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Verhinderter Attentäter war bis Dezember in Jemen

Aktualisiert am 28.12.2009

Die Spuren des vereitelten Anschlags auf einen US-Passagierjet führen in den Jemen. Er weilte bis Anfang Dezember in einem Terrorcamp.

Endlose Steinwüsten und eine überforderte Regierung: Der Jemen eignet sich ausgezeichnet zur Ausbildung von Terroristen.

Endlose Steinwüsten und eine überforderte Regierung: Der Jemen eignet sich ausgezeichnet zur Ausbildung von Terroristen.
Bild: Keystone

Zumindest behauptete der verhinderte Attentäter, die Al-Kaida im Jemen habe ihn ausgebildet und mit dem Sprengsatz für die Tat am ersten Weihnachtstag ausgerüstet. Umar Farouk Abdulmutallab sei von August bis Anfang Dezember im Land gewesen, erklärte das Aussenministerium am Montag. Der Nigerianer habe ein Visum erhalten, um an einer Schule in Sanaa Arabisch zu lernen. Bereits zuvor habe er an dieser Schule Unterricht genommen.

Die Behörden prüften nun, zu welchen Personen er während seines Aufenthalts im Jemen Kontakt hatte. Das Ergebnis der Ermittlungen werde den US-Behörden übermittelt. Das Ministerium verwies darauf, dass der Nigerianer Visa von «einer Reihe freundlicher Staaten» habe vorweisen können, darunter von den USA.

Das Armenhaus der arabischen Welt gerät plötzlich in den Brennpunkt der internationalen Aufmerksamkeit. Reift hier eine neue Front im sogenannten «Krieg gegen den Terror» heran?

Der Jemen bietet mit seinen unzugänglichen Gebirgen und Steinwüsten, mit seinen Stämmen und Clans, die archaischen Ehrengesetzen gehorchen, ein ideales Terrain für Terrorcamps weit ab vom Schuss. Korrupte und von Islamisten unterwanderte Behörden kontrollieren kaum mehr als die Hauptstadt Sanaa.

Die jemenitische Regierung ist mit der bewaffneten Revolte der schiitischen Houthi-Rebellen im Nordwesten des Landes und mit einer anschwellenden Sezessionsbewegung im vormals sozialistischen Süden ohnehin überfordert. Hinzu kommen die zur Neige gehenden Öl- und Wasservorräte, die Armut und das Fehlen moderner Infrastruktur.

Wie die Köpfe der Hydra

Der Vater von Osama bin Laden war aus dem jemenitischen Hadramaut ausgezogen und hatte es in Saudiarabien als Bauunternehmer zum Milliardär gebracht. Osama bin Laden selber nutzte den Jemen schon in den 1990er-Jahren als Rückzugsgebiet, viele seiner Kämpfer stammten von dort.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 begann der jemenitische Langzeit-Präsident Ali Abdullah Salih, mit den Amerikanern zu kooperieren. Um 2003 war der jemenitische Al-Kaida- Ableger so gut wie zerschlagen.

Doch dieser Organisation wachsen die abgeschlagenen Köpfe offensichtlich nach wie der antiken Hydra, wenn die Grundprobleme ungelöst bleiben: Armut, Ungerechtigkeit, Korruption.

Enger Kontakt zu Bin Laden

Im Februar 2006 gelang 23 Häftlingen im Hochsicherheitsgefängnis von Sanaa die Flucht. Unter den Top-Terroristen, die damals entkamen, war jener Nasser al-Wahaischi, der heute die Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel anführt. Diese entstand im Januar aus der Vereinigung der jemenitischen mit der saudischen Al-Kaida.

Al-Wahaischi soll nach Ansicht von Experten auch heute noch mit Osama bin Laden in Kontakt stehen. Früher war er dessen Sekretär in Afghanistan und kämpfte in jener denkwürdigen Schlacht um die Bergfestung Tora Bora in Afghanistan an seiner Seite, bei der Bin Laden den US-Truppen entwischte.

Im Jemen fand auch der fanatische US-stämmige Prediger Anwar al- Awlaki eine Zuflucht. Er soll mit dem US-Major Nidal Malik Hasan einen regen E-Mail-Verkehr gehabt haben, der im November in der texanischen Militärbasis Fort Hood 13 Soldaten erschoss. Auch mit Abdulmutallab soll Al-Awlaki kommuniziert haben.

Anführer bei Bombardement getötet?

Von einer «zweiten Inkarnation der Al-Kaida im Jemen» spricht der amerikanische Landeskenner Gregory Johnsen. Al-Wahaischi habe nach seiner Flucht eine «ziemlich kräftige Organisation» aufgebaut. Anderen Experten zufolge hat diese neue Al-Kaida rund 100 innere Kader, die meisten zwischen 20 und 40 Jahre alt.

Am 17. und 24. Dezember bombardierte das jemenitische Militär vermutete Al-Kaida-Stellungen und will dabei über 60 Terroristen getötet haben, darunter Al-Wahaischi.

Die Regierung in Sanaa gibt es nicht zu, doch könnte das US- Militär dabei mehr als bloss eine helfende Hand gereicht haben: Die «New York Times» berichtete, die USA hätten bereits in aller Stille eine verdeckte Operation gegen Al-Kaida im Jemen eröffnet und seine Militärhilfe verdoppelt. (tan/sda)

Erstellt: 28.12.2009, 23:54 Uhr

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