Basel

Feldmauser machen Jagd auf Wühl- und Schermäuse

Von Heidi Schwarz. Aktualisiert am 13.10.2008

Mäuseschwänze gegen Bares: Dieses Tauschgeschäft hat derzeit Saison im Oberbaselbiet. Eine tote Maus ist den Gemeinden einen Franken wert. Der Schwanz jedes Tieres dient als Beweis des Fangerfolges.

Simon Schmutz gehen viele Mäuse in die Falle. (Bild: Team Schwarz)

Simon Schmutz gehen viele Mäuse in die Falle. (Bild: Team Schwarz)

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Die Jagd nach den kleinen Nagern ist notwendig. Um das Mäusevolk nämlich nicht ins Unermessliche anwachsen zu lassen, braucht es die Feldmauser. Die natürlichen Feinde der Mäuse, etwa Greifvögel, Füchse, Eulen, Hermeline und Katzen, dezimieren das Mäusevolk höchstens um zehn Prozent. Die kleinen Tiere können katastrophale Land- und Flurschäden anrichten, wenn man ihnen nicht den Garaus macht. Eine einzige Maus vermag einen jungen Baum kaputt zu fressen.

Einst lukrativ

Im Kampf gegen die unkontrollierbare Vermehrung der Mäuse zahlen die Gemeinden ihren Kopfjägern Geld. In den meisten Kommunen im Oberbaselbiet bekommen die Mauser einen Franken pro totes Tier. Bezahlt wird für die vorgelegten Schwänze der Mäuse. Einst war die Mäusejagd eine lukrative Sache. Vor 60 Jahren beispielsweise. Damals sei es keine Seltenheit gewesen, dass einzelne Landwirte so viele Mäuseschwänze abliefern konnten, dass sie mit dem Erlös daraus ihre Steuern bezahlen konnten, erzählen Chronisten. Auch in Titterten konnte ein guter Mauser vor etwa vierzig Jahren bis zu 2500 Franken je Saison verdienen.

Im Jahr 2007 zahlte der Kontrolleur noch 800 Franken für alle in der Zeit von April bis Oktober gefangenen Mäuse aus. «Heuer mussten wir erst 130 Franken auszahlen», sagt eine Gemeindeangestellte. Titterten kennt die Mausprämie erst seit wenigen Jahren wieder. Während vielen Jahren strapazierte ein Feldmauser die Kasse in Ziefen. Im Jahre 2005 musste der Kassier dem «König der Ziefner Mauser» beispielsweise knapp 5000 Franken auszahlen. Nach seinem Tod waren es im Jahr 2006 nur noch 1680 Franken und im letzten Jahr 2500 Franken. Laut Beat Thommen scheint Ziefen einen «Kronprinzen» des erfolgreichen «Königs» gefunden zu haben. «Die Fangquote verspricht bei einem einzelnen Mäusejäger dieses Jahr wieder etwas höher als im Vorjahr auszufallen», ist der Verwalter überzeugt.

Nachwuchs-Feldmauser

Schlecht leben lässt es sich für die Mäuse ebenfalls in Langenbruck. Hier zeichnet sich insbesondere Simon Schmutz aus. Der achtjährige Nachwuchs-Feldmauser hat seit dem Frühsommer mit der Jagd auf Mäuse sein Sackgeld bereits um 836 Franken aufgebessert. Sein Vater ist überzeugt, dass er die 1000-Franken-Marke bis zum Ende der Saison auch noch knacken wird. Landwirt Erwin Schmutz war es denn auch, der seinem Sohn das Handwerk des Mausens beigebracht hat. «Wer als Mauser erfolgreich sein will, muss eben auch einige Tricks kennen», sagt er.

Keine Gnade

Mitleid mit ihren Opfern haben weder Simon Schmutz noch die anderen Feldmauser. Mit den «neumodischen», den sogenannten Topcat-Fallen seien die Tiere fast immer sofort tot. Und die Gefahr, die Wühl- und Schermäuse auszurotten, besteht ebenfalls nicht. Die kleinen Tiere vermehren sich so fleissig, dass sie die Abgänge problemlos wieder kompensieren.

Die Gemeinden werden deshalb auch weiterhin eine Fangprämie für abgelieferte Mäuseschwänze ausrichten. «Wir haben eigentlich gar keine andere Wahl», begründen die Gemeinde-Finanzchefs jeweils den Budget-Posten «Mäuseschwänze» den Stimmberechtigten. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.10.2008, 15:06 Uhr

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