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Facelift zwischen Hoffen und Bangen

Von Peter Hegetschweiler, Nizza. Aktualisiert am 19.12.2011

Toyota hat den Avensis vor allem optisch modifiziert. Wirklich Neues verspricht erst das Modelljahr 2014.

1/4 Der Avenis wurde vor allem optisch angepasst.
Bild: Toyota

   

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Drei Jahre sind zwar keine besonders lange Zeit. Und doch: Stellt man den Toyota Avensis so, wie er 2008 in der dritten Generation auf den Markt kam, der neusten Version gegenüber, dann ist man verblüfft. Zumindest auf den ersten, frontalen Blick. Von vorn betrachtet, kommt das Re-Design fast einem Quantensprung gleich. Denn auch das Mittelklassemodell der Japaner, ob als Sedan oder Kombi, trägt jetzt das neue Markengesicht und wirkt dadurch viel frischer, dynamischer. Und im Vergleich zum optisch biederen Vorgänger fast schon frech. Was im Übrigen auch für das neu gestaltete Heck der Limousine gilt.

Schwieriges Segment

Sicher war es eine gute Idee von Toyota, den Avensis in seinem europäischen Entwicklungszentrum in Brüssel auffrischen zu lassen. Nicht nur aussen, sondern auch innen. Ob es verkaufsmässig allerdings den erhofften, zusätzlichen Schub bringt, ist fraglich. Denn Fakt ist, dass sich die Japaner mit dem Avensis in einem ausgesprochen schwierigen Segment befinden. Wer sich in der Mittelklasse nicht auf Premium-Niveau bewegt wie Audi, BMW oder Mercedes-Benz, kann die seit Jahren sinkenden Verkaufszahlen kaum stoppen. Das gilt selbst für Volkswagen. Und es gilt ebenso für Ford.

Beispiele gefällig? Wurden vom Passat 2008 europaweit noch 277 000 Autos verkauft, so waren es 2010 noch 196 000. Doch, zum Glück für VW, ist der Nachfolger bereits da. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Ford mit dem Mondeo: Die Verkäufe gingen von 170 000 im Jahr 2008 bis Ende 2010 auf 100 000 Einheiten zurück. Bis spätestens 2013 wollen aber auch die Kölner einen modernen Nachfolger auf dem Markt haben.

Schulterschluss mit BMW

Ein analoges Spiegelbild dieser Entwicklung zeigen – logischerweise – auch die Verkaufszahlen des Mittelklasse-Toyota. Im Jahr 2009 wurden 84 000 Avensis abgesetzt, 2010 nur noch 67000. Und die Quote sinkt weiter: Bis Ende September des laufenden Jahres fanden gerade mal 45 000 Limousinen oder Kombis einen Käufer in Europa.

Durchaus verständlich deshalb, dass bei der kürzlichen Präsentation des frisch gelifteten Modelljahrgangs 2012 bereits von der kommenden vierten Generation des Avensis die Rede war, die auf 2014 angesagt ist. Und die den jetzigen Zwischenschritt offensichtlich beeinflusst hat. Bei den Motoren beispielsweise, bei denen sich beim Facelift relativ wenig tat: kaum eine Leistungssteigerung, nur minimal gesenkter Verbrauch. Und nach wie vor keine Stopp-Start-Automatik. Da dürfte sich in Kürze einiges ändern. Erst vor wenigen Tagen haben Toyota und BMW an der Tokio Motor Show ihre Kooperationsabsichten angekündigt, primär auf dem Gebiet Batterie-Entwicklung und Motoren. Und so kann man sich in Bezug auf den Avensis sehr wohl vorstellen, dass in der vierten Generation statt des altbekannten und 177 PS starken Diesel ein topmoderner Selbstzünder mit deutlich mehr Leistung und weniger Verbrauch Einzug halten wird. Gut möglich (und noch wirkungsvoller) aber auch, dass Toyota den erfolgreichen Hybridantrieb nach Auris und Prius schon bald auch in die Mittelklasse bringt.

Soll sich allerdings schon das aktuelle Facelift bei den Verkaufszahlen positive auswirken, darüber ist sich auch Christian Wellauer, Marketing-Direktor bei Toyota Schweiz, im Klaren, dann führt das primär über den Preis. Und zumindest der kündigt sich interessant an.

Eurorabatt ja oder nein?

Denn steht der «alte» Avensis noch mit einem Einstiegspreis von 34 400 Franken im Katalog, soll die neue Basisversion – mit dem 1,8-Liter-Benziner mit 147 PS – trotz allen Modifikationen schon ab 32 300 Franken zu haben sein.

Die Krux ist nur, dass Toyota bereits jetzt und auf allen Modellreihen einen Eurorabatt von 7000 Franken gewährt. Und ob dieser Betrag auch vom neuen Avensis abgezogen werden kann, der Mitte Januar in den Handel kommt, steht laut Wellauer «noch nicht definitiv» fest.

Der Marketing-Chef sagt aber auch: «Die Hoffnung stirbt zuletzt.» Und meint damit die Hoffnung, dass er im kommenden Jahr ein ausgereiftes Mittelklassemodell im Angebot hat, das mit einem Einstiegspreis von rund 25 000 Franken zumindest in dieser Hinsicht ein Benchmark sein könnte.

Peter Hegetschweiler fuhr den neuen Avensis am 15. Dezember auf Einladung von Toyota Schweiz in Südfrankreich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.12.2011, 19:34 Uhr

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