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Ein BMW für Elvis

Von Peter Ruch (Radical-Mag). Aktualisiert am 19.01.2012 4 Kommentare

Ursula Andress, Elvis Presley oder Alain Delon hatten einen. Aus gutem Grund: Der BMW 507 ist eines der schönsten Autos aller Zeiten. Trotzdem trieb er die Münchner fast in den Ruin.

1/16 BMW 507, gebaut zwischen 1956 und 1959, der wohl schönste BMW aller Zeiten.
Bild: Courtesy of RM Auctions

   

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Max Hoffman, in Österreich geboren, in den 30er-Jahren zuerst nach Paris, dann später nach New York ausgewandert, war eine der schillerndsten Figuren der Autoindustrie. Er brachte Mercedes dazu, aus dem Rennwagen 300 SL ein Auto für die Strasse zu machen, er verordnete dem Porsche 356 eine Schlankheitskur, aus der dann der legendäre Speedster hervorging. Und er konnte BMW überzeugen, ein Auto zu bauen, das die Münchner beinahe in den Ruin trieb.

Nur 253 Exemplare gebaut

Es handelt sich hierbei um den BMW 507, vorgestellt im Sommer 1955 zuerst im Waldorf-Astoria in New York, dann auch noch auf der IAA in Frankfurt. Gebaut zwischen November 1956 und 1959, 253 Exemplare sollen entstanden sein (plus der eine oder auch andere Prototyp, oder waren es nur 252, oder gar nur 251?). Der amerikanische BMW-Importeur Max Hoffman, heisst es, wollte von BMW einen Sportwagen, der die Lücke füllte zwischen dem teuren Mercedes 300 SL und dem günstigeren Porsche 356.

Es gab schon den BMW 501 (ab 1952, mit 2-Liter-Reihensechszylinder) sowie den 502 (ab 1954, zuerst mit 2,6-Liter-V8, dann auch mit 3,2-Liter-V8), und es sollen erste Entwürfe für ein Cabriolet 503 existiert haben, gezeichnet von Ernst Loof. Doch Hoffman, in den USA der wohl wichtigste Abnehmer für teure Fahrzeuge, fand diese Zeichnungen zu wenig ansprechend, heisst es, und er soll Albrecht Graf von Goertz (um genau zu sein: Albrecht Graf von Schlitz gen. von Görtz und von Wrisberg, 1914–2006) ins Gespräch gebracht haben. Goertz war kein gelernter Designer, ganz im Gegenteil, er hatte nach seiner Ankunft in den USA 1936 zuerst einmal nur Autos gewaschen, doch sein feines Händchen setzte sich schnell durch.

Nach dem 2. Weltkrieg lernte er Raymond Loewy kennen, der ihn für Studebaker anstellte. Doch die beiden sturen Köpfe kamen nicht miteinander aus, also machte sich Goertz selbständig und erhielt tatsächlich von BMW den Auftrag, auf Basis des 501/502 die Modelle 503 und 507 zu zeichnen. Da gehen die Zahlen dann aber etwas auseinander: Es heisst, Goertz habe schon 1953 den Auftrag erhalten, doch es ist anscheinend nachgewiesen, dass sich Hoffman erst 1954 für das Projekt interessierte.

Alu-Klasse komplett von Hand aufgebaut

Egal, Goertz zeichnete einen 503 und auch einen 507, und beide Fahrzeuge wurden gebaut. Hoffman hatte den Wunsch geäussert, dass der BMW-Roadster sich in den USA zu einem Preis von etwa 5000 Dollar verkaufen lassen würde, und er war der Überzeugung, dass sich dann etwa 5000 Stück pro Jahr verkaufen lassen würden. Doch die hohen Produktionskosten führten dazu, dass der 507 in Deutschland dann 26'500 D-Mark kostete – fast so viel wie ein 300 SL mit Flügeltüren – und in den USA zuerst für 9000, dann für 10'500 Dollar angeboten werden musste. Der Grund lag darin, dass die Alu-Karosse komplett von Hand aufgebaut werden musste – es gibt keine zwei 507, die genau gleich sind.

