Ausland

Zwei Anschläge in der Türkei – 34 Tote

Aktualisiert am 18.02.2016

Die Regierung beschuldigt die kurdische PKK und die syrisch-kurdische PYD. Beide Organisation streiten jegliche Beteiligung ab.

1/14 Die Opfer des Anschlags wurden am Freitag beigesetzt. (19. Februar 2016)
Bild: Tolga Bozoglu/Keystone

   

(pat/mch/chk/sda/AP)

  • Die wichtigsten Fakten  

    In der Türkei gab es zwei Anschläge: Am Mittwochabend in Ankara und am Donnerstagmorgen in der Südosttürkei zwischen Diyarbakir und Bingo.

    • In Ankara explodierte eine Autobombe neben einem Konvoi mit Armeebussen. Mindestens 28 Menschen starben und 61 weitere wurden verletzt.

    • In der Südosttürkei zerfetzte eine zwischen Diyarbakir und Bingol am Strassenrand versteckte Bombe ein Militärfahrzeug. 6 Soldaten starben, ein weiterer sei schwer verletzt worden.

    • Die Türkei beschuldigte die kurdische Arbeiterpartei (PKK) und die syrisch-kurdische PYD für den Anschlag in Ankara. Beide Organisationen streiten jegliche Verantwortung ab.

    • Zu den Anschlägen bekannte sich bisher niemand, ob sie zusammenhängen ist somit unklar.


  • Foto zeige Täter  

    Gemäss der türkischen Regierung handle es sich beim Attentäter von Ankara um ein Mitglied der syrisch-kurdischen Miliz YPG. Überraschend schnell – nach weniger als 17 Stunden – verkündete Ministerpräsident Ahmet Davutoglu, der Angreifer von Ankara sei anhand seiner Fingerabdrücke «mit Sicherheit» identifiziert worden. Es handle sich um den 23-jährigen Syrer Salih Necar, der als Flüchtling registriert sei.

  • Video YPG  

    Der Anführer der wichtigsten syrisch-kurdischen Gruppe hat eine Verwicklung seiner Organisation in den jüngsten Anschlag von Ankara bestritten. Salih Muslim sagte der Nachrichtenagentur AP, die türkischen Vorwürfe würden «vollständig zurückgewiesen». Die Explosion in der türkischen Hauptstadt ähnle Bombenangriffen, die von der Terrormiliz Islamischer Staat ausgeführt worden seien, sagte Muslim.

    «Wir haben keine Verbindung zu diesen Bombenanschlägen und mit dem, was innerhalb der Türkei passiert», versicherte Muslim. Er warnte Ankara vor einem Einsatz von Bodentruppen in Syrien. Eine Koalition aus kurdischen und arabischen Kämpfern werde derartigen Aktivitäten der Türkei in dem Bürgerkriegsland entgegentreten, sagte er.


  • PYD will Attentat nicht verübt haben  

    Die von der türkischen Regierung bezichtigte syrische Kurdenpartei PYD hat jegliche Verstrickung ihres bewaffneten Arms YPG in das Attentat von Ankara abgestritten. «Diese Anschuldigung ist klar mit der Absicht verbunden, in Syrien zu intervenieren», sagte der Chef der grössten syrischen Kurdenpartei, Saleh Muslim, der Nachrichtenagentur AFP.

    Zuvor hatte schon die türkische PKK erklärt, sie sei nicht für das Attentat verantwortlich. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte hingegen, die beiden Kurdenorganisationen steckten hinter der blutigen Attacke, die gestern mindestens 28 Tote gefordert hatte. Die Türkei sieht die syrische PYD ohnehin als Schwesterorganisation der PKK, die sie im eigenen Land seit Jahrzehnten erbittert bekämpft.

    In den vergangenen Tagen hat die türkische Armee Stellungen der YPG in Syrien beschossen, um sie vor einem weiteren Vorrücken abzuhalten. Die syrischen Kurden hatten im Windschatten des Vorstosses syrischer Regierungstruppen bei Aleppo ihrerseits Geländegewinne erzielt. Die Türkei befürchtet die Entstehung eines unabhängigen Kurdenstaats an seiner Südgrenze.

  • Bild zeigt Anschlagsort  


  • Weiterer Anschlag  

    Heute Morgen wurde im Südosten der Türkei ein Anschlag auf einen Militärkonvoi verübt, wie verschiedene Medien berichten. Die Explosion habe mehrere Tote gefordert. Einige Medien berichten von sieben Toten, andere von sechs. Zahlreiche weitere Menschen seien verletzt worden.


  • Neun Verdächtige festgenommen  

    Hinter dem Attentat von Ankara sollen nach Angaben von Regierungschef Ahmet Davutoglu die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und die syrische Kurdenmiliz YPG stecken. Neun Verdächtige seien festgenommen worden.

