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BMW: Mit M-Power gegen die Baisse

Von Thomas Geiger. Aktualisiert am 18.07.2009 5 Kommentare

Mit mehr Kraft und noch mehr Sportlichkeit reagiert BMW auf das nachlassende Interesse an den grossen Geländewagen.

Augemotzte Geländewagen: Der BMW X5 M und der X6 M.

Augemotzte Geländewagen: Der BMW X5 M und der X6 M.
Bild: BMW

Neue BMW-Preise

Nebst den Einstiegspreisen für die beiden neusten M-Modelle hat BMW Schweiz auch die Preise für die neuen Modelle X1 und 5er Gran Turismo bekannt gegeben. Ohne xDrive-Allradantrieb gibt es den neuen SUV X1 18d ab 41'900 Franken. Mit der gleichen Dieselmotorisierung und mit Allradantrieb kostet der X1 3000 Franken mehr. Das Topmodell xDrive 28i kostet mindestens 58'900 Franken.
Mindestens 82'900 Franken kostet der neue 5er GT als 530d. Der 535i GT schlägt mit mindestens 85'900 Franken zu Buche, das Topmodell 550i mit 114'800 Franken. X1 und 5er GT sind ab 24. Oktober erhältlich, die beiden M-Modelle ab November.

Zwar verlangt alle Welt nach sparsameren und saubereren Motorvarianten vom Diesel bis hin zum Hybridantrieb. Doch bei BMW reagiert man im Segment der grossen Geländewagen nicht mit weniger Durst, sondern mit mehr Dampf auf das schwindende Interesse. Denn vor allem Besserverdiener aus den USA und Asien haben laut BMW die Lust an Sport-SUV noch nicht verloren. Deshalb blasen die Bayern jetzt zum Kraftakt der Geländegiganten und bringen X5 und X6 ab November erstmals in einer M-Version an den Start. Allerdings hat die neue Sportlichkeit auch ihren Preis. Der beschleunigt so schnell wie die Autos und beginnt beim X5 M mit 162'000 Franken, der X6 M ist noch einmal 3000 Franken teurer.

Kampf gegen die Trägheit der Masse

Zwar hatten die Bayern die Aufrüstung schon lange im Sinn. «Doch bisher wären uns die Kompromisse zu gross gewesen», sagt M-Chef Kay Segler. «Denn wo ein M draufsteht, muss auch M drin sein», singt er das Loblied auf die Markenwerte. Nur schnell, stark und teuer war den Bayern deshalb zu wenig. Doch mit einer neuen Turbotechnik, einem variablen Allradantrieb und vor allem mit der Dynamic Performance Control, mit der die Kraft auf der Hinterachse zwischen den Rädern verteilt wird, fühlten sich die Ingenieure für den schweren Kampf gegen die Trägheit der Masse gerüstet. Mit Erfolg: Selten liess sich ein 2,5-Tonnen-Mobil so flott und leichtfüssig bewegen wie der X6 M und sein praktischerer Bruder X5 M.

Der stärkste BMW-Motor

Als Basis für diesen Kraftakt dient der 4,4 Liter grosse Achtzylinder aus dem neuen 7er-BMW, dessen Leistung die Bodybuilder aber mit zwei neuen Turboladern um mehr als ein Drittel gesteigert haben. Statt auf 407 kommt er nun auf beeindruckende 555 PS und macht die beiden Buckelpisten-Boliden so zu den stärksten Autos im Programm der Bayern.

Ausserdem gipfelt das Drehmoment erst bei schwindelerregenden 680 Nm. Anders als bei den meisten Motoren gleicht dessen Kurve hier allerdings einer Geraden. Als hätte es nie ein Turboloch gegeben, steht die maximale Antrittskraft auf dem gesamten Band von 1500 bis 5650 Touren abrufbereit.

