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Und ewig lockt das Cabrio
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Bald ist es wieder so weit. Kaum lacht ein wenig Sonne vom Himmel und die Temperaturen klettern ins Plus, lassen die ersten Autofahrer die Hüllen fallen. Jacke, Schal und Pulli bleiben vielleicht noch ein paar Wochen an, aber das Dach kommt schon mal herunter. Denn wer mit gesundem Teint in den Sommer starten will, der kommt um ein Cabrio oder einen Roadster nicht herum. Und weil auch die Autohersteller wissen, dass spätestens jetzt die Kaufentscheidung fällt, starten sie mit vielen neuen Open-Air-Modellen in die Saison. Dabei ist die Sonnenbräune längst kein Privileg der Besserverdiener mehr. Sondern zu hochpreisigen Premieren wie dem offenen Porsche 911 gesellen sich in diesem Sommer auch bezahlbare Neuheiten wie der Mini Roadster.
Smart Fortwo als Einsteiger
Zu Preisen ab 32000 Franken bringt er frischen Wind in ein Segment, das zuletzt verwaist war. Denn seit Opel Tigra, Ford StreetKa und Daihatsu Copen für immer das Dach geschlossen haben, standen nur noch der Renault Wind (ab 23 900 Franken) und der mindestens 34 120 Franken teure Mazda MX-5 für die ebenso sparsamen wie sportlichen Sonnenstunden. Angeboten wird der 3,73 Meter kurze Roadster mit Stoffverdeck und 240 Liter Kofferraum mit drei Benzinern und einem Diesel. Los gehts mit dem Mini Cooper, der 122 PS leistet und 5,7 Liter verbraucht. Darüber rangiert mit 184 PS und 6 Litern der Cooper S. Und die Spitze markiert der John Cooper Works, der auf 211 PS kommt. Er verbraucht 7,2 Liter. Für den Diesel nennt Mini eine Leistung von 143 PS und einen Verbrauch von 4,5 Litern.
Ebenfalls ein Zweisitzer und mit Preisen ab 20 000 Franken das derzeit günstigste Cabrio auf dem Markt ist der Smart Fortwo, der in diesen Tagen ein neues Gesicht bekommt. Obwohl hinter den Sitzen nur noch der Kofferraum wartet, geht er bei maximal 102 PS allerdings kaum als sportlicher Roadster durch.
Klappdach-Franzosen
Wer in dieser Klasse nach mehr als zwei Sitzen fragt, wird auch bei den Briten fündig. Denn ab exakt 29 000 Franken gibt es auch weiterhin das klassische Mini Cabriolet, das etwas mehr Platz im Fond aber dafür weniger Kofferraum bietet. Sonst ist das Angebot allerdings etwas dünner geworden: Weil es den Mitsubishi Colt und den Nissan Micra CC nur noch als Occasion gibt, bleiben als Alternative lediglich der Fiat 500 (ab 22 200 Franken) mit seinem grossen Stoffdach zwischen den festen Metallstreben und der ab 27 900 Franken teure Peugeot 207 CC, der als einziges Cabrio in diesem Segment ein Klappdach aus Metall zu bieten hat.
Das gleiche Konzept verkaufen die Franzosen für 37 500 Franken als 308 CC auch in der Golf-Klasse. Der gallische Sonnenanbeter tritt an gegen den pünktlich zum Sommer frisch renovierten Renault Mégane (ab 37 300 Franken) sowie den 2011 erst aufgefrischten Eos, für den VW mindestens 42 800 Franken verlangt. Allen drei Modellen gemein ist das versenkbare Hardtop. Wer lieber unter Stoff sitzt, dem bleibt derzeit nur das erst 2011 eingeführte Cabriolet des VW Golf, das mindestens 35 000 Franken kostet und in diesem Sommer auch als GTI-Modell mit 210 PS startet. Aber damit ist der Frischluftdrang von VW noch nicht vorbei: Denn nach dem Debüt des neuen Beetle steht auch das Beetle Cabrio in den Startlöchern – kommt aber wohl erst zum Ende der Open-Air-Saison.
Lancia Flamina im Herbst
Während bei den Kleinen und Kompakten viel Bewegung herrscht, ist das Angebot in der Mittelklasse nahezu unverändert: Die mindestens 63 800 Franken teure E-Klasse, der BMW 3er ab 61 300 Franken und der 2011 leicht überarbeitete Audi A5 (ab 57 650 Franken) sind die festen Grössen in diesem Segment. Dazu gibt es als Alternative noch den Volvo C70 mit versenkbarem Hardtop für mindestens 56 200 Franken, den edlen Lexus IS C (ab 72 300 Franken) und seinen direkten Konkurrenten Infiniti G (ab 88 563 Franken). Ausserdem macht sich der Lancia Flamina bereit, der als italienischer Zwilling des Chrysler 200 im Herbst erwartet wird.
Noch mehr frischer Wind weht 2012 bei den offenen Sportwagen: Der BMW Z4 (ab 57 800 Franken) geht zwar unverändert in die Saison, der Audi TT biegt für mindestens 49 950 Franken langsam auf die Zielgerade ein, und der Nissan 370 Z, der für 58 790 Franken einen V6-Motor mit 328 PS bietet, kommt nicht so richtig auf Touren. Doch die dritte Generation des Mercedes SLK (ab 49 900 Franken) erlebt erst ihren zweiten Sommer und rollt auch als AMG-Modell mit 422 PS an den Start, und bei Porsche läuft sich gerade der neue Boxster warm.
