Wie die Hamas Opferzahlen manipuliert

Als PR-Instrument gegen Israel übertreiben die Islamisten den Anteil der toten Zivilisten. Agenturmaterial, das aus Gaza kommt, wird zudem häufig von der Hamas zensiert.

Hamas – vital und kämpferisch. Bilder von toten Kämpfern sind tabu. Lieber lässt sich die Terrororganisation von ihren jugendlichen Anhängern feiern.

Hamas – vital und kämpferisch. Bilder von toten Kämpfern sind tabu. Lieber lässt sich die Terrororganisation von ihren jugendlichen Anhängern feiern. Bild: Keystone

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Im Krieg gegen Israel setzt die radikal-­islamische Hamas nicht nur Raketen und Terrortunnel ein, sondern auch Propagandamittel. Die Mehrheit der Todesopfer seien Zivilisten, Frauen und Kinder, behauptet sie zum Beispiel. Und sie kann sich darauf verlassen, dass die Mehrheit der Medien diese Aussagen unkritisch übernimmt.

Doch die Behauptung der Hamas hält einer detaillierten Überprüfung nicht stand. Vielmehr spricht einiges dafür, dass der Anteil der im Krieg getöteten Zivilisten kleiner ist, als die Hamas angibt. Aufgrund einer Analyse des Palestinian Center for Human Rights in Gaza ergibt sich, dass junge Männer im Alter von 17 bis 30 Jahren den grössten Teil der Todesopfer ausmachen. Ein Spitzenwert wird bei den Männern erreicht, die zwischen 21 und 27 Jahre alt sind. Diese Altersverteilung, folgert der Rechercheur Steven Stotsky, sei typisch für die Kämpfer und die Jungs, die in Kampfeinheiten eingezogen werden.

Stotsky schreibt für das Commitee for Accuracy in Middle East Reporting in America (Camera). Seine Erkenntnis: Kinder, die jünger als 17 Jahre alt sind, machen 20 Prozent der Opfer aus. Wenn man berücksichtige, dass diese Altersgruppe rund die Hälfte der Bevölkerung ausmacht, erscheine der Anteil der Kinder in einem anderen Licht, als die Hamas glauben machen will.

Eine exakte Analyse der Todeszahlen im Gazakonflikt ist zwar nur beschränkt möglich. So lässt sich zum Beispiel nicht feststellen, welche Todesopfer für die Hamas gekämpft hatten und welche nicht. Aber der hohe Wert bei den männlichen Toten, die zwischen 17 und 25 Jahre alt sind und die Abweichung dieses Anteils vom Anteil an der Bevölkerung, lasse «erhebliche Zweifel» an der Behauptung der Hamas aufkommen, dass es sich bei 75 oder mehr Prozent der Todesopfer um Zivilisten handle, meint Stotsky.

Frauen und Kinder statt Kämpfer

Ohne hier die absolute Zahl der ­Todesopfer beschönigen oder herunterspielen zu wollen: Die Hamas setzt alles daran, um möglichst viele Kämpfer, die umgekommen sind, als Zivilisten, am liebsten als Frauen und Kinder, auszuweisen. Nur eine Minderheit der Terroristen werde von ihr offiziell als Teil der Milizen angegeben, so Stotsky. Mit diesem Trick könne sie «belegen», dass der Anteil toter Zivilisten überdurchschnittlich hoch sei. Diesem PR-Ziel dient auch die Anweisung der Hamas an Fotografen, weder Uniformierte noch militärische Einrichtungen noch Vorbereitungen zu Terrorattacken im Bild festzuhalten. So stellen die Islamisten sicher, dass ausschliesslich Bilder von Zivilisten in die Medien gelangen. Die Militanten sind lediglich an Kundgebungen oder beim Training zu sehen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Hamas verzerrte Opferzahlen als PR-­Instrument gegen Israel einsetzt. Auch vor fünf Jahren, bei der Operation «Gegossenes Blei», versuchte sie, mehr tote Zivilisten und weniger tote Terroristen auszuweisen, als der Realität entsprach. Auch damals nahmen die Medien die Informationen der Hamas für bare Münze, und die Untersuchungskommission der UNO unter der Führung von Richard Goldstone übernahm die Hamas-Angaben ebenfalls.

Erst ein Jahr später rückte die Hamas mit der Wahrheit heraus. Die Zahl der Hamas-Opfer liege zwischen 600 und 700, sagte Hamas-­Innenminister Fathi Hammad. Damit kam er der israelischen Schätzung von 709 sehr nahe. Die Zahl der getöteten Terroristen war damit plötzlich dreimal höher, als sie ursprünglich angegeben wurde. Damit sank auch der Anteil der zivilen Todesopfer.

Kalaschnikows unter Zivilkleidern

Die Erfahrung aus den anderen Kriegen in Gaza habe gezeigt, dass Agenturmaterial, das aus Gaza kommt, häufig von der Hamas zensiert wird, bestätigt ARD-Korrespondent Richard C. Schneider in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung: «Bilder, die der Hamas nicht genehm sind, werden nicht zugelassen (und Bildmaterial, das Menschen via Handy auf Twitter, Facebook oder Youtube ins Netz stellen, ist sowieso nie verifizierbar).»

Als Israel 2008 behauptete, die Hamas-Kämpfer würden in Zivil herumlaufen und somit sei die Zahl der Opfer manipuliert, weil es sich dabei nicht nur um Zivilisten, sondern auch um Hamas-Kämpfer handelt, «war dies für uns erst dann nachweisbar, als wir von unserem Kameramann heimlich gedrehte Bilder erhielten, die zeigten, wie tatsächlich Hamas-Kämpfer in normaler Kleidung ihre Kalaschnikows unter der Jacke versteckten», schreibt Schneider. (Basler Zeitung)

(Erstellt: 05.08.2014, 09:47 Uhr)

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