Ausland
US-Diplomat ist eigentlich Geheimagent
Artikel zum Thema
- Der US-Diplomat, der Pakistan ins Wanken bringt
- «Es war eindeutig Mord»
- Ein Mordfall mit diplomatischen Folgen
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Der US-Diplomat Raymond Davis, welcher Ende Januar im ostpakistanischen Lahore zwei Motorradfahrer erschoss, steht laut der «New York Times» auf der Gehaltliste der CIA. Bereits vor rund zehn Tagen äusserte die pakistanische Armee gegenüber dem Nachrichtenmagazin «Time» einen ersten Verdacht in diese Richtung. Davis Umgang mit Schusswaffen sei für einen gewöhnlichen Botschaftsangestellten zu souverän gewesen.
Unter der steigenden Spannung, welche der Vorfall zwischen Islamabad und Washington auslöste, sahen sich die USA nun gezwungen, die Karten offen auf den Tisch zu legen. Gestern bestätigten offizielle Stellen gegenüber den US-Medien, dass Raymond Davis tatsächlich beim Geheimdienst angestellt sei.
Ein ehemaliger Söldner
Gemäss der englischen Zeitung «The Guardian» war Davis als Sicherheitsoffizier bei der CIA eingeteilt. Als solcher sei sein Auftrag gewesen, Agenten in Pakistan während deren Kontaktaufnahmen mit Informanten zu beschützen.
Noch heikler als die Verwicklung des 36-Jährigen in den Geheimdienst dürfte sich für das Verhältnis zwischen Pakistan und den USA aber die Tatsache herausstellen, dass Raymond Davis eine Vergangenheit als Söldner hat, so «The Guardian» weiter. Als solcher war der Ex-Soldat bei der Sicherheitsfirma Xe, ehemals Blackwater, angestellt gewesen. Die berüchtigten Blackwater-Söldner haben vor allem in Pakistan einen sehr schlechten Ruf, zumal sie als schiesswütig gelten.
USA pochen auf diplomatische Immunität
Davis sitzt seit seiner Tat in Lahore im Gefängnis. Seine Aussage, er habe aus Notwehr gehandelt, hielt den Untersuchungen der Polizei in Lahore jedoch nicht stand. Gegen ihn wird mittlerweile wegen Mordes ermittelt. Der Amerikaner gab zu Protokoll, die zwei bewaffneten Opfer hätten ihn stundenlang mit den Motorrädern verfolgt. Schliesslich habe er aus Selbstschutz handeln müssen. Laut «New York Times» wurden bei den Waffen der Toten auf den Abzügen keine Fingerabdrücke gefunden.
Die USA pochen derweilen weiterhin auf die diplomatische Immunität von Raymond Davis und fordern seine sofortige Freilassung.
Erstellt: 22.02.2011, 11:07 Uhr





