Auf grossem Fuss

Die vierte Generation des Scenic soll dem Kompaktvan-Segment von Renault neuen Schwung verleihen. Dafür erhält der elegante Franzose praktische Extras.

Praktisches und elegantes Doppel: Der Renault Grand Scenic (links) und der normale Scenic sollen das Kompaktvan-Segment beleben. Fotos: Renault

Praktisches und elegantes Doppel: Der Renault Grand Scenic (links) und der normale Scenic sollen das Kompaktvan-Segment beleben. Fotos: Renault

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Mit der Fahrzeuggattung der Vans ist es wie mit dem Schweizer Sackmesser: Zu seiner Zeit überraschte das erste Modell mit einer bestechend neuen Funktionalität und war wegweisend. Die darauf folgenden Neuerungen verfeinern zwar die Handhabe, bieten im Kern aber eigentlich immer das Gleiche: Im einen Fall ein Klappmesser mit wechselnd neuem Zubehör; im andern Fall ein Auto, das jeweils mit seinem praktischen Interieur zu begeistern vermag. Und obwohl man sich dieser wiederkehrenden Gesetzmässigkeit bewusst ist, wartet man bei Neuerscheinungen von Messer oder Van gespannt darauf, was sich die Entwickler wieder Neues haben einfallen lassen.

20-Zoll-Räder als Serie

Entsprechend gross ist die Erwartung vor der ersten Fahrt mit dem neuen Kompaktvan von Renault. Das Publikum konnte sich am Genfer Autosalon im Frühjahr bereits von der Optik des komplett neuen Scenic und dem um 23 Zentimeter längeren Grand Scenic überzeugen. Besonders ins Auge stachen bereits damals die riesig wirkenden 20-Zoll-Räder, die an der Messe meist für reine Showzwecke montiert werden.

Nicht so beim Scenic. Denn der steht bei der ersten Begegnung tatsächlich auf besagten 20-Zöllern. Ein Hingucker, der laut Renault aber nicht nur serienmässig zur optischen Aufwertung dient, sondern vor allem für mehr Fahrkomfort und weniger Verbrauch sorgt. Die nur 19,5 Zentimeter breite Lauffläche der Pneus erzeugt weniger Rollwiderstand, ergo weniger Verbrauch, die grossen Räder bügeln Asphaltlöcher besser aus. «Wichtig ist auch anzumerken, dass wir die Produktion dieser Pneudimension mit drei namhaften Reifenherstellern abgesichert haben und dass die Reifen gleich viel kosten wie ein herkömmlicher 17-Zoll-Pneu», erklärt Renault-Kommunikationsdirektor Laurent Burgat. Wie dieses Detail zeigt, lebt die neue Scenic- Generation also nicht auf Kosten ihrer Käufer auf grossem Fuss, sondern versucht mit mehr Leistung zu gefallen.

Fünf- oder Siebensitzer

Seit der erste Scenic 1996 in Europa die Fahrzeugklasse der Kompaktvans mitbegründete, stand der praktische Nutzen des Familienautos stets im Vordergrund. Die Version 2017 kommt dieser Tradition nach und überzeugt im Fahrzeuginnern mit variabler Funktionalität. Bestes Beispiel dafür: Sowohl im fünfsitzigen Scenic als auch im auf Wunsch siebensitzigen Grand Scenic lassen sich die Sitze der zweiten und dritten Reihe vom Cockpit aus auf Knopfdruck zu einer ebenen Ladefläche umlegen. Die entsprechende Taste dazu war nach einer kurzen Suche auf dem zentralen Touchscreen zu finden. Denn bedient werden alle Zusatzfunktionen des Fahrzeugs ausschliesslich über das elektronische Display des Online-Multimediasystems R-Link.

Das digitale Zeitalter lässt grüssen – und dürfte manchen Scenic-Käufer besonders bei der Bedienung der zahlreichen elektronisch gesteuerten Fahrund Sicherheitsassistenzsysteme über den Touchscreen herausfordern. Herkömmlicher Bauart, aber deshalb nicht weniger praktisch sind die verschieden kleinen und grossen Stauräume mit einem Fassungsvermögen von 63 Litern. Einem Sackmesser gleich, bietet der Scenic in diesem Bereich übers ganze Fahrzeug verteilt viel Funktionalität. Dazu gehören übrigens auch eine gekühlte Handschuhfach-Schublade für den nächsten Sommer mit 11,5 Liter Volumen oder die je nach Bedarf verschiebbare Mittelkonsole.

Diesel-Hybrid ab 2017 erhältlich

Bereits aus anderen Renault-Modellen bekannt ist die verfügbare Motorenpalette von zwei Benzin- und vier Dieselaggregaten. Der 130 PS starke Vierzylinder- Benziner im TCe 130 bietet für den rund 1,5 Tonnen schweren Scenic zusammen mit der 6-Gang-Handschaltung guten Vortrieb und mit 5,8 Litern einen ansprechenden Verbrauch. Im neuen Grand Scenic dCi 160 EDC hinterlässt der 160 PS starke Dieselmotor mit Twin- Turbo-Technik und einem 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe als stärkste verfügbare Motorisierung erwartungsgemäss den souveränsten und agilsten Eindruck. Besonders positiv: Bei den Probefahrten in Frankreich übertraf er mit einem Verbrauch von knapp unter 5 Litern die von Renault angegebenen Werte nur ganz knapp!

Beiden Scenic-Versionen eigen ist ein sehr ausgewogenes Fahrverhalten, das auf die Anforderungen an ein zeitgemässes Familienfahrzeug abgestimmt ist. Komfort kommt hier, logisch, vor Sportlichkeit. Und: Wer etwas Geduld aufbringt sowie auf möglichst verbrauchseffizientes Vorwärtskommen aus ist, der lässt sich mit seiner Scenic-Bestellung bis Anfang 2017 Zeit. Dann wird nämlich ein noch sparsamerer Diesel-Hybrid die Motorenpalette erweitern und zur Probefahrt bereitstehen. Für alle anderen rollt der kleine Scenic ab Dezember 2016, der Grand Scenic ab Anfang 2017 in die Schweiz.

Thomas Borowski fuhr den neuen Scenic auf Einladung von Renault Schweiz am 13./14. September in Frankreich.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.09.2016, 16:50 Uhr

Renaul Scenic/Grand Scenic

Van mit 5 oder 7 Plätzen

Masse Länge 4406/4634 mm, Breite 1866 mm, Höhe 1653/1660 mm, Radstand 2734 / 2804 mm. Kofferraum 506 bis 1901 Liter

Motoren Zwei Benziner mit 115 und 130 PS (84 und 130 kW), vier Diesel mit 110 bis 160 PS (81 bis 118 kW)

Fahrleistungen 0 bis 100 km/h in 10,7 bis 12,3 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit von 185 bis 208 km/h

Verbrauch 3,9 bis 6,1 Liter auf 100 Kilometer

CO2-Ausstoss 100 bis 136 Gramm/Kilometer

Preis ab 23'400 Franken

Markteinführung ab Dezember 2016

Infos: www.renault.ch

Chic und sparsam: Die 20-Zöller sind Serie, helfen beim Sparen.

Unaufgeregt: Das Cockpit wird vom Touchscreen dominiert.

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