    Davutoglu gab den Namen des Attentäters mit Salih Necar an. Dieser sei 1992 in der nordsyrischen Stadt Amuda geboren worden. Wie zuvor schon Präsident Recep Tayyip Erdogan, kündigte auch Davutoglu Vergeltung an. Bereits wenige Stunden nach dem Anschlag von Ankara hatte die türkische Luftwaffe Angriffe auf Stellungen der PKK im Nordirak geflogen.

  • Syrer soll hinter Anschlag stecken  

    Das Attentat soll von einem Kurden aus Syrien verübt worden sein, wie mehrere türkische Medien unter Berufung auf die Polizei berichten. Es handle sich um einen Mann namens Salih Necar, der als Flüchtling in die Türkei gekommen sei und einer Kurdenmiliz in Syrien nahegestanden habe, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Er habe das Anschlagsauto gefahren und sei durch die Explosion getötet worden.

  • PKK  

    Die PKK will offenbar nicht für den Anschlag in Ankara verantwortlich sein, wie mehrere Journalisten auf Twitter verkünden.





  • Österreich sagt Mini-Gipfel ab  

    Der Anschlag in der Türkei hat Auswirkungen auf den EU-Gipfel. Elf EU-Staaten, darunter die Türkei und Deutschland, wollten über konkrete Massnahmen in der Flüchtlingskrise verhandeln. Doch das geplante Treffen in Österreich wurde nach dem schweren Attentat abgesagt.

  • Erdogan droht mit Vergeltung  

    Nach dem Anschlag in Ankara hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Vergeltung angekündigt. Sein Land sei entschlossen, von seinem «Recht auf Selbstverteidigung» Gebrauch zu machen, erklärte Erdogan.

  • Karte des Anschlagorts  

    Links auf der Karte ist der Hauptsitz der Luftwaffe zu sehen, rechts das türkische Parlament.



  • Video zeigt Explosion  


  • Scharfe Kritik  

    UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteile die Explosion und wolle seine Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass «die Täter des Terrorangriffs schleunigst zur Rechenschaft gezogen werden», sagte UNO-Sprecher Stéphane Dujarric.

    Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg kritisierte die Tat ebenfalls scharf und drückte den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. Es könne keine Rechtfertigung für solch schreckliche Taten geben. Die Nato stehe im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite des Mitgliedslands Türkei.

  • Zusammenfassung  

    Wieder hat tödlicher Terror die Türkei erschüttert. In der Nähe eines Militärkonvois in der Hauptstadt Ankara ist am Mittwochabend nach offiziellen Angaben eine Autobombe explodiert und hat mindestens 28 Menschen in den Tod gerissen. 61 weitere Menschen wurden verletzt, wie die Regierung mitteilte.

    Nach offiziellen Angaben war eine Autobombe im abendlichen Berufsverkehr im Zentrum der türkischen Hauptstadt explodiert. Sie zielte demnach auf Armeebusse, die Soldaten transportierten.

    Erdogan will die Terroristen bekämpfen

    Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagte, der Angriff sei sehr gut vorbereitet gewesen. Man werde die Schuldigen finden. Sieben Staatsanwälte seien mit den Ermittlungen beauftragt worden. Präsident Erdogan erklärte, der Anschlag überschreite alle moralischen und menschlichen Grenzen. Sein Land werde die Urheber und Drahtzieher der Attacke bekämpfen.

    Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Ein ranghoher Vertreter der Sicherheitskräfte sagte unmittelbar nach der Detonation, es gebe erste Hinweise, dass Extremisten der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK die Tat verübt hätten.

    «Uns liegen bisher noch keine Informationen darüber vor, wer diesen Angriff getätigt hat», sagte hingegen Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus. Er sprach von einem Angriff «auf die gesamte Nation».

    Türkei bombardiert PKK-Stellungen

    Die türkische Luftwaffe bombardierte am Mittwochabend Stellungen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak, wie der irakische Fernsehsender Al Sumaria berichtete. Unklar war zunächst, ob die Luftschläge im Zusammenhang mit dem Terroranschlag von Ankara standen, zu dem sich zunächst niemand bekannte.

    Die PKK greift aber immer wieder türkische Sicherheitskräfte an. Sie hat zudem angekündigt, Angriffe auf staatliche Institutionen auszuweiten.

    In Ankara waren im vergangenen Jahr bei einem Bombenanschlag mehr als 100 Menschen getötet worden. Für die Tat werden die sunnitischen Fanatiker vom so genannten Islamischen Staat (IS) verantwortlich gemacht. Bei einem Anschlag in Istanbul schliesslich kamen im Januar zehn deutsche Touristen ums Leben.

Erstellt: 17.02.2016, 18:04 Uhr

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