Mehr als nur Platzreife

Mit der dritten Generation des kompakten i30 zeigt Hyundai: Auch die Koreaner beherrschen Golf. Was man beim Konkurrenten Volkswagen längst erkannt hat.

Fertig Korea-Barock: Hyundais neuer i30 schaut rundum europäisch aus. Fotos: PD

Fertig Korea-Barock: Hyundais neuer i30 schaut rundum europäisch aus. Fotos: PD

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Noch vor zehn Jahren nahm man im Wolfsburger VW-Hauptquartier den Einstieg von Hyundai ins Kompaktsegment nicht sonderlich ernst. Obwohl die Koreaner ihren Anspruch mit dem ersten i30, der sehr direkt auf die Golf-Klasse abzielte, von Beginn weg deutlich machten. Das Auto wurde nicht bloss dort gestylt und entwickelt, wo der Hauptgegner geärgert werden sollte: in Deutschland, im werkseigenen Forschungszentrum Rüsselsheim. Sondern es wurde von Beginn weg auch in Europa produziert – im neu erstellten Werk im tschechischen Nosovice. Auch der Klein(st)-wagen i10 und der europäische Getz-Nachfolger i20 werden dort gebaut.

Ganz so fulminant wie angekündigt war der Start dann allerdings nicht – auch oder gerade in der Schweiz, wo der Golf seit nunmehr 41 Jahren die unbestrittene Nummer 1 ist. Erst mit Beginn der zweiten Generation stiegen die Verkaufszahlen auch hierzulande markant an, von zunächst 700 auf über 2700 im Jahr 2012. Das brisante dabei: Ausgerechnet Martin Winterkorn, bis zum Abgasskandal von VW vor eineinhalb Jahren VW-Konzernchef, adelte damals den i30. Mit einem Bonmot. So, wie einst Bayern-München-Trainer Giovanni Trappatoni seine Standpauke an die Mannschaft mit den Worten «Ich habe fertig» abschloss, so präzise drückte sich Winterkorn mit ebenfalls drei Worten anlässlich der IAA in Frankfurt 2011 aus. «Da scheppert nix», befand er, sprachlich korrekt, als er den europäischen Kompakt-Koreaner bei dessen Weltpremiere genauestens unter die Lupe nahm. Und dabei feststellte, dass im i30 im Gegensatz zum Golf bei der Arretierung der Lenksäule rein gar nichts klapperte. Oder eben «schepperte».

Auf Europa zugeschnitten

Unbeabsichtigt stellte der Ex-VW-Chef dem i30 damit ein Qualitätszeugnis aus, das mancher potenzielle Hyundai-Käufer in Europa zuvor insgeheim angezweifelt hatte. Andere Kritikpunkte aber blieben, etwa die Motorenpalette betreffend. Oder am Design. Die sind nun mit der dritten Generation, die in der Schweiz bereits bei den Händlern steht, ausgeräumt. Und wenn Marketingchef Jochen Sengpiehl bei der Präsentation des i30 im spanischen «Frühsommer» erklärt, man habe den Kunden «sehr gut zugehört» und das Auto so definiert, «dass es den europäischen Anforderungen in allen Belangen entspricht», dann bedeutet das für Hyundai im Klartext: «Wir können Golf.»

Optisch fällt auf: Der Neue, leicht länger und etwas breiter, aber um 15 Millimeter flacher proportioniert, steht satter auf der Strasse. Der Kaskaden-Kühlergrill passt zum frischen Auftritt, vermittelt dem Koreaner durchaus Eigenständigkeit. Mit seinen breiten LED-Rückleuchten, dem schwarzen Heckspoiler und der hochgezogenen Heckschürze wirkt der i30 auch von hinten trendig-sportlich.

Den TSI-Motoren ebenbürtig

Bei den Motoren hat sich ebenfalls etliches getan. Beide Benziner sind neu, der 1,0-Liter-Dreizylinder leistet 120 PS bei einem Normverbrauch von 4,7 Litern, der 1,4-Liter-Turbo mit Direkteinspritzung und 140 PS kann den vergleichbaren TSI-Motoren von VW durchaus Paroli bieten. Seine Leistungswerte: 0 auf 100 km/h in 8,9 Sekunden, Topspeed 205, Verbrauch laut Werk 5,5 Liter. Mit einem Preis von 25 150 Franken kommt der Top-Benziner dennoch nur 1200 Franken teurer zu stehen als der eher dezent agierende Dreizylinder. Unverändert von der zweiten Generation übernommen worden ist der Selbstzünder, den Hyundai in zwei Leistungsstufen mit 110 und 136 PS ab 30 650 Franken anbietet. Der kleinere der beiden Diesel unterschreitet dabei als einziger die magische Emissionsgrenze von 100 Gramm CO2 pro Kilometer.

Ein weiterer Fortschritt: Zur Abstimmung des komplett überarbeiteten Fahrwerks nutzte Hyundai sein werkseigenes Entwicklungszentrum an der Nürburgring-Nordschleife für den Feinschliff. Mit Erfolg. Der neue i30 fährt sich spürbar direkter, das früher oft bemängelte synthetische Fahrgefühl ist weg. Und das auch beim Top-Benziner optionale 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe für 1900 Franken Aufpreis käme auch ohne die manuellen Schaltwippen am Lenkrad bestens klar. Der neue i30 misst sich ja am gewöhnlichen Golf, nicht am Golf GTI.

Peter Hegetschweiler fuhr den neuen i30 auf Einladung von Hyundai Schweiz am 16./17. Januar in Spanien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.01.2017, 18:05 Uhr

Hyundai i30: Turbo-Benziner oder Diesel

Modell: Kompakt-Limousine mit 5 Türen
Masse: Länge 4340 mm, Breite 1795 mm, Höhe 1455 mm, Radstand 2650 mm
Kofferraum: 395 bis 1301 Liter
Motoren: zwei Turbo-Benziner mit 120 und 140 PS, ein Diesel in zwei Leistungsstufen (110 und 136 PS)
Fahrleistungen: von 0 auf 100 km/h in 8,9 bis 11,3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 187 bis 205 km/h
Verbrauch: 3,6 bis 5,5 Liter auf 100 Kilometer
CO²-Ausstoss: 95 bis 125 Gramm pro Kilometer
Preis: ab 23'950 Franken
Markteinführung: ab sofort
Infos: www.hyundai.ch

Knapp überholt: Der Kofferraum des i30 bietet ein paar Liter mehr als der VW Golf.

Propere Verarbeitung: Hochwertiges Interieur mit frei stehendem Touchscreen.

Auf Konkurrenzniveau: LED-Heckleuchten und Spaltmasse wie bei VW-Produkten.

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