Porsches Boxster wird billiger
Er feiert seine Weltpremiere im März auf dem Genfer Salon und kommt Mitte April zu Preisen ab 65 300 Franken in den Handel. Dafür gibt es einen in jeder Dimension ein wenig gewachsenen Zweisitzer, der innen die breite Mittelkonsole des neuen 911 übernimmt und ein neues Verdeck bekommt. Dank einem erhöhten Aluminiumanteil in der Karosserie wird der Boxster deutlich leichter. Neu sind auch die beiden 6-Zylinder-Boxer, mit denen der Verkauf beginnt. Der Hubraum der Basisversion schrumpft auf 2,7 Liter. Dennoch steigt die Leistung des Direkteinspritzers um 10 auf 265 PS. Der mindestens 78 900 Franken teure Boxster S bekommt einen 3,4 Liter grossen 6-Zylinder mit künftig 315 PS – 5 PS mehr als früher. Bestellt man die Motoren gegen Aufpreis mit Doppelkupplungsgetriebe, schaffen sie den Spurt auf Tempo 100 in 5,7 und 5,0 Sekunden. Zudem liegt der Verbrauch dann laut Porsche bei 7,7 und 8 Litern. Das sind bis zu 15 Prozent weniger als früher.
Schwäbisches Duell: 911 versus SL
Der Boxster startet aber nicht alleine – sondern fast zeitgleich lassen die Schwaben auch die offene Version des 911 von der Leine. Nur wenige Wochen nach dem Coupé gibt es das Cabrio für Preise ab 135 100 Franken. Unter der Haube bleibt alles beim Alten. Wie das neue Coupé gibt es auch das offene Modell der intern als 991 geführten Baureihe zunächst mit zwei 6-Zylinder-Boxern und Heckantrieb. Im 911 Carrera hat der Motor 3,4 Liter, leistet 350 PS und verbraucht 8,4 Liter. Für knapp 18000 Franken mehr gibt es den Carrera S mit 3,8 Liter Hubraum und 400 PS. Er steht mit bis zu 301 km/h, und 8,9 Litern im Datenblatt.
Nur ein paar Meter entfernt steht die Wiege des zweiten schwäbischen Spitzensportlers, der nahezu gleichzeitig erneuert wird und eine ähnlich lange Tradition hat: Der Mercedes SL – für Preise ab 124 800 Franken. Dafür gibt es einen in jeder Dimension leicht gewachsenen Zweisitzer, der sich stilistisch zwischen SLK und SLS bewegt und zum ersten Mal nach dem Urmodell von 1962 wieder komplett aus Aluminium besteht. Damit sinkt das Gewicht um bis zu 140 Kilogramm und ermöglicht zusammen mit neuen Motoren und einem serienmässigen Start-StoppSystem Verbrauchsvorteile von bis zu 29 Prozent. Das Basismodell fährt mit einem 3,5-Liter-V6-Motor mit 306 PS vor. Dass es aus Stuttgart ja auch noch den fast taufrischen SLS Roadster (ab 257 000 Franken) gibt, hat man bei so vielen schwäbischen Open-Air-Premieren fast schon wieder vergessen.
Britisches Powerplay
Und die Schwaben sind nicht die einzigen, die den Fahrtwind gerne etwas forscher wehen lassen. Nicht umsonst gibt es ab 143 900 Franken auch noch den Jaguar XK, der als XKR-S Cabrio jetzt mit 550 PS erstmals die Tempo-300-Marke durchbricht. Aston Martin hat gleich vier Openair-Renner am Start: den V8 Vantage Roadster ab 153 540 Franken, den DB9 Volante (225 830 Franken), den Virage Volante (246 190 Franken) und last but not least den DBS Volante für 316 840 Franken. Aus Italien kommt der Lamborghini Gallardo Spyder (ab 277 700 Franken) und lässt auf einen baldigen Striptease beim Aventador hoffen, Ferrari hat im vergangenen Herbst den F 458 Italia enthauptet, und bei Maserati gibt es das Gran Cabrio Nero Notte, das netto ab 168 000 Franken angeboten wird.
Ein Golf zu gewöhnlich und ein Lamborghini zu unbequem? Dann muss es vielleicht für 122100 Franken aufwärts der BMW 6er sein, den es bald auch wieder als M-Modell mit 560 PS gibt. Und wer lieber nach Britannien als nach Bayern schielt, für den fährt Bentley den Continental GTC vor. Er hat im Herbst in die zweite Generation gewechselt und steht zu Preisen ab rund 290 000 Franken mit einem 570 PS starken 12-Zylinder in der Liste. Aber pünktlich zum Start in die neue Saison gibt es ihn erstmals auch mit acht Zylindern und 507 PS. Dadurch sinken Preis (ab 256700 Franken) und der Verbrauch.
Zwar bedienen beide Autos eine vergleichsweise kleine Nische, und für das Phantom Drophead Coupé von Rolls-Royce für mindestens 654 600 Franken oder den teuren Bentley Azure wird die Luft noch dünner. Doch gibt es in dieser Klasse offenbar trotzdem mehr Nachfrage als Angebote. Nicht umsonst ist immer mal wieder von einer offenen Mercedes S-Klasse oder einem Panamera Cabrio von Porsche die Rede. Die vornehme Blässe jedenfalls ist auch bei der Hautevolee so langsam aber sicher passé. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.02.2012, 18:24 Uhr
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