Der kleine Smart ärgert Ferrari

Von Thomas Geiger. Aktualisiert am 05.03.2010

Der Sportwagen-Hersteller hat gar keine Freude an einem Werbespot von Smart - und hat mehrere Anwälte mit dem Fall beauftragt.


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Marc Langenbrinck kann sich freuen. Wo andere Markenchefs jahrzehntelang um Anerkennung und Reputation kämpfen mussten, gelingt ihm der Aufstieg ins Segment der Supersportwagen quasi über Nacht. Und dass, obwohl seine Autos im besten Fall 98 PS haben.

Anders jedenfalls kann sich der Chef von Smart den Brief kaum erklären, der ihm kurz vor dem Genfer Salon aus Italien auf den Tisch geflattert ist: Mit strengem Ton und erhobenem Zeigefinger fordern ihn darin gleich mehrere Anwälte im Auftrag von Ferrari auf, einen TV-Spot aus der Welt zu schaffen, in dem gemeinsam ein Smart und ein Ferrari Enzo zu sehen sind.

«Traumwagen immer Zweisitzer»

Echte Verwechslungsgefahr bestand und besteht zwar nicht. Doch spielt der in einer Bierlaune bei einem reichen Autosammler in Südafrika nach Feierabend gedrehte 30-Sekünder mit einer unbestreitbaren Gemeinsamkeit der beiden Autos: Während einer Kamerafahrt, vorbei an einem weissen Lamborghini Gallardo, einem silbernen Porsche Carrera GT und eben nämlichem Enzo in Ferrari-Rot, fragt eine sonore Stimme beim Schwenk auf den Smart: «Ist es nicht erstaunlich, dass Traumwagen immer Zweisitzer sind?» Souveräne Sieger können bei so einem Spot nur schmunzeln und freuen sich an dem knubbeligen Zwerg, der zwischen den kraftstrotzenden Tieffliegern etwa so passend wirkt wie der «Schneeleopard» Kwame Nkrumah-Acheampong aus dem afrikanischen Ghana beim olympischen Abfahrtslauf. Doch Ferrari fühlt sich offenbar bei der Ehre gepackt und gibt den Spielverderber, der auch monieren würde, dass der Bob der jamaikanischen Olympia-Mannschaft in Vancouver die falschen Kufen hatte.

Freude über Ritterschlag

Statt den Italienern aber tatsächlich gram zu sein, freut sich Langenbrinck lieber über den unerwarteten Ritterschlag für den Smart, die überraschende Aufmerksamkeit und den grossen Lacher in der Fangemeinde. Den beanstandeten TV-Spot lässt er da gerne zurückziehen, zumal die Kampagne eigentlich längst gelaufen ist und das 30-Sekunden-Filmchen nur noch beim Internet-Portal Youtube steht. Freundlich hat er sich bei den Italienern entschuldigt und sie gleich noch über die nächsten Schritte informiert. «Wir werden den Film demnächst einfach noch einmal drehen», hat er ihnen geschrieben, «und Ihren Enzo kurzerhand durch einen Mercedes SLS ersetzen». Dass allerdings könnte Ferrari genauso aufstossen. «Denn wir werden den Flügeltürer natürlich in Rot zeigen.»

Schumachers Abgang nicht verkraftet?

Zwar ist das bei aller Höflichkeit noch einmal eine kleine Stichelei, doch hat Langenbrinck dafür eine einfache Erklärung: «Rot ist die Einführungsfarbe des neuen Flügeltürers. Egal, ob Zeitungsannonce oder Fernsehspot, überall ist das Auto gleich lackiert». Nicht umsonst jagt auch Schumi bei seinem eindrucksvollen Stunt im Werbefernsehen nicht mit einem Silberpfeil, sondern einer roten Rakete entlang der Tunneldecke. Genau dieser Werbefilm übrigens könnte das Ferrari-Fass zum Überlaufen gebracht haben. Denn den eigentlichen Grund für die Verstimmung sehen die Schwaben nicht in der Verwechslungsgefahr zwischen dem Italo-Boliden und dem Bonsai-Benz.

Zwar ist hinlänglich bekannt und bei vielen Gerichten aktenkundig, dass Ferrari seine Markenrechte schärfer verteidigt als viele andere Hersteller und dabei bisweilen auch mal über das Ziel hinausschiesst. Doch fürchtet wahrscheinlich selbst in Maranello niemand eine spontane Kundenwanderung. Vielmehr, so vermutet man es jedenfalls bei Smart, hat Ferrari einfach nicht verwunden, dass ihr Aushängeschild Michael Schumacher zu Mercedes gewechselt hat. Das sind zwar alles nur Mutmassungen, doch viel mehr als das wird es aus Maranello nicht geben: «Kein Kommentar» war beim Genfer Salon jedenfalls die einzige Stellungnahme. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.03.2010, 12:12 Uhr

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