Basel

Weindegustation am Gym irritiert Suchtfachleute

Von Alan Cassidy. Aktualisiert am 30.10.2008 14 Kommentare

Im Rahmen eines Wahlkurses degustiert eine Schulklasse am Gymnasium Liestal Wein. «Ziemlich fragwürdig», sagen die kantonalen Gesundheitsfachleute. Die Schule widerspricht: Die Diskussion um den vernünftigen Umgang mit Genussmitteln sei wichtig.

Weindegustation als Wahlkurs finden Gesundheitsfachleute pädagogisch fragwürdig.

Weindegustation als Wahlkurs finden Gesundheitsfachleute pädagogisch fragwürdig.

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«Die Geschichte und wirtschaftliche Bedeutung von Genussmitteln» – so heisst der Wahlkurs, den 23 Schüler des Gymnasiums Liestal belegt haben. Darin lernen sie, woher Schokolade, Kaffee und Wein kommen. Und sie erfahren, weshalb es einen Markt für Luxusgüter gibt, auf dem für eine Flasche Château Pétrus auch mal gut und gerne 3000 Franken bezahlt werden. Damit der Unterricht nicht allzu trocken und kopflastig daherkommt, dürfen die Gymnasiasten die Lebensmittel auch verkosten. Die Schokolade, den Kaffee – und auch den Wein. «Es geht darum, den Schülern die geschmacklichen Unterschiede zu zeigen», sagt Geschichtslehrer Lukas Bühler, einer der beiden Kursleiter. Während zwei Unterrichtsstunden habe man Wein degustiert. Dabei seien nur sehr geringe Mengen konsumiert worden: zwei Flaschen Wein in einer Klasse mit 23 Schülern, von denen alle mindestens 18 Jahre alt seien.

Das ist einigen Eltern sauer aufgestossen – sie wandten sich an die BaZ. «Sehr heikel», findet dies auch der kantonale Drogenbeauftragte Georges Krieg. Dass im Unterricht auch einmal Genussmittel verkostet würden, sei ja gut. «Aber muss es an einer öffentlichen Schule ausgerechnet Wein sein?» Er könne sich gut vorstellen, dass Eltern darauf beunruhigt reagieren. «Im Rahmen des Unterrichts ist das ziemlich fragwürdig», findet Krieg.

Dasselbe sagt Irene Renz, die Leiterin der kantonalen Fachstelle für Gesundheitsförderung: Persönlich irritiere sie das, wenn an einer Schule Alkohol zum Probieren abgegeben werde. Die Schule wehrt sich gegen die Vorwürfe. Er verstehe, dass Alkohol an der Schule «ein sensibles Thema» sei, sagt Thomas Rätz, Rektor des Gymnasiums. So wie die Degustation in den theoretischen Unterricht eingebettet sei, habe er aber damit kein Problem. «Die Diskussion über einen vernünftigen Umgang mit Genussmitteln wie Alkohol ist ein Bestandteil des Kurses», sagt Co-Kursleiter Reto Güdel, «gerade angesichts von Botellones und Harassenläufen.» Aufgabe der Schule sei es, ihre Abgänger als verantwortungsbewusste Menschen in das Leben nach der Schule zu entlassen. «Wie man Jugendliche am besten an das Thema Alkohol heranführt, ist unter Fachleuten umstritten», sagt Fachstellenchefin Renz. Es gebe solche, die das Erlernen des Umgangs auf eine kontrollierte Weise befürworteten, und jene, die forderten, dass Jugendliche möglichst lange davon ferngehalten werden. Ihre persönliche Einschätzung: «Eine Weindegustation müsste das Kollegium an der Schule gründlich diskutieren. Auch dann, wenn alle Teilnehmer volljährig sind.» Schliesslich spreche sich eine solche Aktion rasch in der ganzen Schule herum. «Somit hat das auch Auswirkungen auf jüngere Schüler», sagt Renz.

Bildungsdirektor Urs Wüthrich (SP) gibt zu, dass es «vielleicht geeignetere Formen» gebe, um den Umgang mit Alkohol zu thematisieren. Für irritierte Eltern habe er deshalb Verständnis. Er will jedoch angesichts des «freizügigen Umgangs mit Alkohol in unserer Gesellschaft keine Doppelmoral»: Es sei verlogen, wenn man versuche, das Thema Alkohol in der Schule auszublenden. (Basler Zeitung)

Erstellt: 30.10.2008, 09:51 Uhr

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14 Kommentare

heinz müller

30.10.2008, 10:01 Uhr
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meine damen und herren ich finde dies eine schweinerei, wir haben doch auch gesoffen als wir jung waren. wenn diese kinder heutzutage and er schule lernen wie mit suchtmittel umzugehen ist dies doch eine gute sache Antworten


Wein Hein

30.10.2008, 10:04 Uhr
Melden

Aber hallo, so was scheinheiliges. Die Jungen saufen sich ins Koma mit billigstem grässlich schmeckendem Fusel. Da ist es doch äusserst sinnvoll, den Kids zu zeigen, dass Alkohol auch ein Genussmittel ist. Alkohol ist der beste Aromaträger. Wer nun behauptet, so eine Weinlektion würde die Kids zum Saufen animieren, ist weltfremd. Mich irritieren die irritierten Eltern. Antworten



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