Basel

Karpfenschwärme zerstören Ermitage-Damm

Dammkrone sanieren, Bach ausbaggern, Geröll auffangen, Abläufe verbreitern: Mit diesen Massnahmen soll verhindert werden, dass die Dammkrone des mittleren Weihers in der Ermitage plötzlich bricht.

1/5 Die Eremitenklause (Waldbruderklause) in der Ermitage Arlesheim mit dem neu gestalteten Gärtchen.
Bild: Henry Muchenberger

   

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Die Ermitage ist Natur, nicht unberührte Natur, sondern bewusst gestaltete; ein sentimentaler Landschaftsgarten nach englischem Vorbild, angelegt 1785 auf Initiative von Balbina von Andlau-Staal, Gattin des Landvogtes, und ihres Cousins Domherr Heinrich von Ligertz. Und weil viele die Ermitage nur als mythischen Kraftort – was sie zweifellos auch ist – verklären, kommt es immer wieder zu einem Aufschrei des Entsetzens, wenn dem ungestümen Wuchern der Natur von Menschenhand Einhalt geboten wird, etwa als vor Kurzem Bäume gefällt wurden, um die ursprünglichen Sichtachsen wieder herzustellen.

Schloss ist saniert

Wege, künstliche Wasserfälle, Teiche, Eremitenklause, Grotten – all das will unterhalten sein. Deshalb hat die Eigentümerin der Anlage, die Stiftung Ermitage Arlesheim und Schloss Birseck, 2003 ein Mehrjahreskonzept in Auftrag gegeben. Entstanden sei ein dickes Buch, in dem alle Massnahmen aufgezeigt werden, die im Laufe der Jahre ausgeführt werden müssen, sagt Stiftungspräsident Ruedi Brandenberger. Einiges ist schon getan: Schloss Birseck mit seinem prächtigen Rittersaal ist saniert, ebenso der mittelalterliche Fachwerkschopf innerhalb der Burgmauern. Der Wald ist ausgeholzt, die Sichtachsen sind freigelegt, ganz im Sinne der Grundidee dieses englischen Gartens.

Hecht und Zander

In diesem Jahr liegt das Hauptaugenmerk auf dem Damm des grossen, mittleren Weihers. Die Dammkrone müsse dringend saniert werden, sagt Brandenberger. Sie lasse Wasser durch und könnte brechen. «Dann haben wir die ganze Sauce im Dorf.» Gleichzeitig sollen im Teich wieder Hecht und Zander angesiedelt werden, als natürliche Feinde der Karpfen. Von Karpfen wimmelt es in dem Teich nämlich; sie wühlen an der Dammkrone und tragen so das Ihrige zu deren Zerstörung bei.

Die Sanierung der Dammkrone ist auch Teil eines umfassenden Hochwasserschutzes in der Ermitage. Beim hinteren Weiher sollen die Überläufe so erweitert werden, dass das Wasser bei Hochwasser nicht mehr über die Dammkrone fliesst, sondern via die Überläufe in den Bach geleitet wird. Die Bachsohle ist bereits von abgelagertem Geröll befreit, damit das Wasser besser abfliessen kann. Bei Hochwasser dringe das Wasser fast in die Häuser hinter den Weihern ein, sagt Brandenberger.

Biotop hält Steine auf

Als dritte Massnahme gegen Hochwasser wird hinter dem hinteren Weiher ein sogenannter Geschiebepool ausgehoben. Es wird ein kleines Biotop entstehen, in das der Bach fliesst. Die Steine, die der Bach mit sich führt, können sich dort ablagern und künftig das Bachbett nicht mehr verstopfen.

Vieles in der Ermitage ist in den letzten Jahrzehnten zerstört, verwildert und überwuchert worden. So auch das Eremitengärtlein und die Allee zwischen dem mittleren Weiher und den Häusern. Das Eremitengärtlein unterhalb der Klause soll die Vorstellung verstärken, dass dort tatsächlich ein Eremit sein zurückgezogenes Leben lebt. Das zum Teil zerstörte und vollständig überwucherte Gärtchen ist letztes Jahr wieder in seinen alten Zustand gestellt worden. Auch der Felsen bei der Mühle gleich eingangs des Landschaftgartens musste nach nur zwei Jahren erneut von wucherndem Gestrüpp befreit werden.

Allee freilegen

Kaum mehr erkennbar ist die Allee, die dem Hang entlang zu den hinteren Häusern führt, verschüttet und zugewachsen ist der Pfad. Er soll im kommenden Frühling wieder auf seine ursprüngliche Breite freigelegt werden. Der Waldrand wird zum Weiher hin ausgeforstet, und wo eine der Buchen entlang der Allee fehlt, wird sie ersetzt.

Die Arbeit in der Ermitage werde nie ruhen, sagt Ruedi Brandenberger. Die Stiftung plane im Weiteren, das grosse Waldhaus im Baurecht abzugeben sowie die Mühle und das Äquadukt zu sanieren.

Dann möchte man sich dem künstlichen Wasserfall unterhalb des Schlosses annehmen. Je nach Situation laufe der Wasserfall oder nicht. Um dieser Zufälligkeit Herr zu werden, müsse untersucht werden, wie das unterirdische Leitungssystem der Ermitage mit dem der Gemeinde verbunden sei. Ein aufwendiges Projekt, für das derzeit die Finanzierung aber noch nicht gesichert ist. (Basler Zeitung)

Erstellt: 05.01.2010, 15:34 Uhr

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