Im Klartext und bei den ersten Probefahrten in den USA heisst das: Wann immer sich auch nur ein Schatten auf das Gaspedal legt, bekommt der Fahrer einen Tritt ins Kreuz, und der Offroader geht auf Sportwagenjagd: Die beiden M-Mobile brauchen gerade einmal 4,7 Sekunden für den Stammtischsprint auf Tempo 100. Und dass die Kraft für mehr als 250 km/h reicht, merkt man beim Blick in die Aufpreisliste. Dort gibts das «M Driver’s Package», mit dem BMW den beiden Motoren freien Lauf bis 275 km/h gewährt. «Selbst dieses Limit ist so gewählt, dass der Fahrer noch die Kraftreserven spürt, wenn die Elektronik den bremst», preist Marketingchef Carsten Pries an.

13,9 Liter Verbrauch – theoretisch

Natürlich ist den Besitzern solcher Fahrzeuge der Verbrauch herzlich egal. Und bei den Kritikern sind diese Autos so tief durchgefallen, dass es auf ein paar Liter auch nicht mehr ankommt. Doch trotzdem singt BMW eifrig das Loblied der Efficient Dynamics und baut auch bei diesen M-Modellen ein paar Appetitzügler ein: Bremsenergierückgewinnung, ein abkoppelbarer Klimakompressor und ein Effizienzprogramm für Motor- und Getriebesteuerung drücken den Normverbrauch auf 13,9 Liter. Zumindest in der Theorie. Das ist zwar immer noch das Dreifache eines Mini, aber eben auch nur 1,1 Liter mehr als beim normalen X6 – und der hat 150 PS weniger.

Fast schon bescheiden ist das Design der M-Modelle. Weil bereits die beiden Basisfahrzeuge sehr bullig und aggressiv wirken, waren die Karosseriebauer der M GmbH zur Zurückhaltung angehalten. Statt wie üblich die Kotflügel auszumodellieren, mehr Muskeln auf die Motorhaube zu packen und die Schweller zu verbreitern, bleibt es darum bei den grösseren Nüstern in der weiter nach unten gezogenen Frontschürze, neuen Spiegeln und den klassischen vier Endrohren, die unter der neuen Heckblende herausschauen. Ausserdem gibt es natürlich die klassischen Kiemen in den Kotflügeln.

Keine Sportsitze für die M-SUV

Auch innen hält sich das stilbildende Engagement in engen Grenzen: Wie immer bei der M GmbH gibt es nur ein neues Kombiinstrument, ein griffigeres Lenkrad mit farbigen Ziernähten, einen neuen Schaltknüppel und die Einstiegsleisten mit dem Markenlogo. Auf Sportsitze zum Beispiel haben die BMW-Strategen verzichtet, weil die beiden neusten M-Kreationen eigentlich auch noch gemütliche Cruiser sein wollen. Bei aller gebotenen Härte ist deshalb auch das Fahrwerk gerade noch so sanft, dass man auch nach 500 Kilometern noch entspannt und gelassen aussteigt. Ganz so lange allerdings wird ohnehin kaum eine Fahrt dauern: Denn selbst wenn der Fahrer länger durchhält, ist nach drei, vier Stunden der nächste Tankstopp bereits vorprogrammiert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.07.2009, 14:43 Uhr

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5 Kommentare

Yves Laurent

20.07.2009, 09:51 Uhr
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Schon wieder zwei Autos die die Welt nicht braucht! Die Entwicklungskosten hätte BMW viel besser in das Hybrid-Modell vom X6 (sehr schönes Auto) gesteckt, damit dieses ein paar Monate früher auf den Markt kommt. Aber die Arroganz der "grossen" deutschen Autobauer rächt sich schon noch, siehe Porsche. Ich sehe die goldenen Zeiten als Leader der Autobauer eh langsam gezählt für BMW & Co... Antworten


Marc Althoff

20.07.2009, 15:44 Uhr
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Dass Sie und ich diese Autos nicht brauchen oder möchten mag ja sein, aber die Käuferschaft solcher Modelle (und das ist nichts Neues) finanziert die Innovationen unter der Haube, so etwa den hier leider nicht erwähnte völlig neuartige Zylinderbank-übergreifende Abgaskrümmer. Und 13,9l - auch theoretisch - sind im Vergleich etwa zu einem Cayenne Turbo - wahrsam genüglich. Antworten



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