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Eiskalt am Limit

Von Thomas Borowski, Drevsjø. Aktualisiert am 10.01.2012

Taugt ein Elektroauto wie der Tesla Roadster auch unter extremen Bedingungen? Wir haben es im hohen Norden ausprobiert.

1/4 Elektroautos sind nicht wirklich wintertauglich...
Bild: Tesla Motors/DMW Foto.no

   

Tesla Roadster selber fahren

Mit der «Swiss Alp Tour 2012» bietet Tesla Motors Schweiz Gelegenheit, den Roadster an verschiedenen Daten Ende Januar bis Mitte Februar in Verbier, St. Moritz, Gstaad, Saas-Fee und Crans Montana unter winterlichen Bedingungen Probe zu fahren. Informationen unter: www.teslamotors.com/switzerland

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Das Ferdinand Ice Festival im mittleren Osten von Norwegen ist nur etwas für harte Kerle – und ihre Autos. Jährlich treffen sich hier auf dem Vurrusjøen-Ice-Way rund 60 Auto-Enthusiasten des Norsk Sportsvogn Klubb mit ihren fahrbaren Untersätzen, um einmal im Jahr während eines langen Wochenendes ihrer grössten Leidenschaft zu frönen: dem exzessiven Schnellfahren auf dem 4,4 Kilometer langen Rundkurs. Speziell an der Strecke ist, dass sie auf einem zugefrorenen See angelegt ist und deshalb über blankes Eis führt. Und dass der ganze Anlass bei bitterkalten Minustemperaturen von rund 15 Grad unter Null durchgeführt wird. Am vergangenen Wochenende war es wieder Zeit für das aussergewöhnliche Ice-Festival.

Abenteuer abseits der Strasse

Ingar Boreid ist, wie bereits in den vergangenen 15 Jahren seit der Gründung des Festivals, mit voller Begeisterung dabei. Der 50-jährige Arzt aus Oslo strahlt während dieser dreier Tage übers ganze Gesicht. Verständlich wird dies, wenn man mit ihm ins Plaudern kommt: «In ganz Norwegen gelten sehr restriktive Geschwindigkeitsregeln. Auf den kurzen Autobahnstücken darf man maximal 110, auf den Landstrassen aber nur höchstens 80 Stundenkilometer schnell fahren», sagt Boreid, «und da macht es einfach Riesenspass, hier während dreier Tage mal so richtig Gas geben zu können.» Sagt es und fährt für die nächste Runde auf der Rennstrecke in seinem Ford Focus RS davon. Dem rasenden Arzt folgen weitaus stärker motorisierte Autos: Lamborghini, Ferrari, Porsche, Audi, Toyota, Subaru und zahlreiche Boliden mit Spoilern und teils dicken Spike-bewehrten Reifen folgen ihm aufs Eis.

Am diesjährigen Festival bekommen die dick in Winterkleider gepackten Zuschauer aber nicht nur röhrende Benzinmotoren zu hören und deren Abgase in der eisigen Luft zu schnuppern. Denn unter den wild ums Rund kreisenden Fahrzeugen fallen drei lautlose Elektro-Roadster der Marke Tesla auf. Der kalifornische Autohersteller hat eine Handvoll Journalisten dazu eingeladen, sich während des Festivals ein Bild davon zu machen, wie sich die rein elektrisch angetriebenen und emissionsfreien Fahrzeuge auch bei ärgsten klimatischen Bedingungen bewähren, sagt der Schweizer Tesla-Länderchef Jochen Rudat: «Speziell für die Schweiz ist es interessant, zu zeigen, dass unser stromgetriebener Roadster auch ein voll wintertaugliches Fahrzeug ist.»

Der Eisparcour wird zur Kür

Das stellen die drei zur Verfügung stehenden Tesla-Roadster tatsächlich eindrücklich unter Beweis. Einer davon ist eine normale Serienversion, zwei sind mit Überrollbügeln, Carbonsitzschalen und Dreipunktgurten speziell für den Renneinsatz hergerichtet, wie Rudat erklärt:

«Die einzige technische Änderung an den beiden Rennmodellen ist ein leicht abgeändertes Temperaturmanagement der Batteriepakete für den Renneinsatz.» Alle drei Sport-Roadster haben einen 288 PS starken Elektromotor an Bord, der die Hinterachse mit 400 Newtonmeter Drehmoment bedient. Und diese Kraft macht es aus, dass die Eisfahrt im Tesla nach ein paar Eingewöhnungsrunden zum echten Gaudi wird. Zwar ist der Tesla mit 1238 Kilogramm ein Leichtgewicht, doch das 400 Kilogramm wiegende Batteriepaket im Heck sorgt dafür, dass die Hinterräder auch ohne Spikes genügend Grip haben. Auf der rund 1,2 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsgeraden lassen wir es bei 120 Stundenkilometern gut sein. Denn die getunten Allradler unserer norwegischen Freunde wirbeln beim Vorbeirasen mit rund 200 Sachen dermassen viel Schnee auf, dass unsere Fahrt zwischendurch zum Blindflug wird.

Dafür wedeln wir in den Links-rechts-Kombinationen mit dem Tesla elegant durch die Kurven. Mit deaktivierter Traktionskontrolle genügt ein leichtes Antippen des Gaspedals, und der Roadster stellt sich flugs in den Seitendrift. Wortwörtlich eiskalt kurven wir so immer hart am Limit. Und mit jeder Runde wird das Gefühl stärker, dass mit dem vermeintlichen Schönwetter-Roadster auch die Fahrt in die winterliche Schweizer Bergwelt durchaus eine Option sein könnte. Denn auch die Batterieladeanzeige des Bordcomputers scheint von den arktischen Temperaturen und dem wilden Ritt übers Eis nicht negativ beeinflusst. Logisch steht im Digitaldisplay am Ende des Renntages nicht mehr die vom Werk angegebene Maximalreichweite von 400 Kilometern. Aber die verbleibende Ladung reicht locker dazu aus, die Tesla auf der verschneiten Landstrasse in aller Ruhe zum rund 10 Kilometer entfernten Hotel zu fahren.

Letzter Tesla geht nach Genf

Beim gemeinsamen Abendessen im Hotel gibt der Arzt aus Oslo dann noch seine Meinung zu den Elektro-Roadstern ab: Daumen hoch. Auch die Journalistengruppe ist sich einig, dass diese Extremerfahrung die Meinungen über die Alltagstauglichkeit von Elektrofahrzeugen im Winter positiv beeinflusst hat. Und beinahe kommt schon so etwas wie Neid auf, als der Schweizer Tesla-Länderchef erzählt, dass die letzte Seriennummer mit dem entsprechenden Roadster des auf 2500 Stück limitieren Tesla bereits einem im Kanton Genf wohnhaften Kunden verkauft worden ist: «Dafür bezahlt er 469000 Franken und erhält ein Unikat in einem speziellen Weiss sowie ein von Brabus veredeltes Interieur und einige andere Extras», sagt Jochen Rudat. Gut zu wissen, dass auch sonst noch ein paar Roadster zu haben sind – und die kosten mit 118 300 Franken deutlich weniger.

Thomas Borowski fuhr den Tesla Roadster am 7. Januar auf Einladung von Tesla Motors in Norwegen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.01.2012, 09:57 Uhr

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