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Mit Sitzheizung an der Winterrallye
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Es hatte heftig geschneit. Bis vor zwei Tagen war St. Moritz ganz im Weiss versunken und weder per Zug noch Auto erreichbar gewesen. Nun waren die Strassen und Geleise geräumt und für die SUV-Schickeria des Winterferienorts wieder zugänglich. Doch Streusalz und Splitt auf der Strasse sind keine Bedingungen, die man einem seltenen Vorkriegsrennwagen wie dem Lagonda M35 Le Mans Rapide oder einem liebevoll gepflegten Porsche 356 antun möchte – ausser man fährt am Winter Raid mit, der nach eigenen Angaben «härtesten Winterrallye Europas».
Und so starteten hier am vergangenen Mittwoch über 60 Oldtimer zum Nachtprolog, um in den folgenden drei Tagen 15 Alpenpässe und 46 Bergstrecken durch das Engadin, Tirol und Oberbayern zu bezwingen. Zwar ging es keineswegs darum, das schnellste Team zu sein. Eine gemütliche Spazierfahrt lag dennoch nicht drin, wenn man beispielsweise ein Etappenziel nach 198,96 Kilometern bei durchschnittlichen 49 km/h auf Zehntelsekunden genau erreichen wollte – schon gar nicht bei zeitweise hinderlichem Flachland-Automobilisten-Verkehr. Das wusste auch die Polizei, die vielerorts mit mobilen Radargeräten bereitstand.
VW Käfer traf auf neuen Beetle
Dabei setzte die zügige Eis- und Schneefahrt nicht nur den bis zu 78-jährigen Autos zu. Statt auf elektronische Traktionshilfen mussten die Fahrer auf Spikes, Ketten und Fahrvermögen vertrauen. Einigen Fahrzeugen fehlte gar das Verdeck, sodass sie Minustemperaturen und aufgeschleudertem Schmutz bloss schwere Klamotten und Rennbrillen entgegnen konnten. Kein Wunder, wurden wir vier Pressevertreter, die vom Winter-Raid-Partner Volkswagen zur Teilnahme im neuen Beetle eingeladen waren, als «Weicheier» freundlich belächelt.
Dass nebst den Oldtimern auch zwei Beetle am Start waren, hatte einen Grund. Sie sollten auf die alten Käfer im Feld treffen; schliesslich orientiert sich die Neuauflage mit Kuppelbau und schwungvoller Silhouette stärker am Original als der Vorgänger «New» Beetle. Fahrerisch lassen sich selbstverständlich kaum Parallelen ziehen. Ein Ur-Käfer von 1948 mit mechanischen Bremsen, nicht synchronisiertem Getriebe und 25-PS-Boxermotor erfordert trotz Gutmütigkeit deutlich mehr Arbeit am Steuer und lässt seine Passagiere gerne frieren. Andererseits erwärmte der Klassiker die Herzen zahlreicher Passanten; eine Österreicherin freute sich ab dem Käfer gar «wie ein Schnitzel». Gut möglich, dass er Kindheitserinnerungen weckte – bei weltweit über 21 Millionen verkauften Exemplaren war das erschwingliche Original bei vielen einst Teil der Familie.
«Der neue Beetle geht gar nicht», fand ein deutsches Ehepaar mit 1968erKäfer Cabriolet. Verzichtet man jedoch auf den Nostalgie-Vergleich, präsentiert sich das kürzlich lancierte Auto als hübscher, moderner Kompaktwagen, der in der 200-PS-Version sportliche Leistungen zeigt, auf Kurven bestens haftet, sich mühelos durch Schnee wühlt und dabei durchaus Spass bereitet. «Weichei» hin oder her – über Sitzheizung und elektronische Fahrhilfen war ich zeitweise gar nicht so unglücklich. Doch letztlich ging es beim Winter Raid nicht nur ums Fahren. Bis kurz vor dem Start war die Route jeweils unbekannt; die Sollzeit musste laufend berechnet werden. Dabei bestätigte sich in unserem Zweierteam von untypischen Autojournalistinnen ein allzu typisches Frauenklischee.
Mehr gelacht als gerechnet
Abgesehen davon, dass wir uns gerne verrechneten, verfuhren wir uns ständig, vor allem, wenn bei einer Streckenänderung ungenaue Landkarten zur Verfügung standen. Wer die Rallye im Internet verfolgte – das war dank Ortungsbox in den Fahrzeugen jederzeit möglich –, erkannte also häufig 62 Fahrzeuge auf einem Bergpass. Und einen einsamen weissen Beetle auf der Autobahn. Denn auf hoffnungslose Irrfahrten folgte bei uns der Griff zum Navi und der direkte Weg zum Ziel.
Als wir am dritten Tag doch noch eine Strecke regulär schafften, begrüsste man uns bei der Zwischenprüfung mit «Oh, ein neues Team!». Und wunderte sich angesichts des unvollständigen Bordblatts wohl über die ironisch gemeinte Antwort: «Und wir sind hier, um zu gewinnen!» Und so wurde unsere mürrische Reaktion auf das tägliche «Wie ists gelaufen?» der übrigen Teilnehmer allmählich zum Running Gag. Nichtsdestotrotz wage ich zu behaupten, dass die ehrgeizigen Teams am Winter Raid nicht halb so viel gelacht haben wie wir.
Nina Vetterli-Treml fuhr den Winter Raid im neuen VW Beetle auf Einladung von VW-Importeur AMAG. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 17.01.2012, 07:18 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.



