Basel

Das Charivari verzichtet auf grosse Spende

Von Markus Prazeller. Aktualisiert am 30.10.2009

Die Vorfasnachtsveranstaltung lehnte 120'000 Franken eines Mäzens ab. Die Absage des Charivari 2010 könnte ein rechtliches Nachspiel haben. Der Betreiber des Volkshauses prüft eine Schadenersatzklage.

Charivari abgesagt: Der Grosse Saal im Volkshaus bleibt nächstes Jahr während der Vorfasnacht leer.

Henry Muchenberger

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Gross war das Bedauern in Fasnachtskreisen, als der Charivari-Vorstand letzte Woche mitteilte, dass die beliebte Vorfasnachtsveranstaltung in dieser Saison ausfällt (die BaZ berichtete). Den Veranstaltern fehlen rund 120'000 Franken, um das Charivari 2010 durchzuführen. Die Nachricht über das Aus muss auch einen potenten Geldgeber getroffen haben: Wie Recherchen der BaZ ergaben, wollte ein nicht genannter Mäzen das Charivari retten. Er meldete sich letzten Sonntag beim Vorstand und bot an, für das Defizit aufzukommen. Der Vorstand lehnte die Spende in der Höhe von rund 120'000 Franken aber ab und verzichtete auf die Durchführung der Veranstaltung.

Gegenüber der BaZ bestätigte Charivari-Obmann Daniel Thiriet die Absichten des Mäzens. Um wen es sich handelt, wollte er hingegen nicht sagen. «Das Angebot hat uns vor eine schwierige Entscheidung gestellt», sagt Thiriet. Nach einer «schlaflosen Nacht» und einem Gespräch mit seinen Vorstandskollegen und dem Ehrenvorstand sei er zur Einsicht gekommen, dass eine «in letzter Sekunde gerettete Vorstellung» die grundsätzlichen Probleme des Charivaris nicht löse.

Zu spätes Angebot, zu hohe Produktionskosten

Auch organisatorisch wäre es nur schwer möglich gewesen, die Vorstellung doch noch auf die Beine zu stellen. Zu gross seien die Zweifel des Organisationsteams und der Sponsoren gewesen. «Auch viele potenzielle Besucher haben sich schon darauf eingestellt, eine andere Veranstaltung zu besuchen. Die wären nicht mehr zu uns gekommen», so Thiriet. Gestolpert ist das Charivari über die Produktionskosten von 240'000 Franken für die Vorstellung – mit Ticketverkäufen, Sponsorenbeiträgen und budgetierten Catering-Einnahmen konnte nur gerade die Hälfte gedeckt werden. Die spielfreie Saison will der Vorstand unter Thiriet nun für «grundsätzliche Überlegungen» nutzen. Für ihn ist bereits jetzt klar: «Wir müssen unsere Kosten senken.»

Denkbar wäre etwa der Umzug in eine andere Lokalität. Bisher spielte das Charivari im Grossen Saal des Volkshauses beim Claraplatz – und liess sich das mehrere Zehntausend Franken pro Jahr kosten. Eine Abkehr von der Volkshaus-Bühne wäre vertraglich problemlos möglich. Der Mietvertrag zwischen Charivari und der Eigentümerin des Saales, den Immobilien Basel-Stadt, wird immer nur für ein Jahr unterschrieben. Das ist vor allem für die Veranstalter des Charivaris ein Trost: Der Mietvertrag für die inzwischen abgesagte Vorstellung hätte nämlich erst diese Woche unterschrieben werden sollen.

Volkshaus-Betreiber droht mit Schadenersatzklage

Keine Freude am leer bleibenden Saal hat Martin Künzel, Betreiber des Volkshauses. Er droht gar mit einer Schadenersatzklage gegen die staatliche Immobilienverwaltung oder die Charivari-Betreiber. Künzel bezeichnet es als «Frechheit», dass der Mietvertrag nicht schon längst abgeschlossen worden sei. Das Interesse am Saal sei sehr gross gewesen. «Weil ich aber mit dem Charivari rechnete, musste ich allen Interessenten absagen. Und jetzt stehe ich mit leeren Händen da», klagt Künzel.

Andreas Kressler, Geschäftsleiter von Immobilien Basel-Stadt, wehrt sich: Das Charivari sei ein langjähriger Partner, «und wenn es einem Partner kurzfristig schlecht geht, muss man Verständnis für seine Situation aufbringen und eine faire Lösung suchen». Einer Schadenersatzklage sehe er gelassen entgegen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 30.10.2009, 13:47 Uhr

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