Der chinesische Volvo

Trotz Ankündigungen hat es noch kein chinesischer Autohersteller geschafft, in Europa Fuss zu fassen. Das will Geely mit der neuen Marke Lynk & Co ändern.

Der 4,5 Meter lange Lynk & Co 01 basiert auf der Volvo-Konzernplattform CMA und erinnert zumindest optisch ein wenig an den erfolgreichen Porsche Macan. Fotos: Lynk & Co

Der 4,5 Meter lange Lynk & Co 01 basiert auf der Volvo-Konzernplattform CMA und erinnert zumindest optisch ein wenig an den erfolgreichen Porsche Macan. Fotos: Lynk & Co

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Göteborg Brilliance ist am Crashtest gescheitert, Qoros bislang nicht aus den Startlöchern gekommen – im Ausland haben sich die chinesischen Autohersteller bisher nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Doch weil ihnen der Markt daheim langsam zu eng und die Konkurrenz von VW & Co. im eigenen Land zu gross wird, nehmen sie jetzt den Westen wieder ins Visier und starten einen neuen Anlauf. Allen voran der Grosskonzern Geely, der dafür unter dem Namen Lynk & Co diese Woche eine globale Marke vorgestellt hat und über diese mittelfristig mehr als 500'000 Autos im Jahr verkaufen möchte – fast die Hälfte davon ausserhalb von China.

Dass Lynk & Co sein Debüt jetzt in Göteborg gegeben hat, und dass die Chinesen eine nordische Coolness pflegen, hat einen einfachen Grund: Der Newcomer ist streng genommen nur ein Ableger von Volvo, der von Schweden nach China exportiert wird und dann nach Westen zurückkommt. Ganz so einfach kann man die Marke, die von keinem Geringeren geführt wird als vom alten Opel-Macher Alain Visser, natürlich nicht erklären. Doch zumindest nutzt Konzernmutter Geely geschickt Knowhow und Renommee der schwedischen Tochter, um die Neugründung aus der grauen Masse abzuheben und zu etwas Besonderem zu machen.

Zum Anfang ein SUV Die Basis für diese gemeinsame Strategie bildet die Konzernplattform CMA, die Volvo schon vor einem halben Jahr als Grundstein der künftigen Kompaktmodelle S40, V50 und XC40 vorgestellt hat. Diese in Länge und Radstand ebenso wie in Spurweite und Fahrzeughöhe weitgehend variable Architektur soll nun auch Lynk & Co nutzen und damit innert fünf Jahren eine ganze Modellpalette auf den Markt bringen. «Danach gibts jedes Jahr zwei neue Modelle», kündigt Visser an.

Den Anfang macht – was für eine Überraschung – ein kompakter SUV mit dem wenig fantasievollen Modellnamen 01, der nicht nur im Format, sondern auch in der Form trotz der hoch in die Motorhaube gerückten Tagfahrleuchten, des extrem breiten Kühlergrills im Stil einer Zorro-Maske und der wie eine Haifischflosse geformten D-Säule verdächtig an den Porsche Macan erinnert. Rund 4,5 Meter lang, mit Drei- oder Vierzylinder- Benzinern, später auch mit Plug-in-Hybrid und als reines Elektroauto lieferbar, will der Allradler einen Premiumanspruch zu den Preisen eines Volumenherstellers erfüllen: VW zahlen aber Audi fahren, so lautet die unausgesprochene Marschrichtung für den Schnäppchen-Volvo aus China.

Möglich macht das neben der billigen Produktion in Fernost und den geschickt mit Volvo geteilten Entwicklungskosten ein kostengünstiger Direktvertrieb. Statt die Gewinne mit Händlern zu teilen, will Visser seine Autos nur über das Netz und ein paar ausgewählte Stützpunkte verkaufen, die Lynk & Co im Stil der Tesla- Stores in Eigenregie in Fussgängerzonen oder Einkaufszentren betreiben will. «Damit drücken wir die Distributionskosten auf die Hälfte und geben einen Teil davon an die Kunden weiter», erläutert der Firmenchef.

«Marke der Connectivity»

Zwar teilen sich die Chinesen eine Plattform mit Volvo, bauen die Benziner nach schwedischen Lizenzen und lassen sich von den Europäern bei der schrittweisen Elektrifizierung ihrer Palette beraten. Und weil Lynk & Co kein klassisches Händlernetz haben wird, dürfte der Hol- und Bringdienst wohl auch den Service über Volvo abwickeln. Doch zumindest setzt Visser bei der Ausstattung eigene Akzente.

Natürlich ist maximale Sicherheit gesetzt, schliesslich hat Volvo einen Ruf zu verlieren und die Chinesen Vorurteile auszuräumen. Fünf Sterne beim Euro-NCAP-Crashtest müssten es deshalb schon sein. Und natürlich wird Lynk & Co die üblichen Assistenzsysteme von der Abstandsregelung bis zur 360-Grad-Kamera übernehmen. «Aber so, wie Volvo bei der Sicherheit Massstäbe setzt, wollen wir uns zur Marke der Connectivity machen», sagt Vissar, und sieht im 01 so etwas wie das Smartphone unter den SUV. Denn der Wagen integriert nicht nur alle gängigen Handys, sondern er hat seine eigene Datenplattform, seinen eigenen App-Store und seine eigene Cloud und eröffnet damit ganz neue Möglichkeiten. «Das gilt nicht nur für Standards wie Navigation, Infotainment oder Vernetzung mit der Infrastruktur bis hin zum autonomen Fahren», erklärt der Technikchef Mats Fagerhag. «Das gilt auch für die Personalisierung.»

Nach Europa erst 2018

Die üblichen Spielchen mit Ausstattungslinien und Modellvarianten wollen sich die Chinesen deshalb sparen: Es gibt keine Abstufungen in der Palette und keine Optionen, sondern nur eine regelmässig wechselnde Kollektion von Fahrzeugen, die sich in Designdetails, im Ambiente und dem Antrieb unterscheiden. «Statt Hunderter verschiedener Fahrzeuge bauen wir pro Modellreihe höchstens zehn», sagt Visser und nennt damit einen weiteren Grund für seine niedrigen Preise.

Grosse Ankündigungen haben die Chinesen jetzt schon mal gemacht und entsprechende Erwartungen geweckt. Ob und wie sie diese erfüllen werden, das wird sich allerdings frühestens in einem Jahr zeigen. Denn selbst in China soll der Verkauf erst Ende 2017 beginnen, und für Europa plant Fisser nicht vor dem letzten Quartal 2018.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.10.2016, 13:55 Uhr

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Auffällig: Die Sportversion des 01.

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