Das hat dann auch Folgen für das handgedengelte Hardtop, mit dem die meisten Fahrzeuge bestellt wurden – ein jedes passt nur genau auf jenen 507, für den es gefertigt wurde. Mit 1330 Kilo war der BMW aber deutlich leichter als der ebenfalls mit einer Alu-Karosse versehene 300 SL. Der 507 baute auf der gleichen Plattform wie das unterschätzte 503 Cabrio auf, doch der Radstand wurde von 2,84 auf 2,48 Meter verkürzt. Der BMW ist aber trotzdem beachtliche 4,83 Meter lang, dafür nur 1,26 Meter hoch.

Die Fahrleistungen hingegen waren eher mittelmässig. Der 3,2-Liter-V8 aus dem BMW 502 war zwar eine feine Maschine, doch die 150 PS bei 5000 U/Min. waren nicht gerade wild; zwei Solex-Zenith-Doppelvergaser sorgten für die (reichliche) Benzinzufuhr. Geschaltet wurde über ein manuelles 4-Gang-Getriebe, das mit verschiedenen Achs-Untersetzungen zu haben war. Mit dem Standardgetriebe wurde ein 507 von der «Motor Revue» einst gemessen, die Höchstgeschwindigkeit lag bei noch beachtlichen 196 km/h, doch für den Sprint von 0 auf 100 km/h brauchte der BMW nicht gerade berühmte 11,1 Sekunden.

Elvis liess einen Ford-V8 einbauen

Da wundert es nicht, dass einer der berühmtesten 507er-Käufer, Elvis Presley, seinem BMW bald schon einen Ford-V8 einpflanzen liess. Presley hatte den BMW 1959 gebraucht in Deutschland gekauft, als er ebendort als GI diente, für gerade einmal 3500 Dollar; er verschenkte ihn 1963 samt Ford-Motor an Bond-Girl «Ursi-National» Andress, die den Wagen bis 1997 behielt und dann für 350'000 Dollar verkaufen konnte. Andere berühmte 507er-Besitzer: John Surtees erhielt von Graf Agusta einen geschenkt, als er 1956 Motorradweltmeister in der 500-Kubik-Klasse wurde. Surtees experimentierte dann mit Dunlop an der Entwicklung von Scheibenbremsen, und sein 507 dürfte das einzige Exemplar sein, das rundum mit diesen Scheibenbremsen ausgerüstet ist. Auch Bernie Ecclestone hatte mal einen, und Alain Delon.

Einmal abgesehen von den eher mageren Fahrleistungen – die Achtzylinder-BMW aus den 50ern trieben BMW fast in den Ruin. 1959 sollte BMW von Mercedes übernommen werden, doch die Kleinaktionäre und die Familie Quandt verhinderten eine Übernahme. Die Quandts erhielten als Dank ein Einzelstück eines CS 3200 Bertone Cabrios. Was für BMW keinen grossen Schaden bedeutete, denn die Bertone-Cabrios waren wie alle Achtzylinder eh keine Verkaufsrenner.

Am 19./20. Januar kommt im amerikanischen Scottsdale wieder einmal einer der noch 202 verbliebenen 507 zur Versteigerung, dies beim RM Auctions. Diese schwarze Schönheit verfügt zwar nicht mehr über den originalen Motor – und doch wird ein Zuschlagspreis von nicht unter einer Million Dollar erwartet. Immerhin einmal kann der 507 den 300 SL übertrumpfen.

Weitere Berichte und Bilder zu Klassikern auf Radical-Classics.com (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.01.2012, 10:55 Uhr

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4 Kommentare

Daniel Zollinger

20.01.2012, 09:10 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Ein Traumwagen par Excellence! Irgendwie erinnert mich der Wagen ein bisschen an den AC Cobra dazumals! Antworten


Ulrich Rusch

20.01.2012, 10:14 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Ja war auch mein erster Eindruck! Nur kam die Cobra erst knapp 10 Jahre später auf die Strasse. Antworten



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