Basel
Eine fatale Verwechslung führte zum Tramunfall
Von Alexander Müller. Aktualisiert am 25.10.2012 13 Kommentare
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Ein schwerer Fehler des Tramchauffers führte zum spektakulären Unfall vom 2. November 2011 in Münchenstein. Das Tram war damals entgleist, als es mit üblichen hohen Geschwindigkeit über die Weiche bei der Wendeschlaufe in Richtung Dornach fuhr. Nur: Die Weiche war in Richtung Wendeschlaufe gestellt – der Wagenführer ging aber davon aus, dass die Weiche auf gerade Fahrt gestellt ist. Deshalb beschleunigte er das Tram nach der Haltestelle Münchestein Dorf auf rund 55 km/h – erlaubt wären sogar 65 km/h gewesen. Bei der Weichenstellung in Richtung Schlaufe beträgt die erlaubte Geschwindigkeit jedoch nur 10 km/h, um eine sichere Fahrt um die Kurve zu gewährleisten.
Der Wagenführer hatte vor dem Crash zwei Signale übersehen, die ihm die Weichenstellung korrekt angezeigt hatte, wie der Unfallbericht der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (SUST) festhielt. Rund 17 Meter vor der Weiche bemerkte der Wagenführer seinen Irrtum und leitete eine Vollbremsung ein – zu spät. Als das Tram die Weiche überfuhr, hatte es noch immer eine Geschwindigkeit von 38 km/h. Aufgrund der zu hohen Geschwindigkeit entgleiste das Tram und krachte in die Wand eines Einfamilienhauses.
Weiche von Hand betätigt
Normalerweise ist die betroffene Weiche stets auf gerade Fahrt gestellt. Das war auch an diesem Abend der Fall, wie BLT-Direktor Andreas Büttiker festhielt: «Der Wagenführer hat die Weiche aus Versehen von Hand auf Ablenkung gestellt.» Das fatale Missgeschick sei passiert, als der Wagenführer die Freigabe für die Strecke vor ihm erwirken wollte und dabei ohne es zu merken die benachbarte Taste für die Weichenregelung erwischte.
Nach dem Unfall, bei dem sechs Passagiere leicht verletzt wurden, ist der verantwortliche Fahrer gemäss Büttiker nie wieder in den Führerstand eines Trams gesessen: «Der Unfall ist dem Wagenführer sehr nahe gegangen.» Man habe danach gemeinsam entschieden, für den Mann eine andere Tätigkeit innerhalb der BLT zu finden. Büttiker hielt aber fest, dass der Mann ein erfahrener und pflichtbewusster Wagenführer war, der fit für den Job war. Weder Übermüdung noch Alkohol oder gar Drogen seien der Grund für die «Unachtsamkeit des Wagenfühers» gewesen, betonte Büttiker.
Zusätzliche Sicherheitsmassnahmen
Nach dem Unfall wurde die Wendeschlaufe vorübergehend stillgelegt. Sie wird ohnehin nur bei grösseren Störungen des Strekennetzes oder bei Verspätungen gebraucht. In der Zwischenzeit hat die BLT die betroffene Weiche mit zusätzlichen Massnahmen gesichert. So erfolgt die Streckenfreigabe seither automatisiert. Und die Weiche lässt sich nach der Einfahrt in die Haltestelle nicht mehr aus dem Führerstand umstellen. Will ein Tram die Wendeschlaufe befahren, muss der Chauffeur die Weiche bereits vor der Station betätigen. Damit soll sichergestellt werden, dass es sich um einen bewussten Prozess handelt. «Falls der Wagenführer die Weichenstellung vergisst, muss er seither anhalten, aussteigen und die Weiche von Hand stellen», erklärt Büttiker.
Ausserdem warnt ein zusätzliches akustisches Signal im Führerstand, falls die Weiche auf Ablenkung gestellt ist. Der Tramführer muss das Signal quittieren. Tut er das nicht innerhalb weniger Sekunden, wird eine Vollbremsung eingeleitet.
Für zwei weitere Weichen, jene bei den Tramschlaufen in Reinach Süd sowie vor dem Depot Hüslimatt, wurden dieselben Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die restlichen Weichen auf dem Streckennetz werden gemäss dem BLT-Direktor mit deutlich tieferen Geschwindigkeiten befahren, so dass eine Fehlstellung auch weniger dramatische Auswirkungen hätte.
Unfalltram verschrottet
Der Unfall vor einem Jahr hat die BLT rund 100'000 Franken gekostet. Davon übernham die Versicherung rund 80 Prozent. Ein grosser Teil des Schadens war der Instandstellung des beschädigten Hauses geschuldet. Das demolierte Tram selbst wurde nicht mehr repariert. «Dafür hätten wir rund eine halbe Million Franken investieren müssen», sagte Büttiker. Das habe sich nicht gelohnt, da das Tram ohnehin wenige Jahre später ausgemustert worden wäre, erklärte der BLT-Direktor. Das Tram wurde deshalb zu Lasten der Reserve verschrottet.
Die BLT ist etwas verärgert, dass sich die SUST fast ein Jahr Zeit gelassen hatte, um den abschliessenden Unfallbericht fertigzustellen. «Wir hätten die Angelegenheit gerne schneller aufgearbeitet», sagt Büttiker. Auch wenn aus Sicht der BLT schnell feststand, dass menschliches Versagen zum Unfall führte, äusserte ihr Direktor aber ein gewisses Verständnis dafür, dass eine seriöse Untersuchung von möglichen Restursachen des Unfalls seine Zeit dauert. Ob dem fehlbaren Tramchauffeur nun noch eine Anklage seitens der Strafverfolgungsbehörden droht, ist bislang nicht bekannt. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.10.2012, 10:28 Uhr
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13 Kommentare
Ich verstehe bis heute noch nicht, weshalb diese Untersuchung derart lange gedauert hat - bei allem Verständnis für eine gründliche Abklärung. Das ist ja eine extrem harte Tortur für diesen Wagenführer, so lange warten zu müssen, bis die offizielle Bekanntgabe erfolgte. Ich wünsche diesem Führer alles Gute und viel Befriedigung bei seiner hoffentlich erfüllenden neuen Aufgabe. Antworten

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