Vom Gas – und der Touareg segelt

Von Peter Hegetschweiler. Aktualisiert am 13.03.2010

Die zweite Generation des VW Touareg rollt als erster europäischer Hybrid-SUV emissionsfrei im Stadtverkehr, bleibt aber auch in Zukunft voll Offroad-tauglich.

VW Touareg Hybrid: Der erste Volkswagen mit Hybridantrieb soll das SUV-Segment aus der Kritik führen.

VW

Hybrid? In Wolfsburg lange Zeit gar kein Thema. Als Antwort auf den 2007 einsetzenden grünen Hype setzte Volkswagen konsequent auf Blau. Genauer auf Blue-Motion-Technologie. Aktuell gibt es vom weltweit meistverkauften VW, dem Golf, eine Blue-Motion-Version, die sich mit 3,8 Litern auf 100 Kilometer zufrieden gibt. Der Polo Blue-Motion begnügt sich gar mit 3,3 Litern und unterbietet mit 87 Gramm CO2 pro Kilometer auch die magische Schadstoffgrenze von 100 Gramm.

Doch jetzt grünt es im wörtlichsten Sinne auch im Norden Deutschlands. Und mit dem Selbstbewusstsein eines Konzerns, der sich ökonomisch und ökologisch auf dem Weg zur globalen Nummer 1 sieht (Konzernchef Martin Winterkorn bei der Salon-Premiere vergangene Woche in Genf), stösst VW mit seiner ersten Hybridversion gleich in ein hochsensibles Segment vor: in jenes der als Spritfresser und Umweltverschmutzer beschimpften Sport Utility Vehicles (SUV).

«Segeln» mit Strom statt Wind

Schafft VW den Spagat? Auf Anhieb? Erste Probefahrten diese Woche in der Toscana haben gezeigt: Im dichten Stadtverkehr, frühmorgens in Florenz, lässt sich der 2,2 Tonnen schwere SUV so sanft und lautlos bewegen, als schwebe man auf einer Wolke. Dank dem von VW entwickelten Parallelhybrid (siehe Interview) rollt der grüne Touareg in dieser Phase rein elektrisch und damit absolut emissionsfrei. Und erst noch ohne das hektische Aus und Ein einer Start-Stopp-Automatik.

Vergleichbar gute Fahrgefühle stellen

sich auf offener Landstrasse und auf der Autobahn vor allem dann ein, wenn man vom Gas geht. Sofort koppelt sich der V6 von der 8-Gang-Automatik ab, der Elektromotor sichert in der Folge alle relevanten Funktionen solo – und man «segelt» freudvoll dahin (Fachjargon). Einziger Unterschied: Strom statt Wind bildet jetzt die Energiequelle.

Im Schnitt 20 Prozent sparsamer

Abseits der Strasse dann, und erst recht in schwierigem Gelände, spielt auch der neue Tourag seine alten Stärken voll aus. Und wandelt sich damit, zupackend dank seinem serienmässigen Allradantrieb mit (neu) optionaler Geländereduktion, vom grüngrasenden Schaf wieder zum Wolf. Dann ist es aber auch mit dem im Idealfall zu erzielenden Durchschnittsverbrauch von 8,2 Litern und dem daraus resultierenden CO2 von 193 g/km schnell vorbei. Und zwar definitiv.

Dennoch moniert VW mit der zweiten Touareg-Generation für sich, den Verbrauch insgesamt um über 20 Prozent gesenkt zu haben. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen haben die Wolfsburger den bisherigen 12-Zylinder-Benziner und den 10-Zylinder-TDI aus dem Motorenprogramm gekippt, und den V8-Benziner mit 350 PS bieten sie nur noch in Ländern wie China oder Russland an. Zum andern aber haben sie den neuen SUV tüchtig abgespeckt – und zwar um nahezu 200 Kilogramm.

Damit rücken sie die Hybridversion noch stärker in den Fokus und machen ihn dank dem von Audi entwickelten V6- TSI (333 PS) in Kombination mit dem Elektromotor (47 PS) gleich zum Top-Modell. Auch beim Preis: Der edle, grüne SUV kostet mindestens 109?400 Franken.

Marktstart im Mai

Günstiger beim Preis (ab 75?000 Franken) und erst noch im Verbrauch (VW gibt einen Schnitt von 7,4 Litern an) ist der Basis-Turbodiesel. Der 3.0 V6 mit neuster Blue- Motion-Technologie leistet 240 PS und beschleunigt in 7,8 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Zum direkten Vergleich: Der V6-Benziner mit Direkteinspritzung und Kompressoraufladung, der auch im neuen Audi S4 verbaut wird, schafft mit Unterstützung des Hybridmoduls im Flaggschiff den Stammtischspurt in 5,8 Sekunden. Das ist mehr als beachtlich. Als dritte Version bietet VW den Touareg mit 4,2-Liter-8-Zylinder-Turbodiesel und 340 PS an. Beide Diesel kommen im Mai, der Touareg Hybrid folgt laut Auskunft des Schweizer Importeurs Amag «etwas später».

*??Peter Hegetschweiler fuhr den neuen
Touareg am 9./10. März auf Einladung von
VW-Importeur Amag in der Toscana
(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.03.2010, 08:51 Uhr

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