oft wurde die Weltöffentlichkeit schon angelogen in bezug auf Atomwaffen von Staaten,die dann militärisch angegriffen wurden.Im Nachhinein stellte sich heraus, das es nicht stimmte! Antworten
Das ist reine Propaganda. Es ist gar nicht möglich, dass Israel ohne Wissen und Einverständnis der U.S.A. einen Angriff auf den Iran startet. Wollten die U.S.A. die Israelis wirklich stoppen, könnten sie einfach deren Flugzeuge abschiessen - oder den Iran anrufen, wenn es soweit ist. Alles andere ist Theater für die Öffentlickeit um seine Hände in Unschuld waschen zu können. Antworten


Bitte warten



