Ausland

«Zu 99 Prozent steckt der Mossad hinter dem Mordkomplott»

Aktualisiert am 18.02.2010

In der Affäre um den Mord an einem Hamas-Führer gerät Israel immer stärker unter Druck. Der Polizeichef in Dubai beschuldigt erstmals direkt den israelischen Geheimdienst Mossad der Tat.

1/7 Ermordet
Hamas-Mitglieder stehen in Gaza vor dem Bild des Hamas-Führers Mahmoud al-Mabhouh, der im Februar 2010 in Dubai ermordet worden war.
Bild: Keystone

Nach Mord von Dubai gerät der Mossad ins Visier

   

Die links-liberale Tageszeitung «Haaretz» fordert auf ihrer Titelseite bereits den Rücktritt von Mossad-Chef Meir Dagan und kritisierte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, weil er dessen Amtszeit trotz Warnhinweisen verlängert habe.

In Israel bleiben die Verantwortlichen allerdings vage, so wie Aussenminister Avigdor Lieberman in einem Radiointerview berichtete: «Seit jeher ist die israelische Politik der Undurchsichtigkeit - so würde ich das charakterisieren - die richtige Herangehensweise. Es gibt keinen Grund, die Aktion in Dubai Israel zuzuordnen. Der Staat Israel reagiert nie auf solche Aktionen und bestätigt nichts». Es gebe keinen Grund, dass ausgerechnet der Mossad und nicht irgendein anderer Geheimdienst dort tätig gewesen sei, sagte Lieberman.

Für Dubai ist der Mossad verantwortlich

Für Dubai ist der Fall allerdings klar: Die dortige Polizei macht offiziell den israelischen Geheimdienst für die Tat verantwortlich. Die Ermittlungen hätten gezeigt, dass der Mossad an der Tat beteiligt war, erklärte Polizeichef Dhahi Chalfan heute. Es sei «zu 99 Prozent, wenn nicht zu 100 Prozent» sicher, dass der israelische Geheimdienst hinter dem Mordkomplott stecke, sagte er der Internetausgabe der Regierungszeitung «The National» aus dem Emirat Abu Dhabi.

Es gebe Indizien, die auf eine «klare Verbindung» zwischen den Verdächtigen und «Leuten mit direkten Beziehungen zu Israel» hinwiesen.

Grossbritannien will Fall auf den Grund gehen

Grossbritannien und Irland bestellten die israelischen Botschafter ein. Sie sollten klären, wie die Täter gefälschte britische und irische Pässe verwenden konnten.

London sei entschlossen, der Sache mit den gefälschten Pässen «auf den Grund zu gehen», sagte der britische Aussenminister David Miliband. Er «hoffe und erwarte» von Tel Aviv, bei den Ermittlungen des «Verbrechens» zu kooperieren. Premierminister Gordon Brown hatte diese Untersuchung am Vortag angekündigt.

«Ermordet im Hotelzimmer»

Der radikal-islamischen Hamas, Mahmud al-Mabhuh, war im Januar in einem Luxus-Hotel in Dubai umgebracht worden.

Israel macht al-Mabhuh für die Entführung und Ermordung zweier israelischer Soldaten zu Beginn des ersten Palästinenseraufstands Intifada (1987-1993) verantwortlich.

Die Hamas ihrerseits schwor unterdessen Rache für den Tod al-Mabhuhs. Rund 3000 Hamas-Mitglieder verehrten am Mittwochabend bei einer Massenkundgebung in Beit Lahija im Gazastreifen den getöteten Hamas-Funktionär und kündigten Vergeltung an.

(bru)

Erstellt: 18.02.2010, 16:51 Uhr

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