Arme, Alte und Ausländer treiben Prämien in die Höhe

Basel-Stadt ächzt unter Zentrumslasten und steigenden Gesundheitskosten – Baselland beschert die Überalterung höhere Prämien.

Lebensqualität kostet: Die immer ältere Bevölkerung verursacht einen rasanten Anstieg der Gesundheitskosten.

Lebensqualität kostet: Die immer ältere Bevölkerung verursacht einen rasanten Anstieg der Gesundheitskosten. Bild: Alexander Preobrajenski

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Auch im kommenden Jahr kennen die Krankenkassenprämien nur eine Richtung – die nach oben. So auch im Kanton Basel-Stadt, wo die Prämien für Erwachsene durchschnittlich um 2,3 Prozent steigen, die von jungen Erwachsenen (19 bis 25 Jahre) um 1,7 Prozent beziehungsweise um 1,2 Prozent bei Kindern. Im gleichen Umfang werden zudem die kantonalen Prämienverbilligungen für einkommensschwache Haushalte erhöht, wie der Kanton gestern mitteilte.

Damit sind die Prämienzahler im Kanton Basel-Stadt noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen, wie Peter Indra, Leiter Gesundheitsversorgung im Basler Gesundheitsdepartement, sagt: «Nach einem intensiven Austausch mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) konnten gewisse von den Versicherern eingegebene Prämien reduziert werden.» Ursprünglich habe man im Gesundheitsdepartement eine weitaus höhere Prämiensteigerung befürchtet, während die Gesundheitskosten im letzten Jahr in Basel gemäss Indra kaum und im laufenden Jahr um nur gerade einmal 1,1 Prozent gestiegen seien. «Die jetzige Erhöhung um 2,3 Prozent kommt beinahe der von uns kommunizierten Obergrenze von zwei Prozent gleich und ist zwar immer noch zu hoch, aber vertretbar», sagt Indra.

Nichtsdestotrotz bleibt der Kanton Basel-Stadt mit den neusten Prämien Spitzenreiter im Vergleich mit der übrigen Schweiz: Während Erwachsene in Basel ab kommendem Jahr im Schnitt 546 Franken monatlich für ihre Krankenkasse zahlen, sind es in Appenzell Innerrhoden mit 327 Franken mehr als 200 Franken weniger.

Basler konsumieren mehr

Hauptgrund für die steigenden Prämien sind gemäss Peter Indra die ebenfalls stetig steigenden Gesundheitskosten im Kanton Basel-Stadt: «Obwohl wir im stationären Bereich eine Stabilisierung der Kosten verzeichnen konnten, sorgt der nach wie vor wachsende Konsum, vor allem im ambulanten Bereich, für immer höhere Gesamtkosten.» Neben der hohen Anzahl von im Kanton niedergelassenen teuren Spezialärzten kämpft Basel-Stadt bei den Gesundheitskosten laut Indra vor allem mit einem Mengenproblem: «Die Behandlungskosten in Basel-Stadt sind nicht höher als im Rest der Schweiz, doch beanspruchen Baslerinnen und Basler viel häufiger medizinische Leistungen.» Wegen seiner Zentrumsfunktion sei Basel ausserdem attraktiv für Personen, die hohe Gesundheitskosten verursachen, so Indra weiter. «Der Hang zu mehr Konsum von Gesundheitsleistungen ist bei sozial schwachen Personen und Ausländern, die mit dem Hausarztmodell nicht vertraut sind, ausgeprägter.» Zudem fehle in Basel-Stadt das Umland, das in anderen Kantonen Zentrumseffekte abfedere.

Um die steigenden Gesundheitskosten dennoch einigermassen in den Griff zu bekommen und das Wachstum abzuschwächen, plädiert Peter Indra für eine stärkere Grundversorgung mit Gruppenpraxen. Ein «Modell der Zukunft» seien ausserdem Triage-Modelle, wie etwa jenes im Universitätsspital Basel, wo bereits eine «spürbare Entlastung» der teuren Notfallaufnahme zu verzeichnen sei, so Indra.

Viele Rentner im Baselbiet

Im Baselbiet liegen die Durchschnittsprämien junger Erwachsener und Erwachsener ab 26 Jahren zirka 100 Franken tiefer als in Basel. Dennoch stiegen die Prämien mit 4,4 Prozent einiges stärker als in der Stadt. Der Prämienanstieg macht real zirka 20 Franken pro Monat aus, liegt aber im Schweizer Durchschnitt.

Anders als die Berichte über explodierende Gesundheitskosten vermuten liessen, gehört Baselland also nicht zu den Kantonen mit dem stärksten Wachstum. Jürg Sommer, Leiter des Baselbieter Amtes für Gesundheit, ortet die Kostensteigerung einerseits in der überdurchschnittlichen Versorgungsdichte. Das heisst in der hohen Anzahl Spitäler und frei praktizierender Ärzte. Zudem leben im Baselbiet im Vergleich zur Restschweiz verhältnismässig mehr über 65-jährige Menschen.

Sommer erwartet darum auch im nächsten Jahr eine Prämiensteigerung «im Bereich des Schweizer Durchschnitts». Eine Zahl nennt er nicht. Gegen die überdurchschnittliche Alterung des Baselbiets scheint der Kanton machtlos. Was die Versorgungsdichte angeht, da sieht Sommer Möglichkeiten: «Das laufende Projekt zur Überprüfung der Zusammenarbeit im Gesundheitswesen beinhaltet die Dämpfung des Kostenwachstums, aber auch Optimierung der Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung sowie langfristige Sicherung der Hochschulmedizin in der Region», sagt Sommer. Wirksam wird die Fusion frühstens 2020. (Basler Zeitung)

Erstellt: 25.09.2015, 16:25 Uhr

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