THERWIL

Bürger gehen auf Einbrecherjagd

In Therwil haben Anwohner eine Bürgerwehr gegründet, die nachts durch die Quartiere patrouilliert. Diese Entwicklung wird als «Zeichen der Ohnmacht» gedeutet.

Auf schmalem Grat: Kontrollgänge können präventiv wirken, aber mit dem Gesetz kollidieren (Symbolbild).

Auf schmalem Grat: Kontrollgänge können präventiv wirken, aber mit dem Gesetz kollidieren (Symbolbild). Bild: Keystone

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Seit Monaten schwappt eine Einbrecherwelle aus dem Elsass übers Baselbiet. Durch die geografische Nähe zu Frankreich ist das Leimental besonders betroffen. «In den letzten zwei Wochen gab es eine Einbruchsserie in einem Quartier in Richtung Grenze», sagt der Therwiler Landrat Hans-Jürgen Ringgenberg (SVP). «In der Bevölkerung brodelt es. Es muss etwas passieren.» Deutliches Indiz: Vor wenigen Tagen hat ihn ein Bekannter darüber informiert, dass sich Anwohner in Therwil zu einer Bürgerwehr zusammengeschlossen haben. Diese sei bereits unterwegs und patrouilliere nachts durch die Quartiere. Als «Zeichen der Ohnmacht» deutet Ringgenberg diese Entwicklung. Dass Bürger zu solchen Mitteln greifen, zeige, dass sie das Gefühl haben, im Stich gelassen zu werden, sagt Ringgenberg.

Solche Bürgerwehren bewegen sich erfahrungsgemäss auf einem schmalen Grat. Eine ähnliche Patrouille in Birsfelden, aufgrund von Sachbeschädigungen ins Leben gerufen, wurde im Sommer 2009 wieder aufgelöst, nachdem es vor laufenden Kameras des Schweizer Fernsehens zur Eskalation mit Jugendlichen kam. Umgekehrt hat die Polizei in den letzten Wochen und Monaten immer wieder darauf hingewiesen, dass sie im Kampf gegen Kriminaltourismus auf die Aufmerksamkeit der Bevölkerung angewiesen ist.

Beobachten, keine Konfrontation

«Wenn Bürger in ihren Quartieren Präsenz markieren und sich im Sinne von Neighbour Watch explizit auf das Beobachten und Melden beschränken, haben wir dagegen nichts einzuwenden», stellt Sicherheitsdirektor Isaac Reber klar. Schliesslich kenne niemand sein unmittelbares Wohngebiet besser als die Bewohner. «Solche Aktionen haben zweifellos präventive und sinnvolle Wirkung. Wir begrüssen diese Form der Unterstützung daher ausdrücklich.»

Alles, was darüber hinausgehe, sei jedoch weder professionell und sinnvoll noch zielführend, weil man sonst sehr rasch selbst mit dem Gesetz in Konflikt kommen könnte, so Reber. «Da in Anbetracht der professionellen Täterschaft nicht ausgeschlossen ist, dass sich diese im Falle einer direkten Konfrontation zur Wehr setzt, raten wir dringendst davon ab, sich auf Direktkonfrontationen einzulassen.» In solchen Fällen gibt es nur einen Weg, und zwar die sofortige Alarmierung der Polizei.

Der Kampf gegen den Kriminaltourismus ist seit Monaten ein Schwerpunkt in der Arbeit der Sicherheitsbehörden. «Zwischen Oktober 2012 und dem heutigen Tag hat die Baselbieter Polizei gesamtkantonal über 3000 Mannstunden explizit in die aktive Einbruchprävention investiert», sagt Reber. «Die entsprechenden Aktionen halten an, Lage und Disposition werden täglich frisch analysiert.» Insgesamt ­resultierten dabei über 40 Festnahmen von mutmasslichen Einbrechern. Die Jahresstatistik 2012 zeige, dass letztes Jahr bei den Einbrüchen deutlich höhere Zahlen als im Vorjahr verzeichnet werden mussten.

Privater Sicherheitsdienst

«Die Bekämpfung der Einbruchkriminalität bildet auch 2013 einen Tätigkeitsschwerpunkt der Polizei Basel-Landschaft», kündigte die Baselbieter Regierung gestern in ihrer Antwort zu einer entsprechenden Interpellation Ringgenbergs an. Dieser ist davon aber nicht sonderlich überzeugt: «Mir ist bewusst, dass die Polizei ihr Bestes gibt. Aber das Vorgehen der Sicherheitsdirektion ist mir zu wenig konkret.» ­Namentlich hatte er sich erhofft, dass die Bewachung der Grenze verbessert wird. «Der Unmut steigt, und wenn keine Massnahmen kommen, ergreift man diese halt selber.»

Tatsächlich haben aufgrund der andauernden Einbruchswelle schon weitere Gemeinden aufgerüstet. Im solothurnischen Hofstetten-Flüh patrouilliert seit Anfang Jahr jede Nacht ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes mit Hund. «Pro Nacht ist dieser drei Stunden unterwegs», sagt der für Sicherheit zuständige Gemeinderat Donat Fritsch. Die Hälfte der Zeit wendet der Sicherheitsdienst für die Kontrolle in öffentlichen Gebäuden auf, in der zweiten Hälfte patrouilliert er durch die Quartiere der 3000-Seelen-Gemeinde.

Fritsch zieht ein positives Zwischenfazit: «Die Situation hat sich stark gebessert.» Durch die Patrouille konnten sogar schon mehrmals Einbrecher in flagranti erwischt werden. Auch wenn dies nicht die eigentliche Aufgabe des Sicherheitsdienstes ist, wie Fritsch betont: «Für die Männer gilt das gleiche Recht wie für alle anderen Bürger. Es geht also nicht darum, Einbrecher zu schnappen.» Das Hauptgewicht liege ganz klar auf der Prävention, zumal Kriminaltouristen ihre Ziele im Vorfeld oft auskundschaften. «Wir wollen, dass sie gleich merken, hier wird es schwierig», so Fritsch. (Basler Zeitung)

Erstellt: 21.03.2013, 07:05 Uhr

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