Basel

Von Pinguinen und den Grenzen der Veterinärmedizin

Von Raphael Gammenthaler, Andy Zesiger, Tobias Ochsenbein, Marie Jubin. Aktualisiert am 10.12.2008 3 Kommentare

Am Mittwoch informierte der Zoo Basel über die Outdoor-Saison der Pinguine und ermöglichte einen Blick in den Arbeitsalltag des Zootierarztes Christian Wenker.

Outdoor-Saison bei den Pinguinen im Zoo Basel. In der Wintersaison watscheln die Pinguine täglich gegen 11 Uhr zu ihrem Aussenquartier.

Pinguine auf ihrem Spaziergang im Zoo Basel. Foto Zoo Basel

Pinguine auf ihrem Spaziergang im Zoo Basel. Foto Zoo Basel

Tierärztliche Untersuchung an einer Löwin im Zoo Basel. Foto: Zoo Basel

Tierärztliche Untersuchung an einer Löwin im Zoo Basel. Foto: Zoo Basel

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Neue Eintrittspreise im Zoo Basel ab 1. Januar 2009
Der Zolli erhöht die Eintrittspreise ab 1. Januar 2009. Alle Erwachsenenkategorien kosten CHF 2.-- und alle Kinderkategorien CHF 1.-- mehr. Die Vergünstigungen an Montagen (ausser Feiertagen) werden beibehalten. Die Preise für die Abonnemente bleiben unverändert. Ebenfalls ab 1. Januar 2009 erhält der Zolli ein elektronisches Kassensystem.

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Schönes Wetter, das heisst für Pinguine vor allem eins: kalt, wenn möglich unter 10 Grad. Deshalb haben die Königs- und Eselspinguine nur im Winter Ausgang. Zu viel Wärme vertragen die beiden Arten nicht. Hitze schadet ihrer Gesundheit, denn mit ihrem dichten Federkleid und der dicken Fettschicht unter der Haut überhitzen sie sich schnell.

Über den Spaziergang freuen sich nicht nur die Pinguine. Scharen von Besucherinnen und Besuchern warten jeden Tag vor dem Vivarium, bis sich gegen elf Uhr die Türen öffnen und der Tierpfleger mit seinem watschelnden Trupp über die Brücke spaziert. Die begeisterten Ausrufe der Kinder übertönen die Pinguine jeweils mit lautem Geschnatter.

Nach der langen Sommerpause finden die alten Tiere den Weg zum Aussenquartier ohne Probleme, nur die Jungen brechen manchmal aus der Gruppe aus und versuchen, die Umgebung zu erkunden. Wenn es kalt genug ist, verbringen die älteren Vögel ab und zu zwei, drei Tage draussen. Die jungen Königspinguine lässt der Tierpfleger dann im Innengehege, denn wenn die Elterntiere im Meer auf Futtersuche sind, bleibt der Nachwuchs auch in ihrem natürlichen Lebensraum tagelang auf sich gestellt.

Königspinguine und Eselspinguine leben in grossen Kolonien auf den Inseln um die Antarktis. Sie gehören zu den Arten, die perfekt an das Leben in der Kälte angepasst sind.

Im Zoo Basel leben im Moment 11 Königspinguine und 13 Eselspinguine. Zwei der Jungen Königspinguine vom letzten Jahr wurden vor kurzem in den Zoo Zürich zur weiteren Zucht gegeben.

Möglichkeiten und Grenzen der Veterinärmedizin im Zoo

Vorbeugen kommt vor Heilen; damit Zootiere gesund bleiben, ist die Krankheitsprophylaxe die Hauptaufgabe des Zootierarztes. Die Vorsorge beginnt bereits bei der Planung von neuen Anlagen und beim Zusammenstellen passender Tiergruppen. Der Zootierarzt sorgt für eine gesunde Ernährung und setzt Neuankömmlinge in Quarantäne. Er koordiniert Impf- und Parasitenbekämpfungsprogramme sowie Pflegemassnahmen an Hufen, Klauen, Zähnen und Federn.

Zootierarzt Christian Wenker erklärt die speziellen Aufgaben eines Tierarztes im Zoo.

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Ein Zootier wird krank – der Zootierarzt ist gefordert

Was aber, wenn ein Zootier trotzdem krank wird? Viele Wildtiere verbergen Krankheitszeichen solange es geht, damit sie Beutegreifern nicht auffallen oder ihren Rang in der Gruppe nicht verlieren. Die Tierpflegerinnen und Tierpfleger beobachten die Tiere deshalb täglich und melden bereits diskrete Zeichen, beispielsweise wenn sich ein Tier von der Herde absondert oder ein struppiges Fell hat.

