Basel

Ein Hauch von Fegefeuer über Liestal

Von Titus Villiger. Aktualisiert am 14.03.2011

Feuer, Funken, Rauch und Asche: Das Liestaler Stedtli stand in Flammen: Rund 300 Besenträger und 15 Feuerwagen heizten dem Publikum ein.

Gewaltiges Funkenmeer: Die Besenträger beim Vorbeimarsch durch das vom Feuer erhellte Liestaler Stedtli.

Gewaltiges Funkenmeer: Die Besenträger beim Vorbeimarsch durch das vom Feuer erhellte Liestaler Stedtli.
Bild: Dominik Plüss

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Durchkommen geht nicht mehr. Weder vorwärts noch rückwärts, auch nicht mit viel Ellbogeneinsatz, auch nicht, indem man den anderen auf die Füsse steht: Es ist erst 18.45 Uhr. Doch das Liestaler Stedtli ist gerammelt voll. Sämtliche Gassen, die zur Rathausstrasse führen, sind hoffnungslos verstopft. Es herrscht eine eigenartige Stimmung. Das Warten auf den Sturm. Besser: das Warten auf das Feuer. In Liestal fand gestern einmal mehr der Chienbäse-Umzug statt. Tausende säumten die Umzugsstrecke.

brennende Last. Pünktlich um 19.15 Uhr zahlt sich das Warten aus. Mit wenigen Ausnahmen gehen überall im Stedtli die Lichter aus. Die Liestaler Fasnachtscliquen ziehen mit einem Laternenzug auf. Und dicht dahinter folgen die ersten Besenträger mit ihrer brennenden Last auf den Schultern – die Besen aus Föhrenscheiten können je nach Bauart zwischen 40 und 70 Kilogramm wiegen. Funken stieben in den Himmel, da und dort fliegt ein glühendes Scheit auf die Strasse. Müde Besenträger werden vom Publikum mit Rufen und Pfiffen angefeuert. Schon bald wird die Luft rauchig, der Boden voll mit Asche und die Rathausstrasse verwandelt sich in einen wahren Hexenkessel.

Intensive Hitze

Gewaltig wirken auch die grossen Feuerwagen. Ihre meterhohen Flammen sind von Weitem zu sehen. Fahren sie durch das Törli, das Nadelöhr auf der Route, ist der gesamte Törlibogen mit Flammen gefüllt. Jetzt macht sich einmal mehr auch die grosse Menschenmenge bemerkbar: Wer vorher in die vorderste Reihe drängte, wird dies nun bereuen. Immer wieder machen die Wagen auf ihrer Route nämlich eine Pause. Dann wird die Hitze am Strassenrand derart intensiv, dass man sich bücken oder abwenden muss. Während die hintere Reihe nach vorne drückt, um mehr vom Spektakel zu sehen, drängen jene in den vordersten Reihen nach hinten, um Distanz zur Hitze zu bekommen.

Zwischen den Wagen folgen immer wieder die Besenträger. Frauen und Männer und sogar eine Handvoll Kinder schreiten die Route ab: Gestartet wird beim Burgschulhaus, dann geht der Zug die Burgstrasse hinunter, durch das Törli und die Rathausstrasse hinab. Auf dem Gstadeckplatz schliesslich brennen die gesammelten Besen aus. Die meisten schützten sich mit feuerfesten Mänteln, einem Feuerwehrhelm und dicken Lappen im Genick. Einige wenige ziehen so los, wie es früher Brauchtum war: in einen Stoffsack gehüllt, auf dem Kopf ein Salatsieb als Helm.

Prominente Gäste

Gemäss Ruedi Schafroth, Präsident des Fasnachtskomitees, trugen gestern rund 300 Besenträger ihre lodernde Fracht durch das Stedtli – etwa gleich viele wie im letzten Jahr. Hinzu kamen zehn mittlere und grosse sowie fünf kleine Feuerwagen. Auch die Feuerwehr war einmal mehr auf Trab: Rund 150 Leute aus Liestal und den umliegenden Feuerwehren sorgten für die Sicherheit. Nicht beziffern konnte Schafroth die Zahl der Zuschauer: «Die hat noch nie jemand gezählt.» Man gehe aber von 50'000 bis 70'000 Besuchern aus – bei so idealem Wetter wie gestern jedenfalls.

Auch einige bekannte Namen waren unter den Gästen: Etwa die ehemalige Bundesrätin Ruth Metzler, der St. Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin oder Beat Oberlin, CEO der Baselbieter Kantonalbank. Sogar der ehemalige Präsident des Basler Fasnachtskomitees, Felix Rudolf von Rohr, befand sich unter den Heerscharen von Schaulustigen und zeigte sich beeindruckt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.03.2011, 06:37 Uhr

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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.