Basel
Fasnacht 2010: Auf Arafat und Sharon folgt Gaddafi
Von Dominik Heitz. Aktualisiert am 05.02.2010 12 Kommentare
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Passt Gaddhafi zur Basler Fasnacht?
Der libysche Diktator Gaddhafi ist das beliebteste Sujet der Basler
Fasnacht. Das Comité hofft auf eine «sorgfältige Umsetzung», damit es keine Irritationen in der arabischen Welt gibt. Kann das wirklich gut gehen?
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Als vor einigen Wochen die Nachricht die Runde machte, dass ein Korrespondent des arabischen Fernsehsenders Al Jazira die Basler Fasnacht besuchen und die Sujets auf Minarett-Motive abklopfen würde, zuckten einige leicht zusammen und erinnerten sich an den weltweit in die Schlagzeilen geratenen und immer noch schwelenden Karikaturenstreit.
Andere werden an die Fasnacht 2003 gedacht haben, als die Alti Stainlemer unter dem Sujet «Draumhochzyt» den Nahostkonflikt zwischen Israelis und Palästinensern thematisierten und vor allem in jüdischen Kreisen Anstoss erregten – mit dem Resultat, dass das Fasnachts-Comité der Clique die Subventionsgelder kürzte. Die Begründung: Einzelne Laternenverse hätten «die Grenze des ethisch Vertretbaren deutlich überschritten».
Ein einziges Mal die Minarett-Initiative
Der gestern vom Fasnachts-Comité präsentierte Fasnachtsführer «Rädäbäng» hat nun einiges geklärt: In der Rangliste der diesjährigen Fasnachtssujets kommt das Wort Minarett und damit das Thema Islam gerade ein einziges Mal vor. Es stammt aus der Feder der Lälli-Clique, die kürzlich wegen einer Cliquenspaltung von sich reden machte. Ihr Sujet-titel «Ach-Mann-isch-das-schad» – abgeleitet von Ahmadinejad, dem iranischen Präsidenten – thematisiert nicht nur das Spannungsfeld zwischen Christentum und Islam, sondern auch grundsätzlich die politische Instrumentalisierung von Religionen.
Dass die Minarett-Initiative – und erst noch indirekt – nur ein einziges Mal auftaucht, ist nicht verwunderlich. Die meisten grossen Cliquen müssen ihre Sujets schon im Oktober festlegen, um rechtzeitig Larven und Kostüme herstellen zu können. Die Abstimmung über die Minarett-Initiative aber fand erst Ende November statt. Immerhin darf man gespannt sein, wie die Schnitzelbänke dieses Sujet verarbeiten.
Auch die Wirtschaftskrise ist beliebt als Sujet
Unpolitisch sind die Comité-Fasnächtler deswegen nicht. An erster Stelle der vom Fasnachts-Comité zusammengestellten Sujet-Hitliste steht das Kräftemessen zwischen Gaddafi und Bundesrat Merz; 35 Formationen haben dieses Sujet gewählt. Mit 20 Eintragungen im «Rädäbäng» steht das 100-jährige Fasnachts-Comité an zweiter Stelle, gefolgt von Blamagen, die sich die Schweiz im vergangenen Jahr geleistet hat (17), und der Finanz- und Wirtschaftskrise (16).
Auf lokaler Ebene sind neben dem Geburtstag des Fasnachts-Comités Themen wie der City-Beach auf dem Messe-Parking, die Grillmeile am Rhein, das anstehende Rauchverbot und Trudi Gersters 90. Geburtstag aufgenommen worden.
Insgesamt haben sich 484 Gruppierungen angemeldet – «eine seit Jahren einigermassen konstante Grösse», wie Comité-Obmann Felix Rudolf von Rohr sagte. Auch die Zahl der am Cortège teilnehmenden Aktiven von gegen 12 000 dürfte ungefähr gleich bleiben. Die im letzten Jahr veränderte Route, die wegen ihrer Verkürzung teilweise zu erheblichen Staus geführt hatte, wird in diesem Jahr beibehalten. Eine bessere Planung soll diesmal für einen flüssigeren Ablauf sorgen. (Basler Zeitung)
Erstellt: 05.02.2010, 08:31 Uhr
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12 Kommentare
Fasnacht ist anarchisch - und Anarchie kümmert sich nicht um Irritationen, egal ob im arabischen Raum oder bei uns. Wenn unsere Fasnacht auf alle möglichen Irritationen Rücksicht nehmen muss, wird sie kastriert, verliert ihre Zähne und somit Inhalt und Berechtigung. Ein gutes Sujet ist ein Tanz auf Messers Schneide: die Grenzen ausloten und gleichzeitig z.B. religiöse Gefühle nicht verletzen. Antworten
Dann hat aber das Wüsten TV eigens zu Berichten von der Basler Fasnacht! Gut, der Wüstensohn Gaddafi hat ja mit seinen komischen Kleidern und Uniformen eh das ganze Jahr Wüstenparty bei sich zu hause. Wahrscheinlich will er sich Impressionen für sich selber beschaffen. Ich freue mich auf die Fasnacht 2010. Antworten

Hans Marty
@Suzette Preiswerk da Mota Veiga: Ganz ehrlich, das kann uns sowas von egal sein! Früher scherrte man sich auch einen Dreck darum, wie man beispielsweise Sujets über die Deutschen ausspielte. Das wäre ja der Oberhammer wenn wir uns nun nach dem Nahen Osten richten würden.. Antworten