Ist ein krankes Tier erkannt, steht der Zootierarzt vor einer wichtigen Entscheidung: Ist es schwer verletzt oder aussichtslos krank, wird er es unverzüglich einschläfern müssen. Bei den meisten Erkrankungen muss zunächst der Verlauf beobachtet werden, denn viele Zootiere sind stressanfällig oder gefährlich und können nicht so einfach untersucht werden. In solchen Fällen ist eine Verdachtsdiagnose Grundlage für einen Behandlungsversuch. Für eine gründliche Untersuchung ist eine Vollnarkose (siehe Foto) unter erschwerten Bedingungen nötig.

Hat man sich einmal dazu entschlossen, wird die Narkose dazu genutzt, so viele Informationen wie möglich zu sammeln: Es wird gewogen, vermessen und gründlich von Kopf bis Fuss untersucht, es werden Blut- und andere Proben entnommen und das Tier wird mittels Beringen oder Mikrochip eindeutig identifiziert. Gleichzeitig werden Routinebehandlungen, wie Klauenpflege und Entwurmen durchgeführt. Zur Diagnose sind bildgebende Verfahren, wie Röntgen und Ultraschall besonders geeignet; die Resultate liegen sofort vor und eine Behandlung kann in derselben Narkose eingeleitet werden.

Löwe und Gorilla- zwei schwierige Zoo-Patienten

Routine kennt der Zootierarzt praktisch nicht, jeder Krankheitsfall ist eine neue Herausforderung. Beispielsweise zeigte diesen Frühling eine 1-jährige Löwin Gleichgewichtsstörungen. Die umfangreichen medizinischen Abklärungen ergaben eine Entwicklungsstörung im Bereich des Kleinhirns. Dieses wurde durch einen abnormal verdickten Schädeldachknochen komprimiert. Das Tier musste eingeschläfert werden und wurde pathologisch untersucht. Die festgestellte Knochenstoffwechselstörung tritt bei Junglöwen auf, welche im Wachstum vermutlich zu wenig Vitamin A aufnehmen. Die Fütterung der Löwen wurde deshalb überprüft und angepasst.

Ein anderer anspruchsvoller Patient ist ein heute 6-jähriges Gorillamännchen. Es zeigte vor einem Jahr Anzeichen von Unwohlsein und starken Bauchschmerzen. Die Untersuchung ergab eine Leberinfektion mit dem gefährlichen Fuchsbandwurm. Der Gorilla hat sich vermutlich durch mit Fuchskot kontaminiertes Futter angesteckt. Die Erkrankung kann nicht geheilt, aber mittels einer Chemotherapie beherrscht werden. Der Gorilla lebt bis heute beschwerdefrei in der Gruppe. Um die Gefahr weiterer Infektionen bei den Menschenaffen zu minimieren, wurde ein Massnahmenpaket ergriffen.

Ein Fall für die Wissenschaft

Alle Krankheitsfälle im Zoo werden sorgfältig in einer elektronischen Datenbank dokumentiert und jedes Tier erhält eine Krankengeschichte. Im Zoo Basel wird zudem jedes gestorbene oder eingeschläferte Zootier, vom Fisch bis zum Elefant, pathologisch untersucht. Seit vielen Jahren führen Spezialisten des Zentrums für Fisch- und Wildtiermedizin ‚Vetsuisse’ Fakultät der Universität Bern diese Untersuchungen durch. Die Resultate lassen Rückschlüsse auf den Bestand zu und erlauben dem Zootierarzt wiederum, Massnahmen zur Krankheitsvorsorge zu ergreifen. Im Sinne eines nachhaltigen Umganges mit den wertvollen Ressourcen eines Zoos mit seinen seltenen Tierarten sind diese Untersuchungen auch eine wichtige Quelle für Wissenschaft und Forschung: Fast täglich erreichen Anfragen von Instituten und Museen den Zoo und die Erkenntnisse werden an wissenschaftlichen Kongressen und Tagungen sowie in Fachzeitschriften publiziert. Jeder dokumentierte Fall birgt die Chance, Erkrankungen noch früher zu erkennen und wirksamer zu behandeln. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.12.2008, 17:42 Uhr

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3 Kommentare

Martin Frossard

11.12.2008, 00:03 Uhr
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Der Zoo will mehr Eintrittsgeld? O.K. aber dafür muss sich einiges bessern! Der Zustand des Zoos ist wirklich mieserabel. Schlecht gepflegte Reptilien, Affen die abhauen, Nilpferde welche Zebras und Strausse im Wasser ersäufen, junge Wildhunde die gleich mehrfach ins Löwengehege fallen, ein junges Flusspferd ohne Zukunft, Kinder welche ins Wölfsgehege stürzen usw. Das alles muss sich ändern! Antworten


Reto Halodrio

17.12.2008, 19:10 Uhr
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Jaja einen dummen Latz habe meist die Leute die sowieso nur 1 mal alle 2 Jahre in den Zoo gehen oder ihn nur von Fotos kennen. Auf den Besuch von Herrn Frossard kann der Zoo sicher verzichten. Wir haben in Basel einen sehr schönen Zoo. Aber das Nörgler überall ihr unwesen treiben ist seit je bekannt. Antworten



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