Business as usual

Effiziente Motoren? Check. Connectivity? Check. Teilautonomes Fahren? Check. Doch das Schönste am neuen BMW 5er bleibt der gute alte Fahrspass.

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Das Wählscheibentelefon, die Schreibmaschine, das Telegramm, die immer und überall gerauchte Zigarette, die breiten Reverskragen, das zwei Kilogramm schwere Motorola-Handy, die Floppy-Disc, die Millennium-Angst – der 5er hat sie alle überlebt. 1972 startete der BMW der oberen Mittelklasse seine Karriere als Businesslimousine, übernahm die technischen Innovationen des ihm vorgesetzten 7ers zumeist als Erster, passte sich mit zig Karosserie- und Motorisierungsvarianten den Kundenbedürfnissen an und erarbeitete sich nicht zuletzt mithilfe der Sportversion M5 einen Ruf als Chefdynamiker. So brachte er es zu 7,9 Millionen Exemplaren, wobei sich die 2,2 Millionen Mal verkaufte sechste Generation sogar den Titel «Meistverkauftes Fahrzeug im Segment» auf die Visitenkarte schreibt.

Die nunmehr siebte Generation zu entwickeln, muss daher eine grosse Herausforderung gewesen sein. Oder sagt man heutzutage Challenge? Immerhin befinden wir uns im Zeitalter von Touchscreens statt Wählscheiben, und während die Cupholder für den gesunden Smoothie gratis sind, kostet der Aschenbecher für die heimlich gerauchte Zigarette im neuen 5er 50 Franken extra.

Bedienkonzept aus dem 7er

Um bei der englischen Sprache zu bleiben: Designleiter Marc Michael Markefka bezeichnet den etwas schwungvoller gestalteten Viertürer als «Business Athlete», doch der erste Eindruck lautet «Business as usual». Das gilt auch für den Preis ab 58 800 Franken, der ungeachtet der atypisch langen Serienausstattungsliste inklusive LED-Scheinwerfern mit der typisch langen Optionenliste einhergeht. Erst auf den zweiten Blick erschliesst sich der «Added Value»: Der luftige Innenraum mit erlesenen Materialien, Massagesitzen, digitalen Anzeigen, inzwischen riesigem Head-up- Display und 10,25-Zoll-Display in der schlanken Mittelkonsole macht den 7er fast schon überflüssig.

Zumal der 5er auch dessen Bedienkonzept übernimmt: Das neue, selbstverständlich Smartphone- spiegelnde, internetgängige Infotainment lässt sich wie gewohnt per Dreh-Drückschalter steuern und ist zugleich im Touchscreen-Zeitalter angekommen. Hinzu kommen eine deutlich verbesserte Sprachsteuerung und für einige Funktionen die – wenn schon nicht notwendige, dann in besagtem Zeitalter doch noch aufsehenerregende – Gestensteuerung. Drücken, wischen, reden, gestikulieren: So connected jeder mit dem System, wie es ihm gefällt.

Zahlreiche Detailoptimierungen an der Karosserie sorgen für eine «Best in class»-Windschlüpfrigkeit. In Kombination mit dem rund 100 Kilo einsparenden Leichtbaukonzept mit Aluminium, Magnesium und hochfesten Stählen versprechen die neuen, allesamt mit Allradantrieb kombinierbaren Vier- bis Sechszylinderturbos eine Verbrauchsersparnis von bis zu 12 Prozent. So soll die Efficient Dynamic Version des 190 PS starken Basisdiesels 520d mit 3,8 Litern auskommen während der Plug-in-Hybrid 530e iPerformance neben 252 PS und 50 rein elektrischen Kilometern einen Normverbrauch von nur 1,9 Litern vermeldet.

Auf der To-do-Liste der Entwickler standen zudem intelligente kamera-, sensor- und navigationsdatenbasierte Helfer. Das vorausschauende Start- Stopp-System weiss beispielsweise, dass sich der Motorstopp vor einem Kreisel nicht lohnt. Dank dem Stauassistenten kann man bei zähflüssigem Verkehr tatsächlich relaxen. Und das Remote Parking macht Sinn, wenn die Lücke zu eng ist, um ein- oder auszusteigen.

Wer ist hier der Boss?

Weniger überzeugend, weil das Auto die Mittellinie gelegentlich per Schlangenlinien sucht und trotzdem nicht findet, sind dagegen die automatische Spurführung und selbstständige Spurwechselfunktion. Da müssen sie bei BMW, wie es auf Denglisch so schön heisst, noch ein bisschen afterworken, um auf das Niveau der aktuellen Mercedes-Benz E-Klasse zu kommen.

Doch wer ist hier der Boss? Im Zeitalter des teil- statt vollautonomen Fahrens sowieso noch der Mensch, und wenn dieser nach Fahrspass verlangt, wird asap geliefert. Erst recht mit dem 3,0-Liter- Reihensechser unter der Haube, der es in der vorläufigen Topversion 540i auf 340 PS, 450 Nm und 5,1 Sekunden auf Tempo 100 bringt. Der akustisch anregende und doch unaufdringliche Motor im Zusammenspiel mit der blitzschnellen 8-Gang-Automatik und den auf Wunsch automatisch dem Fahrstil angepassten Dämpfern lassen die Limousine kürzer und leichter wirken, als sie mit 4,94 Metern und 1,67 Tonnen ist. Das neu konstruierte Fahrwerk gibt sich im Comfort-Modus derweil so geschmeidig, dass sie bei Mercedes noch etwas afterworken müssen, um herauszufinden, wie man diesen Komfort auch ohne aufwendige Luftfederung hinbekommt.

Noch zählen die klassischen BMW-Tugenden jedenfalls zu den Kernkompetenzen des neuen 5ers, und bis das Selbstfahren im selben Atemzug wie das Wählscheibentelefon und Telegramm genannt werden, bleibt zum Glück noch etwas Zeit.

Nina Vetterli fuhr den neuen BMW 5er vom 30. November bis 1. Dezember auf Einladung der BMW Schweiz AG in Portugal.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.12.2016, 10:22 Uhr

BMW 540i

In 5,1 Sekunden auf 100 km/h

Kategorie 4-türige Limousine mit 5 Plätzen
Masse Länge 4936 mm, Breite 1868 mm, Höhe 1479 mm ,Radstand 2975 mm
Kofferraum 530 Liter Motor 3,0-Liter-R6-Turbobenziner mit 340 PS (250 kW)
Fahrleistungen 0 bis 100 km/h in 5,1 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 250 km/h Verbrauch 6,5–6,9 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangabe)
CO2-Ausstoss 149 bis 159 Gramm/Kilometer
Markteinführung Februar 2017 Preis ab 77'400 Franken. Basismodell 520d ab 58'800 Franken
Infos: www.bmw.ch

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