Basel
Die Wirtschaftskrise lässt die Kirchen zittern
Von Andreas Hirsbrunner. Aktualisiert am 24.05.2009 8 Kommentare
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«Wir sind im Moment in einer sehr unsicheren und anstrengenden Planungsphase», sagt Albert Equey, der im Landeskirchenrat der Baselbieter Katholiken für die Finanzen zuständig ist. Mit «unsicher» meint er die Auswirkungen der Wirtschaftskrise, die den Katholiken ab nächstem Jahr Steuerrückgänge bei den juristischen Personen bis zu einer Million Franken bescheren könnten. Und dies in einer Zeit, in der die beiden Landeskirchen die Nachwehen der Unternehmenssteuerreform zu verdauen haben. Diese hat den Katholiken seit dem letzten Jahr Einbussen von einer und den Reformierten von 1,3 Millionen Franken beschert. Bei den vor Kurzem begonnenen Gesprächen zwischen den beiden Landeskirchen in Stadt und Land über die Zukunft der gemeinsam getragenen Einrichtungen wie Industrie- und Aidspfarramt ist die angespannte finanzielle Situation ein Thema. Equey spricht in diesem Zusammenhang von einer anstrengenden Planungsphase.
Reserven knapp
Die Tendenz gehe in Richtung Zusammenlegung von Aufgabenbereichen, um Synergien zu nutzen. Equey fügt bei: «Spätestens 2012 sollten die Massnahmen greifen. Solange haben wir noch finanziellen Atem.» Ähnlich tönt es seitens der reformierten Kirche in Baselland. So sagt der designierte Kirchenratspräsident Martin Stingelin: «Auch wir stehen unter Spardruck. Unsere Reserven sind begrenzt.»
Viele Austritte
Dramatischer sieht die finanzielle Situation bei den Landeskirchen in der Stadt aus, die die gemeinsamen Spargesprächsrunden laut Equey initiiert haben. Besonders alarmierend: Der seit Jahren anhaltende Mitgliederschwund hat sich in den ersten Monaten dieses Jahres bei der katholischen Kirche Basel-Stadt massiv beschleunigt.
Bis Ende April seien 360 Personen ausgetreten, sagt Xaver Pfister, Leiter von deren Informationsstelle. Von diesen hätten 62 Personen ihren Austritt explizit mit der Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Pius-Bruderschaft durch den Papst begründet. In der Vergleichsperiode des Vorjahrs hatten 197 Personen der noch rund 30 000 Mitglieder zählenden Kirche den Rücken gekehrt. Und Pfister befürchtet für das kommende Jahr noch Schlimmeres. Der angesagte zehnprozentige Aufschlag bei den Krankenkassenprämien entspreche etwa der Kirchensteuer und lasse erhöhte Mitgliederverluste befürchten. Denn in Deutschland habe sich bei der Erhebung eines Zuschlags für die Ostintegration gezeigt, dass viele Kirchenmitglieder dies mit einem Austritt kompensierten.
Papst mitschuldig
Auch im Baselbiet befürchtet der Verwalter der katholischen Kirche, Franz Schaub, Schlimmes: «Ich habe das Gefühl, dass im ersten Quartal nicht zuletzt wegen des Papstes so viele Mitglieder ausgetreten sind, wie im ganzen letzten Jahr.» Konkretes weiss Schaub erst Ende Jahr, wenn die Kirchgemeinden die Zahlen liefern.
Doch eine Umfrage bei diversen Kirchgemeinden stützt Schaubs Gefühl nicht. Der Tenor: Die Austritte bewegen sich im Rahmen der Vorjahre. Allerdings ist auch das kein Grund zur Freude: Die Baselbieter Katholiken zählten in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 604, die Reformierten 632 Austritte pro Jahr. Dies bei einem Bestand von derzeit rund 100 000 Mitgliedern in der reformierten und 80 000 in der katholischen Kirche. (Basler Zeitung)
Erstellt: 24.05.2009, 11:02 Uhr
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8 Kommentare
Die Kirchensteuer gehört sowieso abgeschaft! Dann müssten die Kirchen auch endlich wieder mal etwas leisten um Mitglieder anzuwerben.(So wie jeder andere Ferein) Es gipfelt in der Kirchensteuer für Firmen, welche zwar zahlen MÜSSEN, aber per se gar nicht Mitglied sein können. Kommt hinzu, dass viele einfach zu faul zum Austretten sind. Der eigentliche Mitgliederbestand wäre sonst noch viel tiefer Antworten
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