Auto
Grün ist in Genf nicht nur die Hoffnung
Von Dieter Liechti. Aktualisiert am 04.03.2010
Als die Klimadebatte vor drei Jahren die Autoindustrie in ihren Grundfesten erschüttert hat, wurde sie auf dem linken Fuss erwischt. Nachdem es Jahrzehnte lang nur darum ging, das schnellste, sicherste oder schönste Auto zu zeigen, stellte sich bereits im Herbst 2007 an der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt nur noch eine Frage: Wer kann das «grünste» Auto präsentieren.
Und die Automobilindustrie, damals noch mit vollen Portemonnaies, reagierte schnell: Die IAA mutierte kurzerhand zur «grünsten Autoshow aller Zeiten» und an den Pressetagen wurden die Journalisten mit grünen Slogans und sauberen Versprechungen überschüttet. Selbst Sportwagenhersteller Porsche mischte sich in die Debatte um saubere Autos ein: Während Toyota und Lexus längst und erfolgreich mit Hybridmodellen auf dem Markt präsent waren, erinnert der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking mit mahnenden Worten daran, dass Porsche einst den Hybridantrieb erfunden hat. Heute ist Wiedeking weg, der Hybridantrieb in Genf aber allgegenwärtig.
Zeit der Sprüche und Shows ist vorbei
Bei fast allen Herstellern, und auch bei Porsche: Gleich drei Hybridautos präsentiert der Sportwagenbauer. Und eines davon, der Cayenne Hybrid, wird schon diesen Frühling auf die Strasse rollen. «Das ist der grosse Unterschied zur IAA 2007 oder zum letztjährigen Salon in Genf», bestätigt der deutsche Professor Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research an der Uni Duisburg. «Die Zeit der Marketing-Sprüche und der Showcars ist endgültig vorbei, jetzt werden sparsame Serienautos gezeigt und lanciert. Das ist die wichtigste Botschaft des Genfer Salons 2010. Und diese ist für die Automobilindustrie von enormer Bedeutung.»
Von Bedeutung ist aber auch die Tatsache, dass die «Elektrifizierung» des Autos weiter fortschreitet. Auch wenn die Visionäre in diesem Jahr in Genf ein wenig kurzsichtig wirken – mit Ausnahme des Zürcher Tüftlers Frank M. Rinderknecht und seinem Elektrostadtfahrzeug «UC» –, mangelt es nicht an Ideen für die Zeit nach dem Hybriden, wenn Batterien bezahlbar und Reichweiten realistischer werden. Dann schlägt die grosse Stunde von Elektroautos. Doch bis es soweit ist, muss der Range-Extender – ein kleiner Benzinmotor der als Generator im Auto Energie erzeugt – bei den Stromern die Reichweite erhöhen.
Das Elektroauto hat eine Zukunft
Trotzdem ist Autowissenschafter Dudenhöffer überzeugt, dass das Elektroauto schon jetzt sehr gute Chancen hat. «Hier kann die Autoindustrie die grössten Fortschritte vorweisen. Und da machen die deutschen mit Mercedes und Smart, BMW, Ford und Opel ganz klare Aussagen. Das gilt aber auch für Peugeot, Mitsubishi, Nissan und Renault – das Rennen ist lanciert.» Aber ohne VW? «Trotz der Bekundungen von VW-Konzernchef Martin Winterkorn in Genf, wird VW wohl einer der letzten sein, der bei den Elektroautos auf sich aufmerksam macht», glaubt Dudenhöffer.
Weil die Musik aber in den nächsten Jahren ganz sicher noch von normalen Motoren gespielt wird, haben die Hersteller ihre Kunden im Hier und Heute nicht vergessen und präsentieren in Genf eine imposante Zahl an Welt- und Europapremieren. Und hier punktet der VW-Konzern mit einer dichten Flut an relevanten und unterschiedlichen Neuheiten, die dessen Position auch in den kommenden Jahren weiter stärken wird.
Träumen mit den Kleinen
Die Rolle der Traumtänzer übernehmen am Lac Léman auch in diesem Jahr die Kleinserienhersteller, Sportwagenschmieden und Designbüros: Befreit von Kostendruck und Serienvorgaben präsentieren sie Supersportwagen, Luxuslimousinen und leidenschaftliche Studien, die wie der prunkvolle Bufori aus Malaysia oder die Alfa-Jubiläumsstudie von Bertone nicht selten hart an der Grenze des guten Geschmacks liegen. Doch egal ob schön oder schrill, schnell oder sauber – sie alle haben ein verbindendes Element: Sie sind selten und – wenn überhaupt verkäuflich – sehr, sehr teuer.
Infos zum Salon
Ort: Palexpo-Hallen in Genf.
Datum: Vom 4. Bis 14. März 2010.
Öffnungszeiten: Wochentags von 10 bis 20 Uhr, Weekend 9 bis 19 Uhr.
Tickets: Erwachsene Fr. 14.-, Kinder und Jugendliche (bis 16 Jahre) sowie
AHV-Bezüger Fr. 8.-.
Anreise: Der Kluge reist im Zuge. Die SBB führt ein «Salon-Kombi» im Angebot.
Infos: www.salon-auto.ch
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.03.2010, 10:03 Uhr
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