Basel

Einkaufen bis zum Umfallen

Von Dieter Bachmann. Aktualisiert am 24.09.2009 2 Kommentare

In der Schweiz gibt es 139 Shoppingcenter, 22 weitere sind geplant. In der Region sollen ausser der Stücki noch drei weitere Zentren entstehen. Denn auch wenn die Wirtschaftskrise den Boom dämpfen wird – die zentralen Treiber dieser Entwicklung bleiben bestehen.

Bild: Keystone

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Das erste Opfer könnte das Ebisquare vor den Toren Luzerns sein: Bei dem projektierten 40'000 Quadratmeter grossen Shoppingcenter mit Bade- und Wellnessbereich ist im März der Investor abgesprungen. Der Lifthersteller Schindler, Besitzer des Grundstücks, ist seither auf der Suche nach einem Ersatz. Die Zeit drängt, da das Baugesuch per Ende 2009 abläuft. Für Detailhandelsexperte Thomas Hochreutener vom Marktforschungsinstitut GfK mit Sitz in Hergiswil (NW)kommt das nicht überraschend. Er warnt schon lange vor einem Überangebot an Verkaufsflächen: «Man kann nur hoffen, dass es sich einige Investoren wegen der Wirtschaftskrise anders überlegen», sagt er. Denn: «Es gibt nun wirklich genügend Verkaufsfläche in der Schweiz.» Er ist überzeugt: Nur die Toplagen werden überleben und die B-Lagen werden Mühe haben. Der Branchenkenner kann sich gut vorstellen, dass früher oder später auch Einkaufszentren schliessen werden. Insbesondere kleinere Bauten (unter 10'000 m2) in Randregionen, die nicht an grossen Verkehrsströmen liegen, sind gefährdet – wenn sie etwa Konkurrenz durch ein attraktiveres Projekt erhalten. Hochreutener, der seit zwanzig Jahren die Branchenpublikation «Detailhandel Schweiz» herausgibt, weiss, wie die Investoren ticken. Und deren Rechnung ist allerdings eine andere als diejenige der Bevölkerung, die sich fragt: «Was, schon wieder ein neues Einkaufszentrum?» Er kennt die drei Haupttreiber hinter der Entwicklung:

  • Ausländische Konzerne:
  • Für ausländische Ketten ist die Schweiz wegen der hohen Kaufkraft verlockend. Internationale Detailhändler wachsen fast nur noch über Expansion. Da steht auch die Schweiz irgendwann auf der Liste. Jüngstes Beispiel ist die französische Sportfachmarkt-Kette Decathlon, die vorerst in der Westschweiz Fuss fassen will. Oder der Elektronikhändler Saturn («Geiz ist Geil»), der in die Stücki kommt. Dass die Ausbreitung hierzulande alles andere als einfach ist, haben allerdings schon einige der grossen Ketten erfahren müssen. Zurückgezogen haben sich etwa Carrefour oder Marks & Spencer. Im Begriff, sich zu verabschieden, ist der französische Elektronikhändler Darty. Er will seine drei Läden an Coop verkaufen.

  • Vertikalisierung des Handels:
  • Immer mehr Marken treten mit eigenen Läden am Markt auf, um die Umsätze nicht mit dem Handel teilen zu müssen. Nike, Calida, Palmers, Esprit, Apple oder WMF sind nur ein paar von unzähligen Beispielen. Damit tun sie das, was H&M, Zara und andere schon lange erfolgreich vormachen.

  • Mehr Fläche:
  • Die Geschäfte werden grösser, weil die Händler mit mehr Fläche versuchen, mehr Umsatz zu erzielen – was bis zu einem gewissen Grad auch tatsächlich funktioniert.

Einzugsgebiet erweitern

Eine nicht zu vernachlässigende Rolle bei der Planung eines Einkaufszentrums spielen auch die Kunden, zumindest die potenziellen. Die Investoren haben ein Interesse, mit einem grossen Einzugsgebiet zu rechnen, weil davon die Höhe der Mieten abhängt, die sie verlangen können. Eine Möglichkeit, das Einzugsgebiet zu erweitern, ist es, ausser Shopping auch Badespass anzubieten, wie dies das Berner Westside-Zentrum tut: Mit einem solchen Extra-Angebot wird die Distanz zum nächsten vergleichbaren Zentrum automatisch grösser. Bei den Basler Zentren Stücki und Erlenmatt rechnen die Betreiber auch das deutsche und französische Umland dazu. Umgekehrt rechnen die Planer des Centers Rhein-Arcaden in Weil sowie des französischen Riesenprojekts beim EuroAirport mit Schweizer Kunden.

Euphorie verfliegt

«Das Risiko für die Investoren ist sehr klein», sagt Experte Hochreutener. «Wenn das Center die nötige Frequenz nicht erreicht, ist der Mietertrag ja trotzdem da. Das sind alles langfristige Verträge. » Grosse Händler wie Migros, Coop, Media-Markt oder H&M würden die Miete auch dann bezahlen, wenn mal ein Laden nicht so gut laufe. Beim im Herbst 2008 eröffneten Westside ist bei einigen Mietern aber bereits die Anfangseuphorie verflogen, weil sie ihre Umsatzziele nicht erreicht haben.

Thomas Hochreutener ist deshalb gespannt, welche Auswirkungen die Eröffnung des Stücki-Centers haben wird: «Es gibt Städte wie Zürich, in denen die Leute mit den nahe liegenden Einkaufszentren Glatt oder dem Shoppi Tivoli aufgewachsen sind. Die Basler sind sich jedoch gewöhnt, in der Innenstadt einzukaufen. Solche Gewohnheiten ändern sich nur langsam», mahnt er. (Basler Zeitung)

Erstellt: 24.09.2009, 10:45 Uhr

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2 Kommentare

rene klingler

24.09.2009, 13:59 Uhr
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Bin gespannt wann der erste Kollaps kommt und diese Riesen sich selber gebodigt haben und dicht machen müssen! Das ganze ist lediglich eine Verlagerung, es wird nicht mehr eingekauft als bisher, bestimmt werden alsbald günstige Lagerflächen zu haben sein. Antworten


Rudi Buchmann

28.09.2009, 08:18 Uhr
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Im Stücke gibt es alles "ganz nahe". Aber es gibt so viele Geschäfte, dass die Wege, wenn man gezielt einkaufen will, kaum kürzer sind. Zwischen dem Haupteingang und dem Eingang der Migros benötigt man relativ viele Schritte. Interessant ist das Stücki eigentlich nur für jene, die mit dem Auto anreisen oder die in der Nähe wohnen. Zu Fuss ersetzt das Stücki die Ambiance der Innenstadt nicht. Antworten



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